Der Gen Z wird nachgesagt, sich besonders pflanzenbasiert zu ernähren. Aber stimmt das überhaupt? Eine neue Umfrage kratzt am umweltbewussten Image der Generation.
Kaum eine Generation steht so oft im Mittelpunkt gesellschaftlicher Debatten wie die Gen Z. Sei es ihr Umgang mit Arbeit, ihre Einstellung zu Politik und Klimaschutz, ihr Konsumverhalten oder ihre Ernährung – über die zwischen Mitte der Neunziger- und Anfang der Zehnerjahre Geborenen wird besonders viel diskutiert. Dabei werden ihr zahlreiche Attribute und Verhaltensweisen zugeschrieben.
Die Gen Z gilt als engagiert, klimabewusst und konsumkritisch – aber auch als anspruchsvoll, bequem und wenig belastbar. Auch in Sachen Ernährung soll sie sich von älteren Generationen unterscheiden: Sie gilt als aufgeschlossen für vegetarische und vegane Kost und als bewusster im Umgang mit Lebensmitteln. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter den kulinarischen Klischees?
Dass sich besonders viele junge Menschen in Deutschland fleischlos ernähren, scheint nur bedingt der Realität zu entsprechen. Das zeigt zumindest eine neue repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). Demnach landet bei rund 83 Prozent der insgesamt 2000 Befragten im Alter von 16 bis 29 Jahren Fleisch auf dem Teller. Nur etwa jede neunte Person lebt vegetarisch oder vegan (elf Prozent).
Auf die Frage, welchem „Ernährungstyp“ sich junge Menschen am ehesten zuordnen würden, antworteten 30 Prozent „flexitarisch“ – sie essen also generell Fleisch, tun dies aber nicht täglich oder regelmäßig –, 35 Prozent greifen regelmäßig zu Fleisch und 18 Prozent machen ihren Ernährungstyp „von der aktuellen Situation“ abhängig.
Für den ZDG-Geschäftsführer Wolfgang Schleicher ist das ein klarer Beweis dafür, dass der Mythos einer überwiegend vegan oder vegetarisch lebenden Generation Z falsch ist. „Fleisch ist auch in der Gen Z Mainstream“, schlussfolgert er. Entscheidend seien für junge Menschen Faktoren wie „guter Geschmack, Gemeinschaftserlebnis, ausreichende Proteinversorgung, der Preis und eine einfache Zubereitung“.
Betrachtet man ältere Umfragen, war eine „überwiegend vegan oder vegetarisch lebende Gen Z“ allerdings schon vor einigen Jahren nicht mehr als nur ein Mythos. Auch in jüngerer Vergangenheit ernährte sich kaum mehr als ein Viertel der befragten jungen Menschen komplett fleischlos. So gaben 2023 etwa laut einer Civey-Umfrage im Auftrag des Portals Watson immerhin 22 Prozent an, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren. Zwei Jahre später ergab eine Yougov-Umfrage, dass sich bei den 18- bis 29-Jährigen jede zehnte Person vegan ernährt; immerhin 14 Prozent erklärten, sich typischerweise vegetarisch zu ernähren.
Dass sich laut der aktuellen Civey-Umfrage bloß jede neunte Person vegetarisch oder vegan ernährt, lässt sich also zwar durchaus als eine Art Anti-Veggie-Entwicklung der Gen Z deuten – „überwiegend“ vegetarisch oder vegan hat sich die Generation zumindest in den vergangenen Jahren jedoch nie ernährt.
Immerhin ein Mythos über die Gen Z scheint sich allerdings zu bewahrheiten – und zwar der einer bewussten Lebensweise. Rund 71 Prozent der Befragten entscheiden demnach täglich eher oder sogar sehr bewusst, was auf ihrem Teller landet. Dabei spielen vor allem Gesundheit und Wohlbefinden eine wichtige Rolle: Mehr als die Hälfte möchte durch ihre Ernährung gesund bleiben, rund zwei von fünf wollen sich besser fühlen. Etwa jeder Dritte möchte körperlich fitter sein und gut aussehen.
Gesund allein reicht den meisten aber nicht. Rund zwei Drittel sagen klar, dass ihnen Geschmack besonders wichtig ist. Knapp die Hälfte achtet auf Nährstoffe und einen günstigen Preis. Rund zwei von fünf wollen eine einfache Zubereitung. Die Gen Z will also möglichst alles auf einen Streich: gesund, lecker, bezahlbar. Und das bitte unkompliziert und alltagstauglich.
Doch geht es der Gen Z beim Essen nicht nur um die Nahrungszufuhr allein. Immerhin ein Drittel der Befragten postet seine Mahlzeiten in den sozialen Medien, weil sie „gut aussehen“. Dabei geht es laut der Umfrage den meisten jedoch weniger um Likes und möglichst viel Aufmerksamkeit. Nur jeder Siebte erhofft sich durch Posts Zuspruch.
Etwas schwammig heißt es in der Mitteilung dazu: „Entscheidend sind schöne Bilder, besondere Momente und gemeinsamer Genuss.“
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