Tauchen ohne Sauerstoffflaschen – in einem Camp am Rande des Schwarzwalds lernen die Teilnehmer das Freitauchen und wie sie dabei helfen können, unsere Seen zu schützen.
Der Apostelsee, ein 40 Meter tiefer Baggersee bei Ettenheim (Ortenaukreis), ist ein beliebter Ort für Freitaucher. Einer von ihnen ist Leo Hölmer. Er schwimmt in seinem schwarzen Neoprenanzug im Baggersee und holt noch einmal Luft: ein kräftiger Atemzug, dann taucht er ab in die Tiefe. Ohne Sauerstoffflasche, nur mit Schnorchel und Taucherbrille.
Er nimmt an einem mehrtägigen Freitauchkurs teil. Im Apostelsee gibt es zwar keine Korallenriffe und Haie – aber dennoch einiges zu entdecken. Außerdem lernen die Taucher, wie sie anhand der Pflanzen und der Wassertemperatur Rückschlüsse auf den Zustand des Sees und seines Ökosystems ziehen können.
Abtauchen in eine andere WeltDas Besondere für ihn ist die totale Ruhe unter Wasser: "Ich kann auf zehn Metern anhalten und habe wirklich ein paar Sekunden volle Ruhe. Das würde ich niemals haben, wenn ich mit Flaschen tauchen gehe." Oben auf der Wasseroberfläche treibt eine gelbe, runde Boje, von da aus geht ein Seil in die Tiefe des Sees. An diesem Seil kann Leo Hölmer sich beim Abtauchen orientieren.
Der schönste Moment ist es, der Sonne entgegen zu schwimmen.
Zehn Teilnehmer hat das Camp des Vereins Unterwasserwelten aus Freiburg - keiner älter als Anfang 30. In zehn Tagen lernen sie in heimischen Seen am Rande des Schwarzwaldes die Grundzüge des Freitauchens: Wie sie am besten Luft holen und anhalten. Den sogenannten Duck Dive, also ein paar Fußschläge mit den Flossen zu machen und dann kopfüber abzutauchen. Und natürlich, was es in puncto Sicherheit zu beachten gibt. Manche Teilnehmer kommen am Ende des Kurses schon auf 15 Meter Tiefe.
Leo Hölmer ist dafür extra aus der Nähe von Bremen angereist. Er ist schon bis zehn Meter hinabgetaucht. "Hier wird es richtig düster und kalt", sagt er, "und dann einfach cool zu bleiben, entspannt zu bleiben, das ist schon eine Herausforderung." Auch die Farben da unten würden sich verändern. Aber vor allen Dingen das Auftauchen genießt er sehr: "Das ist eigentlich so der schönste Moment, der Sonne entgegen zu schwimmen."
Ein Frühwarnsystem für das ÖkosystemAber es soll auch um mehr gehen als nur schöne Momente. Die Teilnehmer beschäftigen sich auch mit den Pflanzen und Tieren im See. Mit einem Zip-Beutel sammeln sie beim Tauchen einige Pflanzenproben. Im Anschluss besprechen sie am Ufer mit Experten vom Naturschutzbund Deutschland (NABU), was für Pflanzen sie vorgefunden haben und was sich für Rückschlüsse auf den Zustand des Ökosystems ziehen lassen.
Rainer Stoodt ist Naturschutztaucher beim NABU und hofft, dass die Teilnehmer auf diese Weise Verständnis für die Lebenszusammenhänge in den Gewässern bekommen. In dem See gebe es so viel Leben, sagt er, "deswegen ist das so faszinierend, deswegen müssen wir dieses Ökosystem schützen und das können wir nur, wenn wir auch wissen, was da ist."
Wenn die Kursteilnehmer ein Gefühl dafür entwickelten, wie das Ökosystem in verschiedenen Seen aussieht, dann könnten sie auch Veränderungen bemerken, wie sie zum Beispiel durch den Klimawandel und die Hitze verursacht werden. Ein wärmerer See bedeute weniger Sauerstoff und das bedeute weniger Leben im See.
Solche Veränderungen könnten die Hobbytaucher dann zukünftig den Naturschützern melden. "Die können ein Frühwarnsystem sein für die Seen", sagt Stoodt, "weil sie als erstes sehen, wenn sich was verändert unter der Wasseroberfläche." Dann könnten die Naturschützer noch zu einem sehr frühen Zeitpunkt eingreifen.
Abtauchen in eine andere WeltFür Kursteilnehmer Leo Hölmer stehen aber erstmal die Fische im Vordergrund. "Ich habe einen Hecht gesehen", erzählt er begeistert, "und einen sehr, sehr großen Karpfen, der mir entgegen geschwommen ist." Noch achte er beim Tauchen aber auch sehr auf das Seil, das unter der Boje hängt, um die Orientierung zu behalten.
Am Ende des Kurses können die Teilnehmer einen Tauchschein für das Freitauchen machen und dann immer wieder in Unterwasserwelten abtauchen. Aber natürlich nie allein - immer mit einem zweiten Taucher, der ein Auge darauf hat, das nichts schiefläuft.
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