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Nach Sanktionsblockade: Griechische Tanker liefern Russlands LNG für 2,35 Milliarden Euro

Дата публикации: 18-08-2026 03:01:00

Neue Kpler-Daten zeigen: Eine von Griechenland geschützte Reederei transportiert 35 Prozent aus Russlands größtem LNG-Projekt. Experten warnen vor den Folgen.

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Griechenland blockierte im Juli das gesamte 21. Sanktionspaket der EU, um eine Ausnahme für den Transport russischen Flüssigerdgases (LNG) durchzusetzen. Im Zentrum des Streits stand die heimische Reederei Dynagas, die mehrere Spezialtanker für Russlands Yamal-LNG-Projekt in der Arktis betreibt.

Neue Zahlen zeigen nun, wie groß die Rolle des Unternehmens in Russlands LNG-Geschäft ist. Dynagas zugerechnete Schiffe transportierten demnach zwischen Januar und Juli 2026 insgesamt 4,14 Millionen Tonnen LNG aus Yamal – 35 Prozent der gesamten Exportmenge des Projekts. Das geht aus einer Auswertung von Kpler-Daten durch die Umweltorganisation Urgewald hervor, die der Berliner Zeitung vorliegt.

Dynagas bringt Millionen Tonnen russisches LNG in die EU

Insgesamt beförderten die Schiffe in den ersten sieben Monaten 57 Ladungen. 53 dieser Ladungen mit insgesamt 3,86 Millionen Tonnen LNG gingen an Häfen in der EU. Urgewald beziffert ihren Bruttowert anhand monatlicher europäischer Gaspreise auf rund 2,35 Milliarden Euro.

Dabei handelt es sich nicht um Einnahmen oder Gewinne von Dynagas, sondern um den geschätzten Wert des transportierten LNGs. Obwohl die gesamte Exportmenge des Yamal-Projekts gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu unverändert blieb, nahm die von Dynagas transportierte Menge um fünf Prozent zu.

„Eine griechische Reederei transportierte in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 mehr als ein Drittel des Yamal-LNG“, sagt Urgewald-Sanktionsreferent Sebastian Rötters.„Skandalöserweise“ habe Griechenland eine Ausnahmeregelung durchgesetzt, von der Dynagas und deren Milliardärseigentümer George Prokopiou profitieren könnten, kritisiert Rötters. Die EU habe damit „eines ihrer stärksten Druckmittel gegenüber Russlands arktischem LNG-Handel geschwächt“.

Die Dynagas-Schiffe beförderten in den ersten sieben Monaten des Jahres 57 LNG-Ladungen aus dem russischen Yamal-Projekt (siehe Bild). 53 davon gingen an Häfen in der EU.

Die Dynagas-Schiffe beförderten in den ersten sieben Monaten des Jahres 57 LNG-Ladungen aus dem russischen Yamal-Projekt (siehe Bild). 53 davon gingen an Häfen in der EU.

© Maksim Blinov/imago

Warum Griechenland die EU-Sanktionen blockierte

Das im Juli beschlossene Sanktionspaket erlaubt europäischen Unternehmen, russisches LNG unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin in Drittstaaten zu transportieren. Die Ausnahme gilt für langfristige Verträge, die vor dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 geschlossen wurden. Die Mengen sind auf das Niveau von 2025 begrenzt.

Die Regelung läuft zunächst bis zum 25. Juli 2027 und verlängert sich jeweils um ein Jahr, sofern der Rat der EU nichts anderes beschließt. Dynagas wird nicht ausdrücklich genannt. Das Unternehmen schloss seine Verträge für fünf Arc7-Tanker allerdings bereits 2015 ab und könnte daher profitieren.

Griechenland hatte argumentiert, ein Verbot würde vor allem europäischen Reedereien schaden. Mehrere griechische Politiker hatten die geplanten EU-Sanktionen als „Schuss ins eigene Bein“ bezeichnet. Konkurrenten aus Drittstaaten könnten die Transporte übernehmen, ohne Russlands Einnahmen entscheidend zu treffen.

Dynagas verweist zudem auf langfristige vertragliche Verpflichtungen, die teilweise bis 2065 reichen und lange vor der russischen Invasion in die Ukraine vereinbart worden seien.

Russland kann westliche Spezialtanker kaum ersetzen

Sanktionsexperte Luke Wickenden vom Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) widersprach der Argumentation Griechenlands. Für ganzjährige Exporte aus dem russischen Hafen Sabetta werden eisgängige LNG-Tanker der Klasse Arc7 benötigt. Von den 14 Spezialschiffen, die laut Urgewald 2026 für Yamal eingesetzt wurden, werden fünf Dynagas zugerechnet.

Wie die Berliner Zeitung berichtete, befinden sich 14 der 15 ursprünglich für Yamal gebauten Arc7-Tanker in westlichem Besitz. Russland könne wegen der Sanktionen gegen Werften und Technologien nicht einfach neue Schiffe bestellen, erklärte Wickenden.

Diese Knappheit sei „das stärkste Druckmittel, das irgendjemand gegenüber dem russischen Gassektor besitzt“, sagte Wickenden. Die Ausnahme greife damit an einer Stelle, an der Russland besonders stark von westlichen Unternehmen abhängig sei.

Für seine LNG-Transporte durch die Arktis ist Russland auf sogenannte Arc7-Eisbrecher-Tanker angewiesen. Fünf davon gehören der griechischen Reederei Dynagas.

Für seine LNG-Transporte durch die Arktis ist Russland auf sogenannte Arc7-Eisbrecher-Tanker angewiesen. Fünf davon gehören der griechischen Reederei Dynagas.

© Valerii Kadnikov/Depositphotos/imago

EU erwägt Ende großer Sanktionspakete gegen Russland

Die EU importiert nach wie vor große Mengen russisches LNG. Zwischen Januar und Juli gingen laut Urgewald 10,89 Millionen der weltweit ausgelieferten 11,83 Millionen Tonnen Yamal-LNG an EU-Häfen. Das entspricht 92,1 Prozent. Der geschätzte Ladungswert lag bei 6,64 Milliarden Euro. Die Einfuhren in die EU stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13,9 Prozent, während die Lieferungen nach Asien um 58,2 Prozent zurückgingen.

In Brüssel wird nun offenbar darüber beraten, Konsequenzen aus der wochenlangen Blockade des Sanktionspakets zu ziehen. Laut Financial Times erwägen EU-Beamte, neue Russland-Sanktionen künftig einzeln oder in kleineren thematischen Bündeln zu beschließen.

Gasverbot gegen Russland: EU nimmt deutschen LNG-Importeuren den letzten Ausweg

Ein an den Beratungen beteiligter Beamter sagte der FT, das gerade verabschiedete Paket könne „das letzte Sanktionspaket“ dieser Art sein. Ein nationales Veto würde bei einem solchen Ansatz nur noch die jeweils umstrittene Maßnahme treffen. Andere Beschränkungen könnten hingegen schneller beschlossen werden.

Die von Griechenland erzwungene Ausnahme betrifft zwar nur Transporte in Länder außerhalb der EU. Die neuen Zahlen zeigen aber, warum Dynagas für Russlands größtes LNG-Exportprojekt eine zentrale Rolle spielt – und welche wirtschaftliche Dimension das Russland-Geschäft hat, das Athen mit seiner Blockade schützen wollte.

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