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Was ein Foto aus den Achtzigerjahren über Papst Leo XIV. verrät

Дата публикации: 16-08-2026 15:31:31

Eine Aufnahme von 1983 zeigt den jungen Robert Prevost bei den Protesten gegen die Stationierung von US-Raketen in Italien – Jahrzehnte vor seinem Pontifikat.

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Dies ist ein Open-Source-Beitrag. Die Berliner Zeitung und die Ostdeutsche Allgemeine geben allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten.


Die Wiederentdeckung dieses Schwarz-Weiß-Fotos in Archiven und auf Social-Media-Plattformen bietet präzise historische Details zu jenem prägenden Moment im Leben des heutigen Papstes Leo XIV. Die Aufnahme entstand am 22. Oktober 1983 in Rom während einer der größten Friedenskundgebungen in der Geschichte Italiens, als rund eine Million Menschen zeitgleich mit Millionen anderen Demonstranten in ganz Europa auf die Straße gingen. Der Protest richtete sich primär gegen die Stationierung US-amerikanischer Raketenbasen im sizilianischen Comiso, dem italienischen Kernstück des Nato-Doppelbeschlusses. Aufgenommen wurde das Dokument der Zeitgeschichte von Gianni Novelli, einem Fotografen der katholischen Friedensbewegung Pax Christi Italien, und die Aufnahme wird heute im Pax-Christi-Archiv verwahrt.

Der gebürtige Chicagoer Robert Francis Prevost war zum Zeitpunkt der Demonstration 28 Jahre alt, war erst ein Jahr zuvor zum Priester geweiht worden und hielt sich für ein Aufbaustudium des Kirchenrechts in Rom auf. Prevost lief im dunklen Ordenshabit inmitten seiner Ordensbrüder, und direkt an seiner Seite ging unter anderem der Augustinerpater Giuseppe Pagano, der heute Prior der Kirche Santo Spirito in Florenz ist. Laut Aussagen von Mitbrüdern in der Dokumentation „Leo in Rom“ war es der junge Amerikaner Prevost selbst, der die Gruppe motivierte, an dem Marsch teilzunehmen.

Das Foto zeigt den jungen Ordensmann auf der rechten Seite, wie er ein einfaches, selbstgestaltetes Plakat mit der Aufschrift „Augustiniani per la pace“ hält. Direkt hinter der Ordensgruppe ragt ein großes Banner von Pax Christi empor, über dem eine gebastelte Friedenstaube aus Papier über den Köpfen der Demonstranten schwebt.

Ein Bilddokument des Kalten Krieges

Die damalige Zuspitzung resultierte aus dem Nato-Doppelbeschluss von 1979, der als Reaktion auf die sowjetischen SS-20-Mittelstreckenraketen eine Kombination aus Verhandlungsangeboten und Nachrüstungsdrohung vorsah. Da die Genfer Abrüstungsgespräche scheiterten, folgten ab Ende 1983 massive Stationierungen, die das direkte Ziel des europäischen Protests bildeten.

In der Bundesrepublik Deutschland betraf dies alle 108 ballistischen Pershing-II-Raketen, die mit extrem kurzen Flug- und Vorwarnzeiten von nur fünf bis acht Minuten operieren konnten. Parallel dazu wurden 368 radarunterlaufende Cruise Missiles in Tiefflugkonfiguration aufgeteilt: Großbritannien übernahm den größten Teil, gefolgt von Italien mit der Großbasis im sizilianischen Comiso sowie kleineren Kontingenten in Belgien und den Niederlanden.

Die im Vatikanarchiv verwahrte Fotografie hält diesen Widerstand gegen den nuklearen Rüstungsdruck fest – ein prägendes Zeugnis jener Epoche, die zum biografischen Nährboden für die spätere Friedenstheologie des zukünftigen Papstes werden sollte.

Politik der Stärke? Kanzler Friedrich Merz

Politik der Stärke? Kanzler Friedrich Merz

© Bernd Elmenthaler/Imago

Theologische Fundierung des wehrlosen Friedens

Im Gegensatz zu klassischen, kompromissbereiten Ansätzen der Realpolitik stützt Papst Leo XIV. seine Argumentation auf eine radikale, christozentrische Friedensoption aus seiner Identität als Augustiner. In seinen Botschaften bricht der Papst mit der jahrzehntelangen Tolerierung der nuklearen Abschreckung durch die universale Kirche und deklariert das Konzept der atomaren Balance als fundamentalen Widerspruch zum Evangelium. Die theoretische Säule bildet der Entwurf eines unbewaffneten und entwaffnenden Friedens, wonach ein Friede, der auf dem Fundament atomarer Vernichtungsszenarien errichtet wird, kein Friede ist, sondern ein Waffenstillstand auf Zeit.

So mahnte das Oberhaupt der katholischen Kirche: „Ein Friede, der auf dem Fundament atomarer Vernichtungsszenarien errichtet wird, ist kein Friede, sondern ein Waffenstillstand auf Zeit. Wir benötigen einen unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“ (Botschaft zum 59. Weltfriedenstag, Vatikan, Januar 2026). Und: „Der Friede Christi triumphiert nicht durch die Macht der Waffen, sondern durch die Verwundbarkeit des Kreuzes. Wer den Frieden mit Raketen sichern will, sät den Keim des Untergangs“ (Frühlings-Gebetsvigil, Rom, April 2026). Christliche Friedensarbeit wird hier als aktive, gewaltfreie Intervention verstanden, die dem Gegner die moralische Legitimation des Angriffs entzieht.

Diese Grundhaltung zeigt ihre Relevanz auch in aktuellen Zuspitzungen, wenn sich wie an der Grenze Litauens zu Russland hochgerüstete Verbände gegenüberstehen und die Debatte um permanente Stationierungen das Risiko einer militärischen Eskalation birgt. Während Politiker wie Kanzler Friedrich Merz für eine unmissverständliche Politik der Stärke und eine Modernisierung der nuklearen Teilhabe plädieren, positioniert sich Papst Leo XIV. in seinen Osteuropa-Appellen in direktem Widerspruch dazu.

Päpstlicher Gegenpol zur Realpolitik

In seinen Ansprachen fordert er ein sofortiges Ende der Rüstungs- und Gewaltspirale und betont die verheerende Dynamik militärischer Konflikte: „Krieg bringt nur Krieg hervor und verursacht unermessliches Leid. Es ist an der Zeit, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen und Raum zu schaffen für Diplomatie und Dialog“ (Angelus-Gebet, Rom, August 2026). Für den Papst ist es an der Zeit, die Grenzelemente militärischer Abschreckung zu überwinden, da die Verlegung von Truppen und die Reaktivierung nuklearer Drohkulissen an den Grenzen Osteuropas keine Sicherheit garantieren, sondern lediglich die Angst verwalten.

Dass diese beiden Positionen unvereinbar aufeinandertreffen, zeigt sich auch symbolisch in der öffentlichen Wahrnehmung, wenn Merz die Enzykliken des Papstes rezipiert, während seine Politik gleichzeitig eine fundamentale Wende zur militärischen Stärke forciert. Wahre Staatskunst erweist sich nach päpstlicher Auffassung jedoch nicht im Vorbereiten des Krieges, sondern im Mut zum Dialog an den Rändern des Abgrunds.

Manfred Böhm, Jahrgang 1956, Diplom-Theologe, Studium der katholischen Theologie, Philosophie und Politikwissenschaft in Mainz und Tübingen, freier Publizist und Buchautor, zu Hause im Taunus.

Das ist ein Beitrag, der im Rahmen unserer Open-Source-Initiative eingereicht wurde. Mit Open Source geben wir allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten. Ausgewählte Beiträge werden veröffentlicht und honoriert.

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