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„Die Kosten laufen aus dem Ruder“: Handwerk verlangt Gewerbediesel von der Bundesregierung

Дата публикации: 16-08-2026 11:50:03

Das Niedrigwasser verlagert Logistik auf die Straße. Sachsens Handwerkstag fordert einen Gewerbediesel und benennt weitere Vorschläge, um Betriebe zu entlasten.

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Der Sächsische Handwerkstag hat die Bundesregierung aufgefordert, sofort einen Gewerbediesel einzuführen. Grund seien die steigenden Dieselpreise.  Handwerkstag-Präsident Uwe Nostitz begründet seine Forderung mit dem trockenen Sommer: Weil viele Flüsse zu wenig Wasser führten, verlagere sich Logistik von den Wasserstraßen auf die Straße – und das treibe nach seiner Einschätzung die Nachfrage nach Diesel und damit die Preise. Für zehntausende Betriebe im Handwerk geht es um handfeste Kosten. Was Nostitz konkret verlangt und wie ernst die Lage auf den Flüssen ist, im Überblick.

Was der Sächsische Handwerkstag jetzt fordert

Der Kern der Forderung: ein Gewerbediesel nach dem Vorbild des Agrardiesels. Handwerksbetriebe sollen also einen vergünstigten Diesel für ihre gewerbliche Nutzung bekommen. Nostitz begründet das mit den Betriebskosten des Handwerks.

„Logistikketten, Fuhrparks und Baumaschinen werden fast ausschließlich mit Diesel betrieben. Die Kosten laufen aus dem Ruder und verteuern am Ende viele Produkte und Dienstleistungen des Handwerks.“

Nach Einschätzung des Präsidenten treibt die Trockenheit die Dieselnachfrage. Weil viele Flüsse zu wenig Wasser führten, wandere Fracht von den Schiffen auf die Straße. Das erhöhe den Bedarf an Diesel – und die ohnehin unter Druck stehenden Preise stiegen weiter, prognostiziert er. „Jetzt ist die Bundesregierung gefordert, ihre Politik zu ändern“, sagt Nostitz.

Welche Entlastungen der Handwerkstag vorschlägt

Neben dem Gewerbediesel nennt Nostitz zwei weitere Hebel, um das Handwerk zu entlasten: eine signifikante Absenkung der Energiesteuer oder ein Aussetzen der CO₂-Abgabe.

Einen Tankrabatt hält er für zu kurz gedacht, weil dieser nur zwei Monate wirke. Auch die Verbraucher bräuchten dauerhafte Entlastung: Sie seien bei Investitionen laut einer aktuellen Umfrage weiterhin sehr zurückhaltend, so der Handwerkstag.

Niedrigwasser 2026: Wie ernst die Lage auf den Flüssen ist

Dass die Wasserstraßen unter Druck stehen, belegen aktuelle Messungen. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde hält in ihrem Niedrigwasserbericht vom 13. August fest, dass alle deutschen Stromgebiete betroffen sind.

Am Rhein liegen die Pegel demnach unter den Extremwerten des Dürrejahres 2018. An der Donau messen die Behörden historische Tiefststände. Auch die Elbe führt außergewöhnlich wenig Wasser.

Am Pegel Magdeburg-Strombrücke wurden zuletzt nur noch 39 Zentimeter gemessen – sechs Zentimeter weniger als beim bisherigen Rekordtief von 2019. Seit dem 6. August liegt der Pegel unter diesem Wert, eine schnelle Entspannung ist demnach nicht in Sicht.

Was Niedrigwasser für die Lieferketten bedeutet

Auf der Oberelbe ist die Güterschifffahrt derzeit kaum möglich. In den Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe warten deshalb Trafos, Turbinen und andere große Maschinen auf den Weitertransport. Manche Güter sind so groß und schwer, dass sie sich nicht einmal auf Lkw oder Güterzug umladen lassen.

Für die Binnenschifffahrt heißt weniger Wasser weniger Tiefgang – und damit weniger Ladung pro Fahrt. Für dieselbe Menge braucht es mehr Fahrten, wenn sie überhaupt möglich sind. Die Folgen sind höhere Kosten und längere Vorlaufzeiten. Wo es nicht anders geht, wandert die Fracht auf Schiene oder Straße.

Wochenendfahrverbot ausgesetzt

Wegen des anhaltenden Niedrigwassers hatten zuletzt Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen ausgesetzt. Fahrzeuge, die Transporte per Binnenschiff ersetzen, dürfen demnach bis einschließlich 31. August 2026 auch an Sonn- und Feiertagen unterwegs sein. Die Ausnahme gelte auch für jene Samstage, an denen wegen der Ferienreisezeit ein Fahrverbot bestehe.

Die Niedrigwasserlage werde voraussichtlich weiter anhalten, sagte Sachsens Infrastrukturministerin Regina Kraushaar (CDU) laut Ministerium. Man dürfe nicht warten, bis es zu Engpässen komme. „Deshalb schaffen wir befristet die Möglichkeit, notwendige Transporte für Rohstoffe, Vorprodukte oder Auslieferungen auf die Straße zu verlagern“, erklärte Kraushaar.

Regelung gilt für schwere Lastwagen

Die Ausnahme betrifft Lastwagen über 7,5 Tonnen sowie Fahrzeuge mit Anhängern, sofern sie Transporte übernehmen, die wegen des Niedrigwassers nicht über die Wasserstraße möglich sind. Auch unmittelbar damit verbundene Leerfahrten sind nach Angaben des Ministeriums erlaubt. Großraum- und Schwertransporte sind von der Regelung nicht erfasst. Der Freistaat hatte sich damit am Mittwoch vergangener Woche den Sonderregelungen zahlreicher anderer Bundesländer angeschlossen, darunter die Nachbarn Brandenburg und Thüringen.

Dass Fracht auf die Straße drängt, zeigt nun auch eine entsprechende Entscheidung aus Schwerin. Das Wirtschafts- und Verkehrsministerium hat ebenfalls eine Allgemeinverfügung erlassen, die nach aktuellem Stand bis zum 31. August gilt.

Lkw über 7,5 Tonnen, die wegen des Niedrigwassers Transporte aus der Binnenschifffahrt übernehmen, dürfen in Mecklenburg-Vorpommern nun auch samstags sowie an Sonn- und Feiertagen fahren. Eine Einzelausnahmegenehmigung ist dafür nicht nötig.

Wirtschaftsminister Dr. Wolfgang Blank (parteilos) begründet den Schritt: „Mit der Aussetzung der Wochenendfahrverbote stellen wir sicher, dass diese Transporte nicht an unseren Landesgrenzen haltmachen müssen.“

Begünstigt sind aber nur Fahrten, die nachweislich wegen des Niedrigwassers verlagert wurden, sowie zugehörige Leerfahrten. Normale Wochenendfahrten bleiben verboten, Großraum- und Schwertransporte brauchen weiter eine gesonderte Erlaubnis.

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