Die Sunrise III Mission ermöglicht einen komplett neuen Blick auf die Vorgänge auf der Sonne. Erste Interpretationen der Daten liegen jetzt vor
Die Sunrise III Mission ermöglicht einen komplett neuen Blick auf die Vorgänge auf der Sonne. Erste Interpretationen der Daten liegen jetzt vor
Auf den Punkt gebrachtSechseinhalb Tage lang richtete das ballongetragene Sonnenobservatorium Sunrise III im Juli 2024 seinen Blick auf die Sonne. Beim Stratosphärenflug vom nördlichsten Teil Schwedens bis in die kanadischen Nordwestterritorien entstand ein mehr als 200 Terabyte großer Datenschatz. Diese Messdaten ermöglichen bisher unerreicht detaillierte Einblicke in eine etwa 2000 Kilometer tiefe Schicht der Sonne und verfolgen deren enorme Dynamik über mehrere Stunden hinweg. Während bodengebundene Sonnenteleskope wegen Bewölkung oft nur mit Unterbrechungen beobachten können, handelt es sich hier um eine einzigartige ununterbrochene Beobachtungsreihe. Die beobachtete Region umfasst die sichtbare Oberfläche der Sonne, die sogenannte Photosphäre, sowie die darüberliegende Chromosphäre. Das komplexe Wechselspiel aus heißem Plasma, veränderlichen Magnetfeldern und Wellen, die sich im Sonnenplasma ausbreiten, ist unter anderem verantwortlich für die heftigen Teilchen- und Strahlungsausbrüche unseres Sterns.
Eruptionen auf der Sonne verstehenDie Sonne selbst bot während des Fluges eine umfassende Kostprobe ihres Könnens: Zu sehen waren neben gemäßigten Zuständen der Sonnenoberfläche auch Sonnenflecke, kleine und große Strahlungsausbrüche aus Sonnenfleckenregionen, sowie Regionen besonders hoher Magnetfeldstärke.
Ein Übersichtsartikel, der die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse der Mission zusammenfasst, erscheint heute in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal Letters. Weitere Studien, die auf Sunrise III-Daten beruhen, werden folgen.
Sunrise III hat schon jetzt unseren Blick auf die Sonne nachhaltig verändert. Die Daten zeigen, wie kleinste Strukturen und schnelle Prozesse in der Photosphäre und Chromosphäre das ungestüme Wesen unseres Sterns bestimmen.
Sami K. Solanki, Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung und Leiter der Sunrise III-Mission
„Die Ergebnisse, die schon jetzt vorliegen, sind so vielfältig wie die Sonne selbst“, sagt Smitha Narayanamurthy, Koautorin des Übersichtsartikels und Leiterin der Arbeitsgruppe Wissenschaft von Sunrise III am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. „Sie enthüllen Neues über den Ruhezustand der Sonne und helfen ihr temperamentvolle Seite zu verstehen“. Dies sind einige der neuen Erkenntnisse, die im Laufe der nächsten Tage und Wochen veröffentlicht werden:
Bisher ist nur ein kleiner Teil der Sunrise III-Daten ausgewertet. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, so Sunrise III-Projektmanager Andreas Korpi-Lagg. „Die Daten der Sunrise III-Mission werden uns noch viele Jahre beschäftigen – und enthalten bestimmt noch die ein oder andere Überraschung“, fügt er hinzu.
Stratosphäre bietet freie SichtVerantwortlich für die hohe Qualität der Daten – und damit für den Erfolg der Mission – war vor allem der abenteuerliche „Arbeitsplatz“ von Sunrise III. In der Stratosphäre, etwa 35 Kilometer oberhalb des Erdbodens, ließ das Observatorium den Großteil der Erdatmosphäre unter sich. Diese wabernde Lufthülle schränkt die Sicht erdgebundener Sonnenteleskope maßgeblich ein. Selbst mit modernsten Techniken, welche die Effekte der Luftunruhen kompensieren, lässt sich die Sonne äußerst selten länger als einige Minuten am Stück ohne Unterbrechung und bei konstant hoher Bildqualität beobachten. Sunrise III hingegen gelangen Beobachtungsserien von mehreren Stunden Dauer. Selbst der Einbruch der Nacht störte kaum: Entlang der sommerlichen, polarkreisnahen Flugroute von Sunrise III sank die Sonne täglich nur für kurze Zeit so tief, dass der Blick durch dickere Luftschichten die Beobachtungen beeinträchtigte.
Ebenso entscheidend war die wissenschaftliche Ausrüstung des Observatoriums: Das Teleskop mit einem Hauptspiegeldurchmesser von einem Meter fing das Sonnenlicht ein; die drei Instrumente Susi (Ultraviolett-Spektropolarimeter), TuMag (Magnetograph) und Scip (Infrarot-Spektropolarimeter) verarbeiteten es weiter; ein ausgeklügeltes Bildstabilisierungssystem sorgte für scharfe Aufnahmen. So ausgerüstet entstanden Bildabfolgen etwa im Viertel-Sekunden-Takt, die Strukturen von zum Teil nur 50 Kilometern Größe sichtbar machen – und das aus einem Abstand von fast 150 Millionen Kilometern. Zudem untersucht Sunrise III auf diese Weise einen breiten Wellenlängenbereich des Sonnenlichtes – vom ultravioletten bis hin zum infraroten Licht – und kann selbst eng benachbarte Wellenlängen voneinander trennen. Ultraviolettes Licht von der Sonne ist erdgebundenen Teleskopen nicht zugänglich. Der Großteil dieser Strahlung wird von der Ozonschicht der Erdatmosphäre verschluckt.
HintergrundinformationenDas ballongetragene Sonnenobservatorium Sunrise III ist eine Mission des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS, Deutschland). Maßgeblich Mitwirkende an der Mission sind das Applied Physics Laboratory der Johns Hopkins Universität (APL, USA), ein spanisches Konsortium, das National Astronomical Observatory of Japan (NAOJ, Japan), und das Institut für Sonnenphysik (KIS, Deutschland). Das spanische Konsortium wird geleitet vom Instituto de Astrofísica de Andalucía (IAA, Spanien) und besteht zudem aus dem Instituto Nacional de Técnica Aeroespacial (INTA), der Universitat de València (UV), der Universidad Politécnica de Madrid (UPM) und dem Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC). Weitere Partner sind das Wallop’s Flight Facility Balloon Program Office (WFF-BPO) der NASA und die Swedish Space Corporation (SSC).
Sunrise III wird unterstützt von der Max-Planck-Förderstiftung, der NASA im Rahmen der Grants #80NSSC18K0934 und #80NSSC24M0024 ("Heliophysics Low Cost Access to Space"-Programm) sowie dem ISAS/JAXA Small Mission-of-Opportunity-Programm und JSPS KAKENHI JP18H05234. Die spanischen Beiträge wurden vom spanischen MCIN/AEI im Rahmen der Projekte RTI2018-096886-B-C5 und PID2021-125325OB-C5 sowie von "Center of Excellence Severo Ochoa"-Preisen an das IAA-CSIC (SEV-2017-0709, CEX2021-001131-S) finanziert, die alle von den europäischen REDEF-Fonds "A way of making Europe" kofinanziert wurden.
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