Allein die Rhein-Fracht hat sich seit 2025 vervierfacht. Argus spricht von der größten Störung seit Beginn der Aufzeichnungen – schlimmer noch als zu Corona.
Die Kosten für den weltweiten Warentransport steigen an mehreren wichtigen Handelsrouten gleichzeitig auf Rekord- oder Mehrjahreshöchststände. Betroffen sind unter anderem die Straße von Hormus, das Schwarze Meer, der Panamakanal und der Rhein, berichtet die Financial Times (FT) unter Berufung auf Daten der internationalen Energie-Preisagentur Argus.
Damit treffen die Folgen von Kriegen und extremer Trockenheit den Welthandel zur selben Zeit – und verstärken sich teilweise gegenseitig. John Ollett, bei Argus für die europäischen Frachtpreise zuständig, spricht von einer beispiellosen Situation. Die aktuelle Störung des Schifffahrtsmarktes übertreffe sogar die Verwerfungen während der Corona-Pandemie und infolge der Russland-Sanktionen.
In Deutschland hat extreme Trockenheit die Wasserstände am Rhein auf historische Tiefstände fallen lassen. Erst am Donnerstag berichtete Argus, dass die Frachtraten vom wichtigen Hafenverbund Amsterdam–Rotterdam–Antwerpen zu Zielen am Rhein Rekordstände erreicht haben. Für die Strecke nach Karlsruhe weist Argus einen Rekordwert von 215 Euro je Tonne aus – so viel wie noch nie seit Beginn der Preisreihe im Jahr 2012. Zum Vergleich: Im April 2025 kostete die Strecke trotz damaligen Niedrigwassers rund 55 Euro je Tonne.
Der Wert ist allerdings nur eingeschränkt als regulärer Marktpreis zu verstehen. Weil südlich von Mainz kaum noch Schiffe verkehren können, werden inzwischen so geringe Mengen transportiert, dass sich laut Argus kaum noch ein verlässlicher Spotpreis feststellen lässt. Dringende Transporte mit spezialisierten Schiffen werden sogar zu noch höheren Preisen abgewickelt.
Am Pegel Kaub, dem wichtigsten Nadelöhr des Rheins, wurden am 13. August nur noch elf Zentimeter gemessen. Transporte von den Nordseehäfen an den Oberrhein und an den Main waren damit nahezu unmöglich.
Der Pegel des Rhein ist auf einem Tiefststand. Die Rheinschifffahrt ist durch das Niedrigwasser extrem beeinträchtigt. Es fahren nur noch wenige Schiffe, und die sind mit reduzierter Fracht unterwegs. Burg Pfalzgrafenstein in Kaub am Mittelrhein. Die Sehenswürdigkeit ist eine auf einer Felseninsel im Rhein errichtete frühere Zollburg. // 12.08.2026, Kaub, Rheinland-Pfalz, Deutschland *** The water level of the Rhine is at a record low. Shipping on the Rhine is severely disrupted by the low water levels. Only a few ships are still sailing, and those are operating with reduced cargo. Pfalzgrafenstein Castle in Kaub on the Middle Rhine. This landmark is a former customs fortress built on a rocky island in the Rhine. August 12, 2026, Kaub,
© Arnulf Hettrich/Imago
Auch weiter nördlich verschärfte sich die Lage. Am Pegel Duisburg wurden am selben Tag 136 Zentimeter gemessen – ebenfalls ein historischer Tiefstand. Schiffe aus Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen konnten Duisburg nach Angaben von Reedern gegenüber Argus nur noch mit rund 15 Prozent ihrer üblichen Kapazität erreichen.
Für die deutsche Industrie verteuert das vor allem den Transport schwerer Rohstoffe und Massengüter. Weil Schiffe nur noch einen Bruchteil ihrer üblichen Ladung transportieren können, sind für dieselbe Menge deutlich mehr Fahrten nötig; alternativ müssen Unternehmen auf teurere Transporte per Bahn oder Lkw ausweichen. Die zusätzlichen Logistikkosten können entlang der Lieferkette letztlich auch bei den Verbrauchern ankommen.
Krieg im Nahen Osten treibt Frachtkosten hochAuch die Straße von Hormus ist für die Schifffahrt weiterhin weitgehend blockiert. Vor dem Konflikt passierte rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gashandels die Wasserstraße am Persischen Golf.
Für den Transport von Öl aus der Golfregion nach Asien stiegen die Frachtraten laut den Argus-Daten am 10. August auf 15,22 Dollar je Barrel. Das war der höchste Wert seit Beginn der entsprechenden Argus-Erhebung im Jahr 2005. Hintergrund für diesen Preissprung ist insbesondere die Gefahr von Angriffen auf mit Saudi-Arabien verbundene Tanker beim Transit durch die weiter westlich gelegene Meerenge Bab al-Mandab.
Die Blockade von Hormus verknappt zudem das weltweite Angebot von LNG und treibt damit auch die europäischen Gaspreise. Deutschlands größter Gasimporteur Uniper rechnet mit Preisen von 50 bis 60 Euro je Megawattstunde, solange die Meerenge geschlossen bleibt. Die hohen Preise erschweren zugleich die Befüllung der deutschen Gasspeicher vor dem Winter.
Schwarzes Meer: Landwirte bleiben auf dem Getreide sitzenAuch im Schwarzen Meer, einer der wichtigsten Handelsrouten für Getreide, sind die Auswirkungen inzwischen deutlich. Die Frachtraten für Tanker auf dem Weg ins Mittelmeer erreichten zuletzt den höchsten Stand seit mindestens 2005.
Nach Angaben der EU-Kommission wurden im Frühjahr rund 90 Prozent der ukrainischen Ausfuhren von Getreide, Ölsaaten und verwandten Agrarprodukten über die Schwarzmeerhäfen abgewickelt. Die Angriffe auf Häfen und Exportwege treffen deshalb auch Landwirte in Russland und der Ukraine: Ein großer Teil der neuen Ernte kann nicht wie geplant ausgeführt werden und muss zunächst eingelagert werden. Gleichzeitig steigen Transport- und Versicherungskosten.
Am Panamakanal erreichen Preise ebenfalls RekordeAm Panamakanal sind die Wasserstände infolge des El-Niño-Wetterphänomens gesunken. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Passagen hoch – teilweise auch als Folge der veränderten Handelsströme durch den Konflikt im Nahen Osten.
Die Preise für Slots in den beiden Schleusensystemen des Kanals erreichten Anfang August laut den von der FT zitierten, noch nicht öffentlichen Argus-Daten Rekordwerte von 1,1 Millionen beziehungsweise 2,5 Millionen Dollar.
Auch im Containerverkehr steigen die Kosten deutlich. Die durchschnittlichen Spotpreise für einen 40-Fuß-Container von Fernost an die US-Ostküste lagen zuletzt bei 10.249 Dollar – 234 Prozent mehr als vor einem Jahr.
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