Der nächste deutsche Bundespräsident soll eine Frau sein. Dabei wirken die Argumente bislang doch eher hilflos bis fadenscheinig.
Der nächste deutsche Bundespräsident soll eine Frau sein. Dabei wirken die Argumente bislang doch eher hilflos bis fadenscheinig.
Was ist das Spannendste an der zweiten Amtszeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier? Ich will ihm nicht zu nahetreten, aber es dürfte die bislang offene Frage seiner Nachfolge sein. Die geschlechtsneutrale Form wähle ich bewusst, obwohl allen um mich herum zurzeit klar zu sein scheint, dass es unbedingt eine Frau werden muss. Warum eigentlich?
Ich kann mich nicht erinnern, dass im Grundgesetz steht: „Nach zwölf alten Männern muss als Nummer 13 eine Frau ins Amt!“ Wenn es vor allem darum ginge, einer wichtigen gesellschaftlichen Gruppe öffentliche Anerkennung zu verschaffen, könnte man ja auch fordern: Es muss endlich mal jemand unter 50 ran!
Dazu steht nämlich tatsächlich was in der Verfassung, Art. 54, Absatz 1, Satz 2: Unser Staatsoberhaupt muss demnach „das vierzigste Lebensjahr vollendet“ haben. Keine Ahnung, weshalb ausgerechnet 40. Man hätte die Grenze ja auch bei 38 oder 47 ziehen können. Da waren die Väter (und Mütter!) des Grundgesetzes vielleicht schon angeschickert, als sie das schrieben. Hatten es damals kurz nach dem Krieg ja auch nicht leicht.
Aber Spaß beiseite: Wie wäre jemand mit vielfältigem Migrationshintergrund? Oder ein Fußball-Bundestrainer, von denen es in Deutschland bekanntlich 80 Millionen geben soll?
Nee, nee! „Der Ruf nach einer Frau als Staatsoberhaupt wird immer lauter“, bilanzierte die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag. Ich hörte in Berlin zwar niemanden herumschreien, aber die Gegenwehr war wirklich überschaubar. Kannste nix falsch machen mit der gutgemeinten Frauenförderung. Ist so wohlfeil wie risikolos.
Nur der neue Unionsfraktionschef Thorsten Frei wagte anfangs nassforsch die Forderung, man müsse „offen rangehen“ an die Frage – und ein Mann müsse schon auch noch möglich sein. Das fanden viele derart verwerflich, dass er gar nicht anders konnte, als den Gedanken an eine künftige Staatsoberhäuptin ad hoc ebenfalls sehr, sehr klasse zu finden.
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Also noch mal: Warum soll ausgerechnet das Geschlecht bei dieser Personalwahl Prio 1 sein? Die CDU-Vizechefin Silvia Breher sagte meiner FOCUS-Kollegin Alisha Mendgen, es müsse eine Frau werden, weil Frauen so empathisch seien. Das klang derart arg nach Mutti-macht-das-schon-und-hat-für-alle-nen-Keks, dass mir nur noch einer mit mehr Klischees auffiel: Steinmeier.
Der Amtsinhaber hat sich dafür ausgesprochen, dass ein Politprofi gewählt wird. Also jemand wie er? Hm. Das mag in Ausnahmesituationen helfen. Ein Bundespräsident soll aber doch gerade überparteilich auftreten, was zu der bislang stiefmütterlich behandelten Frage führt: Was soll er/sie/es denn eigentlich mitbringen?
Oder anders: Wie sieht das konkrete Anforderungsprofil aus? Und da machte dann doch Thorsten Frei noch einen Punkt. Er wünschte sich eine „starke, gefestigte Persönlichkeit, die in der Bevölkerung über ein hohes Maß an Zustimmung verfügt“.
Damit wäre genderneutral gut zu arbeiten. Bliebe die Frage, ob mit den bislang gehandelten Kandidaten und -innen (Ilse Aigner, Karin Prien, Annegret Kramp-Karrenbauer sowie Boris Rhein, der – soweit bekannt – gar keine Frau ist) schon das Nonplusultra an Volksnähe, Ruckreden-Potenzial und Charisma erreicht ist.
Ich zweifle daran – ahne aber, dass wir uns im Prinzip ohnehin jemanden wünschen, den es gar nicht gibt. Eine Art Jesus-Reinkarnation. Und selbst der Erlöser hatte weiland ja nicht nur Freunde. Okay, wenn’s Jesus in weiblich gäbe, wäre ich natürlich auch sofort dabei.
Braucht Deutschland überhaupt noch einen Bundespräsidenten?
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