Besondere Leistungen von Studentinnen und Absolventinnen in den mathematisch-naturwissenschaftlichen, ingenieurwissenschaftlichen und technischen (MINT-)Fächern möchte der EmpowerMINT-Preis der Uni Kiel würdigen.
EmpowerMINT Preise für herausragende Abschlussarbeiten in mathematisch-naturwissenschaftlichen, ingenieurwissenschaftlichen und technischen Fächern verliehen.
Besondere Leistungen von Studentinnen und Absolventinnen in den mathematisch-naturwissenschaftlichen, ingenieurwissenschaftlichen und technischen (MINT-)Fächern möchte der EmpowerMINT-Preis der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) würdigen. Denn gerade in diesem Bereich liegt der Frauenanteil häufig weit unter 50 Prozent. Durch die Auszeichnung und das Preisgeld von 500 Euro für eine Bachelorarbeit und 750 Euro für eine Masterarbeit sollen ein Anreiz für eine Fortsetzung der akademischen Karriere geschaffen werden. “Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen eindrucksvoll, welches Innovationspotenzial in unseren Studentinnen steckt. Die Preisträgerinnen sind Vorbilder für die nächste Generation von Wissenschaftlerinnen”, sagte Prof. Dr. Catherine Cleophas, CAU-Vizepräsidentin für digitale Transformation, Gleichstellung und Diversität.
Finanziert werden vier der ausgelobten Preise für je eine Bachelor- und Masterarbeit der Technischen Fakultät (TF) und der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät (MNF) vom Professorinnenprogramm 2030 des Bundes und der Länder, zusätzlich gibt es weitere von der TF und der MNF gestiftete Auszeichnungen.
Neben der individuellen Würdigung soll die öffentlichkeitswirksame Verleihung der Preise die Sichtbarkeit von exzellenten und erfolgreichen MINT-Studentinnen erhöhen. Die Preise wurde im festlichen Rahmen auf den Feiern der Fakultäten im Juni verliehen.
2026 wurden geehrt:
© Jannik HaßMasterarbeit: "Diagnostik an HiPIMS- und DC-Magnetronsputterplasmen" | Physik: Plasmatechnologie | MNF
„In meiner Masterarbeit im Fach Physik habe ich mich mit der Plasmadiagnostik von Magnetronsputterplasmen beschäftigt, die für plasmagestützte Beschichtungsprozesse industriell von erheblicher Relevanz sind. Die Messungen ermöglichen, diese Beschichtungsprozesse besser verstehen und optimieren zu können, etwa bezüglich der Effizienz und Nachhaltigkeit. An diesem Thema fasziniert mich besonders die Interdisziplinarität, beispielsweise der Bezug der plasmaphysikalischen Aspekte zur Materialwissenschaft und Elektrotechnik. Es freut mich sehr, dass ich an diesem spannenden Thema im Rahmen meiner Promotion an der CAU weiter forschen darf!
Die Entscheidung für das Studienfach Physik ist mir leichtgefallen, da mich die Vielfalt des Faches begeistert hat und ich mehr darüber lernen wollte, wie die Welt um uns herum aufgebaut ist und funktioniert. Bestärkt hat mich dabei, dass ich bereits während meiner Schulzeit in diesem Interesse sehr gefördert wurde und früh Einblicke in die aktive Forschung bekommen konnte. Profitiert habe ich vom Schülerstudium und vor allem von der Kooperation meines Freiburger Gymnasiums mit dem Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM.
Ich habe den Eindruck, dass das Bild der Physiker*innen noch immer von bestimmten Stereotypen geprägt ist. Dadurch fällt es vielen jungen Frauen möglicherweise schwerer, sich selbst in diesem Fach zu sehen. Weibliche Vorbilder und ein Physikunterricht, der Neugier fördert und die Vielseitigkeit des Faches aufzeigt, können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, mehr junge Menschen für Physik zu begeistern."
„Mein Weg in die Informatik war alles andere als geradlinig – aber gerade deshalb bin ich heute genau richtig hier. Am Institut für Informatik und am Max-Planck-Institut für Kognitionswissenschaften habe ich Betreuer gefunden, die meine interdisziplinäre Vision nicht nur tolerieren, sondern aktiv fördern.
In meiner Bachelorarbeit verbinde ich philosophische Theorien mit maschinellem Lernen, um Informationsrepräsentationen auf einer fundamentalen Ebene zu verstehen. Mein Ziel: eine einheitliche Theorie zu entwickeln, die Repräsentationslernen über die Grenzen von Neurowissenschaft, Informatik und Philosophie hinweg verbindet.
Besonders bedeutsam finde ich dabei die Geschlechterdynamik: Während die Philosophie weiblich dominiert ist, gilt die Informatik traditionell als männliche Domäne. Meine Arbeit zeigt exemplarisch, wie interdisziplinäre Ansätze nicht nur wissenschaftliche Innovation fördern, sondern auch neue Wege für Frauen in MINT-Fächer eröffnen. Wenn wir die Grenzen zwischen Disziplinen aufbrechen, schaffen wir zugleich zugänglichere und vielfältigere Forschungsräume."
© privatBachelorarbeit: "Bridging Philosophy and Machine Learning: A Structuralist Framework for Classifying Neural Network Representations" | Informatik: Datenbanksysteme und Datamining | TF
© Janina Rathje, Uni KielMasterarbeit: "Categories of Labeled Graphs" | Mathematik: Algebra | MNF
„Was genau ist eigentlich mathematische Forschung und wie sieht die Arbeit von Mathematiker:innen aus? Eine Frage, die Mathematikstudierenden oft gestellt wird, die aber auch am Ende des Studiums gar nicht so leicht zu beantworten ist. Gleichzeitig ist das schon der Moment, in dem man sich aktiv für die Forschung entscheiden müsste. Dementsprechend bin ich meinem Betreuer sehr dankbar, für das Angebot, mich schon in meiner Masterarbeit selbstständig an einem Problem probieren zu können und stolz, mich an dieses Projekt gewagt zu haben. Ich denke, insbesondere junge Mathematikerinnen können stark davon profitieren, im Rahmen einer Bachelor- oder Masterarbeit an aktueller Forschung teilzunehmen, durch das Vorstellen erster eigener Ergebnisse (mathematisches) Selbstbewusstsein zu gewinnen, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie eine eigene Zukunft in der Wissenschaft aussehen könnte und sich diese auch zuzutrauen. Dieses Selbstbewusstsein werden wir brauchen, um aktiv die Zukunft der Mathematik mitzugestalten."
„Obwohl ich bis dahin keine konkreten Berührungspunkte mit Informatik hatte, habe ich mich schon in der Mittelstufe für dieses Fachgebiet interessiert. Im Wahlfpflichtmodul Informatik wurden zunächst Lego Mindstormroboter "programmiert" und schließlich die ersten Programme in Python geschrieben. Seitdem stand für mich fest, in welche Richtung ich mich in der Zukunft bewegen möchte. Bereits in der Schule saß ich nicht selten als einziges Mädchen im Kurs. Neben den eigenen Selbstzweifeln, durfte man dabei natürlich auch den einen oder anderen entsprechenden Kommentar ertragen. Nichtsdestotrotz konnte ich in der Schule sowie an der Uni im Rahmen der Informatik sehr viele unterstützende Freunde finden und so habe ich meine Entscheidung für das Studium - trotz so mancher Herausforderung - nicht bereut. Als Übungsleiterin oder bei der Unterstützung von Veranstaltungen wie dem Girls' Day hoffe ich daher, mehr Sichtbarkeit für Frauen zu schaffen. Ich bin meiner Familie, Freunden und Dozierenden sehr dankbar, die mich auf diesem Weg unterstützt und immer wieder bestärkt haben, und hoffe, dass dies auch anderen jüngeren Mädchen als Inspiration dient."
© Jakob Jacobsen Bachelorarbeit: "Parameterized Algorithms for Layout Problems" | Informatik: Theoretische Informatik | TF
© Husumer SportvereinMasterarbeit: "Statistical Properties of Likelihood Estimation in Non-Stationary Hawkes Models" | Mathematik: Stochastik | MNF
„Schon in der Schule habe ich mich sehr für Mathematik begeistert. Damals wäre ich aber nie auf die Idee gekommen, „nur“ Mathematik zu studieren. Deshalb begann ich mein Studium zunächst mit dem Lehramt für Mathematik und Biologie. Im Laufe des Studiums faszinierte mich jedoch zunehmend die Welt der Mathematik selbst insbesondere die Möglichkeit, mit abstrakten Konzepten komplexe Zusammenhänge zu beschreiben, sowie die Verbindung aus logischer Struktur und kreativer Problemlösung. In meiner Masterarbeit habe ich mich mit sogenannten nichtstationären Hawkes-Prozessen beschäftigt. Diese stochastischen Modelle beschreiben Ereignisse, die gehäuft auftreten und sich gegenseitig beeinflussen können, wie etwa Erdbeben und ihre Nachbeben. Besonders spannend finde ich dabei die Verbindung zwischen theoretischen mathematischen Konzepten und realen Anwendungen. Der EmpowerMINT-Preis ist für mich eine besondere Auszeichnung, da er wissenschaftliche Leistungen von Frauen in den MINT-Fächern sichtbar macht. Gerade in Bereichen wie Mathematik und Statistik, in denen Frauen noch immer unterrepräsentiert sind, ist es wichtig, ihre Präsenz in Forschung und Wissenschaft zu stärken und mehr junge Frauen für diese Fachrichtungen zu begeistern."
"'Chemie?! – das habe ich ja sofort abgewählt' oder ‘Das wäre ja wirklich gar nichts für mich’. Diese und ähnliche Fragen darf ich mir nach wie vor immer wieder anhören, wenn ich gefragt werde, was ich denn studiere. Anfangs war es noch ungewohnt und ich wusste nie so wirklich, was ich darauf antworten sollte. Mittlerweile weiß ich aber genau, was mich an der Chemie und insbesondere an der physikalischen Chemie so begeistert: In der physikalischen Chemie wird oft die Frage nach dem Warum gestellt: Warum reagieren Edukte unter spezifischen Reaktionsbedingungen zu bestimmten Produkten oder warum beeinflussen Parameter wie beispielsweise Temperatur oder Druck eine Reaktion?
In meiner Bachelorarbeit habe ich den Fokus auf einen bestimmten Reaktionsmechanismus in der Modellkatalyse gelegt. Über verschieden Messmethoden war es möglich, diesen Mechanismus weiter aufzuklären. Vor allem das Zusammenspiel aus verschiedenen Messungen, die alle ein kleines bisschen mehr Licht ins Dunkle bringen, mit dem anschließenden Rätseln, wie alle diese Informationen zusammengebracht werden können, begeistert mich sehr."
© Patrick HubertBachelorarbeit: "TPD- und IRAS-Studie zu Reaktivität und Selektivität von Alkoholen auf Co₃O₄(111)/Au(111) und VOₓ/Co₃O₄(111)/Au(111) Modellkatalysatoren" | Chemie: Physikalische Chemie | MNF
© privatBachelorarbeit: "Iceberg drift and transport in the Norwegian Sea between 195 and 90 thousand years before present" | Geowissenschaften: Paläozeanographie und Marine Geologie | MNF
„Die Natur hat mich schon immer begeistert und ich wollte am liebsten alle Naturwissenschaften gleichzeitig studieren. Genau deshalb hat mich der Studiengang Geowissenschaften sofort angesprochen: Er verbindet Inhalte aus unterschiedlichen Disziplinen (Geologie, Paläontologie, Chemie, Physik, …) und ermöglicht es, die verschiedenen Zusammenhänge im System Erde zu erschließen.
Im Zuge meiner Bachelorarbeit habe ich Eisbergdynamiken aus der vorletzten Eiszeit rekonstruiert und konnte somit Erkenntnisse über vergangene Meeresströmungen im Nordatlantik liefern. Die Forschung in den Geowissenschaften macht nicht nur Spaß, sondern kann auch entscheidend dazu beitragen, Lösungen für zukünftige Herausforderungen zu finden und unsere Lebensgrundlagen besser zu schützen.
Besonders im Hinblick auf den Klima- und Umweltschutz ist das Verständnis der Erde als komplexes System von großer Bedeutung.
Ich möchte Frauen dazu ermutigen, MINT-Fächer zu wählen und ihre Perspektiven aktiv in Wissenschaft und Forschung einzubringen. MINT-Fächer bieten ein vielfältiges und spannendes Arbeitsfeld, in dem unterschiedliche Denkweisen und Erfahrungen besonders wertvoll sind."
„Bereits in der ersten Woche meines Studiums haben mich Regelungstechnik und erneuerbare Energien begeistert. Besonders spannend fand ich dabei die Regelungstechnik, weil sie im Kern versucht, Systeme zuverlässig und stabil in einer dynamischen Umgebung zu steuern. Mein erster Berührungspunkt damit war die Trajektorienplanung von Robotern: Wie bewegt sich ein Roboter möglichst präzise und effizient von einem Punkt zum anderen? Später habe ich erkannt, dass sich ähnliche Prinzipien auch auf Energiesysteme übertragen lassen. Denn auch die Energieversorgung muss ständig gesteuert werden, Leistung muss so angepasst und verteilt werden, dass trotz schwankender Einspeisung durch erneuerbare Energien das Gesamtsystem stabil und zuverlässig bleibt. Diese Verbindung zwischen mathematischen Methoden, technischer Anwendung und gesellschaftlicher Relevanz begeistert mich bis heute.
In meiner Abschlussarbeit konnte ich genau diese Interessensfelder miteinander verbinden und das im Studium erworbene Wissen nicht nur anwenden, sondern auch erweitern. Besonders motivierend war für mich dabei die Möglichkeit, an Themen zu arbeiten, die einen Beitrag zu einer nachhaltigen und zuverlässigen Energieversorgung leisten können.
Neben dem fachlichen Bereich war mir auch mein Engagement an der Fakultät wichtig. Ein großer Antrieb dafür war die Sichtbarkeit von Frauen mit Migrationshintergrund im MINT-Bereich. Lange Zeit habe ich selbst versucht, eher unauffällig und leise zu sein und mich im Hintergrund zu halten. Umso wichtiger war die Erkenntnis, dass Sichtbarkeit und unterschiedliche Perspektiven einen Unterschied machen können, sowohl für andere Studierende als auch für das eigene Selbstvertrauen.
Ich wünsche mir, dass sich mehr junge Menschen, insbesondere junge Frauen, zutrauen, ihren Interessen in den MINT-Fächern zu folgen. Neugier, Begeisterung und Ausdauer sind oft wichtiger als das Gefühl, von Anfang an perfekt sein zu müssen."
© privatMasterarbeit: "Gershgorin Circle Analysis of Influence of Talkative Power Conversion on DC Grids" | Elektro- und Informationstechnik: Leistungselektronik | TF
© Tristan WillerBachelorarbeit: "Endliche Untergruppen von Einheiten in Quaternionenalgebren über algebraischen Zahlkörpern" | Mathematik: Algebra | MNF
„Obwohl Mathematik in der Schule immer mein Lieblingsfach war, habe ich nie in Erwägung gezogen, dieses Fach auch zu studieren. Erst über einige Umwege hat es mich Jahre nach dem Abitur in die Mathematik verschlagen und ich kann mir inzwischen kaum noch etwas anderes vorstellen.
Ich kann nur jede, die auch viel Freude an logischem Denken, Abstraktion, Knobeln und Kreativität hat, dazu ermutigen, selbst ein Mathematikstudium auszuprobieren und vielleicht sogar eine akademische Karriere anzustreben. Ich finde es schön zu sehen, dass Mädchen und junge Frauen zunehmend auf diesem Weg unterstützt werden und freue mich daher umso mehr über diese Auszeichnung, die Frauen in MINT-Fächern mehr Sichtbarkeit gibt."
„Mein Interesse an Mathematik begleitet mich bereits seit der Schulzeit und hat mich schließlich dazu motiviert, Mathematik auf Lehramt zu studieren. Besonders schätze ich an der Mathematik, dass es nicht nur darum geht, Verfahren anzuwenden oder Ergebnisse zu berechnen, sondern vor allem darum, Zusammenhänge zu verstehen und nachzuvollziehen, warum etwas funktioniert. Gerade im Studium habe ich erlebt, wie sehr sich Hochschulmathematik vom Schulfach unterscheidet: Statt des reinen Rechnens stehen theoretische Hintergründe, Beweise und das Verständnis mathematischer Strukturen im Mittelpunkt.
Im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich mich intensiv mit den theoretischen Grundlagen der Laplace-Transformation beschäftigt. Diese ist vor allem durch ihre Anwendung bei der Lösung von Differentialgleichungen bekannt, beispielsweise in technischen Kontexten wie der Elektrotechnik. Im Mittelpunkt meiner Arbeit standen jedoch weniger die konkreten Anwendungen als vielmehr die theoretischen Hintergründe der Laplace-Transformation und die Frage, warum die Methode überhaupt funktioniert.
Im Rahmen meines Lehramtsstudiums ist mir besonders wichtig geworden, Mathematik verständlich zu vermitteln und Interesse dafür weiterzugeben. Ich würde mich freuen, Schülerinnen und Schüler für Mathematik zu begeistern und insbesondere auch Schülerinnen darin zu bestärken, ihren eigenen Weg in der Mathematik zu gehen."
© privatBachelorarbeit: "Laplace-Transformation" | Mathematik: Analysis | MNF
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