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Wirtschaftsboom: Nordkoreas Geschäft mit Russland, China und dem Ukraine-Krieg

Дата публикации: 18-08-2026 14:03:58

Internationale Allianzen und neue Handelsoptionen ermöglichen Pjöngjang Einnahmen und neuen geopolitischen Spielraum.

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Kimchi, Bibimbap und asiatisches Hähnchen – die Speisekarte des ostasiatischen Restaurants bietet ein breites Angebot koreanischer Klassiker. Was auf den ersten Blick wie ein typisches Lokal in Berlin-Mitte wirkt, ist in Wahrheit Teil einer wirtschaftlichen Strategie Nordkoreas. Denn das „Restaurant Pjöngjang“ ist eines von schätzungsweise 130 Lokalen, die von Nordkorea im Ausland betrieben werden. Besonders beliebt sind diese Restaurants in der russischen Hauptstadt.

Russland spielt eine herausragende Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung des ostasiatischen Landes. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs ist Pjöngjang für Moskau wirtschaftlich und militärisch ein wertvoller Partner geworden – auch über das Kulinarische hinaus. Pjöngjang verfügt über große Produktionskapazitäten für Munition und konventionelle Waffen.

Im Gegenzug erhält die nordkoreanische Führung Einnahmen und Zugang zu Gütern, Ressourcen und Technologien. Auch nordkoreanische Arbeitskräfte und Soldaten sind Teil der engeren Zusammenarbeit. Die neue Tumen-Brücke am Dreiländereck China–Nordkorea–Russland steht symbolisch für diese Entwicklung. Sie soll nicht nur den Handel und Tourismus erleichtern, sondern auch die Transportwege im Zuge der militärischen Partnerschaft stärken.

Woher kommt der Aufschwung?

In Pjöngjang zeigt sich die wirtschaftliche Belebung besonders deutlich im Alltag. Smartphones sind mittlerweile weit verbreitet und werden längst nicht mehr nur zum Telefonieren genutzt, sondern auch für Bezahldienste, Online-Shopping und digitale Angebote. Über Apps lassen sich inzwischen Taxis bestellen, Essen liefern und Tickets buchen. Gleichzeitig wächst das Angebot an Restaurants, importierten Waren und modernen Konsumgütern, auch wenn diese neue Lebenswelt vor allem wohlhabenderen Schichten in der Hauptstadt offensteht.

Die Einnahmen für den steigenden materiellen Wohlstand des Landes werden unter anderem durch eine enge Kooperation mit Russland ermöglicht – fernab des westlich dominierten Finanzsystems. Internationale Sanktionen erschweren den regulären Handel erheblich. Doch der Ukraine-Krieg hat die Nachfrage nach nordkoreanischen Waffen erhöht. Hinzu kommen gemeinsame Interessen etwa bei staatlich kontrollierten Geschäften, Sanktionsumgehung, Cyberkriminalität und Zwangsarbeit. Westliche Medienberichte legen nahe, dass sich der gegenwärtige Boom zum erheblichen Teil aus ungewöhnlichen und teils illegalen Finanzierungsquellen speist.

China bleibt wirtschaftlicher Anker

Trotz der Annäherung an Moskau bleibt das Reich der Mitte der mit Abstand wichtigste wirtschaftliche Partner Nordkoreas. Die chinesische Grenze ist für Kim Jong-un die entscheidende Verbindung zur Außenwirtschaft. Über China gelangen Maschinen, Elektronik, Treibstoff, Konsumgüter und andere Vorprodukte ins Land. Umgekehrt kann Nordkorea Rohstoffe und arbeitsintensive Produkte nach China exportieren. Die wirtschaftliche Erholung profitiert damit auch von der Normalisierung des grenzüberschreitenden Handels nach den pandemiebedingten Einschränkungen.

Pjöngjang verfolgt dabei eine geschickte Doppelstrategie. China bleibt der wirtschaftliche Anker, Russland wird zum zusätzlichen strategischen und finanziellen Partner. Dadurch kann Nordkorea seine Abhängigkeit von China zumindest teilweise verringern, ohne die Vorteile der chinesischen Wirtschaft aufzugeben. Zugleich steigt der Wert Nordkoreas für beide Mächte, denn Russland benötigt das Land als Partner im Ukraine-Krieg. China hat ein Interesse an Stabilität an seiner Grenze.

Der wirtschaftliche Aufschwung ist deshalb eng mit Nordkoreas geopolitischer Lage verbunden. Kim Jong-un nutzt die Rivalität und Interessen der beiden Großmächte, um seinem isolierten Land neue Einnahmequellen zu erschließen. Nordkorea exportiert das, was in der aktuellen Weltlage besonders gefragt ist: Waffen, Arbeitskräfte und strategische Unterstützung. Darüber hinaus erwirtschaftet Pjöngjang Erträge aus kriminellen Netzwerken. Einem Bericht des Handelsblatts zufolge erbeuteten nordkoreanische Hacker im vergangenen Jahr digitale und kryptobasierte Werte im Wert von zwei Milliarden US-Dollar.

Trotz Sanktionen: Kim Jong-un schmiedet internationale Allianzen mit Trump, Xi und Putin.

Trotz Sanktionen: Kim Jong-un schmiedet internationale Allianzen mit Trump, Xi und Putin.

© The Straits Times/imago

Wird der Aufsteiger zur Gefahr?

Von einem nachhaltigen Wirtschaftswunder kann dennoch keine Rede sein. Die Konsumwelt Pjöngjangs steht einer weiterhin rückständigen Landwirtschaft und einer insgesamt wenig produktiven Wirtschaft gegenüber. Die zusätzlichen Einnahmen kommen vor allem der Oberschicht in der Hauptstadt zugute. Die kommunistische Führung im Land kontrolliert die wichtigsten Wirtschaftsbereiche und kann die erwirtschafteten Devisen gezielt für Militär, Infrastruktur und privilegierte Gruppen einsetzen.

Nordkoreas aktuelle Entwicklung ist damit vor allem ein Beispiel dafür, wie ein umfassend abgeschotteter Staat trotz massiver Sanktionen seine geopolitische Bedeutung nutzen kann, um wieder als Machtfaktor wahrgenommen zu werden. Gleichzeitig zeigt es die Machtlosigkeit des Westens.

Zusätzlichen Rückenwind erfährt Kim Jong-un währenddessen aus Washington. US-Präsident Donald Trump wies das Pentagon an, die gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea deutlich zu reduzieren. Neben Unstimmigkeiten mit Seoul verwies Trump auf seine „sehr gute Beziehung“ zu Kim Jong-un. Die Manöver seien teuer und sendeten ein „völlig unangemessenes und feindseliges Signal“ an Nordkorea, schrieb der Präsident. Diese Aussagen und der Abzug des Flugzeugträgers USS George Washington dürften mit Wohlwollen in Pjöngjang aufgenommen worden sein und Nordkorea in seinen Ambitionen stärken.

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