In der Gelsenkirchener Zoom-Erlebniswelt sind elf Jungtiere einer seltenen Schildkrötenart geschlüpft. Ein besonderes Merkmal zeichnet sie aus.
Zugegeben: Etwas merkwürdig sehen sie aus, diese Tiere, mit ihrem langen Hals und ihren großen, runden Augen. In der Gelsenkirchener Zoom-Erlebniswelt freut man sich aber umso mehr darüber, dass sie da sind. Denn die McCords-Schlangenhals-Schildkröten sind vom Aussterben bedroht. Jetzt sind im Zoo insgesamt elf Jungtiere geschlüpft.

Als einen „bedeutenden Zuchterfolg“ bezeichnet das die Zoom-Erlebniswelt in einer Mitteilung. Nach zwei geschlüpften Jungtieren im Juni haben Anfang August neun weitere kleine Schildkröten das Licht der Welt erblickt. Mutter der nun elf Schildkröten ist die 19-jährige Brunhilde.
Beim Schlupf messen die Jungtiere gerade einmal knapp drei Zentimeter. Sie zeichnen sich durch eine Besonderheit aus: Ihr Hals ist ebenso lang wie der Panzer. Bei Bedrohung ziehen sie den Kopf nicht in den Panzer zurück, sondern legen ihn seitlich unter den Panzerrand. Dieser anatomischen Eigenschaft verdanken sie ihre Bezeichnung als sogenannte „Halswender“.
Gelsenkirchener Zoosprecherin: „Nachwuchs von großer Bedeutung“„Für den weltweiten Artenschutz ist dieser Nachwuchs von großer Bedeutung“, sagt eine Zoosprecherin. Die McCords-Schlangenhals-Schildkröte kommt ursprünglich ausschließlich auf den indonesischen Inseln Roti und Timor vor. In den 1990er-Jahren brachen die Wildtierpopulationen um 80 bis 90 Prozent ein, sodass heute in der Natur nur noch vereinzelte Restpopulationen existieren.
Hauptursachen für das Verschwinden der Tiere sind der Fang und der drastische Verlust ihres Lebensraums. Sümpfe und Feuchtgebiete wurden in großem Maße in Reisfelder umgewandelt, während Abholzung und Erosion weitere Habitate zerstörten. Zudem setzten der internationale Tierhandel sowie die Einführung invasiver Prädatoren, wie etwa gebietsfremde Fische, die den Nachwuchs erbeuten, den Beständen schwer zu.
„Umso wichtiger ist die koordinierte Erhaltungszucht in zoologischen Institutionen“, so die Zoosprecherin. In ganz Europa hielten derzeit nur 33 Zoos rund 180 Individuen dieser Art. In Deutschland beteiligen sich lediglich sechs Einrichtungen an der Haltung – neben Gelsenkirchen sind das Berlin, Münster, Karlsruhe, München und Stuttgart. In deutschen Zoos leben insgesamt 43 Tiere, von denen allein 15 Exemplare in Gelsenkirchen beheimatet sind.
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