PolitikEin von Putin eingesetzter Chefökonom vergleicht die Lage in Russland mit den Monaten vor der Februarrevolution 1917 - und erinnert an Lenins berühmte Fehleinschätzung wenige Wochen vor...
Der Chefökonom der russischen Staatsbank Vnesheconombank hat eine bemerkenswert offene Warnung ausgesprochen: Russland steuere auf eine "soziale Krise" zu. Andrei Klepach, einst von Wladimir Putin, dem auch Wirbel durch einen weiteren Verbündeten droht, selbst in sein Amt berufen, äußerte sich bei einem Forum in Moskau mit einer Schärfe, die in Russlands streng kontrollierter Öffentlichkeit ihresgleichen sucht.
Klepach gehört nicht zur Opposition, er ist Teil des Systems. Genau das macht seine Worte so brisant. Laut einem Bericht von "The Daily Beast" unter Berufung auf die "Moscow Times" stellte der Ökonom die gesamte Kriegsstrategie des Kremls infrage und warnte vor historischen Parallelen, die in Moskau niemand gerne hört.
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Wladimir Putin gewarnt von Top-Berater: Kremlchef gewinnt Zermürbungskrieg nichtKlepachs zentrale These ist unmissverständlich: Russland könne im Abnutzungskampf gegen die Ukraine nicht die Oberhand behalten.
Der Ökonom verwies darauf, dass der Konflikt mittlerweile länger andauere als der "Große Vaterländische Krieg" - und kein Ende absehbar sei. Beide Seiten intensivierten ihre Angriffe, auch auf die jeweilige Wirtschaft des Gegners.
Besonders alarmierend: Die Schäden durch ukrainische Militärschläge auf russische Infrastruktur - Häfen, Öl- und Gasanlagen, Chemiefabriken und Logistikeinrichtungen - hätten inzwischen ein Ausmaß erreicht, das zu einem "erheblichen makroökonomischen Hindernis für das russische Wirtschaftswachstum" geworden sei.
Wladimir Putin könnte Revolution drohenKlepach deutete auf eine wachsende Kluft zwischen der Kreml-Führung und Teilen der russischen Elite hin, die zunehmend nach einem Ausweg aus dem Konflikt suchen. Er beließ es nicht bei ökonomischen Warnungen, sondern griff tief in die russische Geschichtskiste. Er zog Parallelen sowohl zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 als auch zur Februarrevolution von 1917, die Zar Nikolaus II. und die jahrhundertealte Romanow-Dynastie hinwegfegte.
Sein eindringlichstes Argument verpackte er in eine historische Anekdote: "Niemand hat die Februarrevolution erwartet, darf ich daran erinnern", sagte Klepach. "Lenin schrieb im Dezember 1916: 'Wir werden es nicht mehr erleben' - doch wenige Monate später erlebte er es dann doch."
Die Botschaft dahinter ist kaum zu überhören: Gesellschaftliche Umbrüche kommen, "wenn niemand besonders damit rechnet". Russland werde zwar wirtschaftlich nicht kollabieren, so Klepach, doch der Rückstand werde sich vergrößern – "mit allen daraus resultierenden Konsequenzen". Einen vollständigen Zusammenbruch schloss er aus, eine soziale Krise hingegen hielt er für nahezu unvermeidlich.
Wladimir Putin setzt weiter auf Eskalation im Ukraine-KriegWährend Klepach die Alarmglocken läutet, zeigt sich der Kreml unbeeindruckt. Putin hat wirtschaftliche Bedenken beiseite gewischt und setzt weiterhin auf militärische Eskalation - obwohl die einst versprochenen schnellen Siege längst in unerreichbare Ferne gerückt sind. Der Ukraine-Krieg schleppt sich mittlerweile durch sein fünftes Jahr.
Dass Klepachs Äußerungen in Russland auf Nervosität stoßen, zeigt sich an einem bezeichnenden Detail: Seine Kommentare wurden im russischen Internet offenbar weitgehend zensiert. Auf Yandex, der wichtigsten russischen Suchmaschine, ließen sich laut "Moscow Times" keinerlei Spuren seiner Aussagen finden. Die Löschung unterstreicht, wie heikel seine Worte für den Kreml sind. Denn Klepach ist kein Außenseiter, sondern ein langjähriger Insider des Machtapparats.
Der ehemalige Putin-Redenschreiber Abbas Galyamow ordnete die Brisanz entsprechend ein: Klepachs Warnungen seien besonders beachtenswert, weil der russische Präsident in der Vergangenheit auf dessen Ratschläge gehört habe.
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rut/news.de/stg