Das „Anfiteatro Berico“ bei Vicenza galt jahrelang als archäologische Sensation.
Hier, zwischen Wohngebiet und Wald, baute der Italiener Franco Malosso (69) sein eigenes Amphitheater – und vermarktete es als antike Sehenswürdigkeit
Vicenza (Italien) – Fast 1700 Jahre alt, angeblich von Julius Cäsar besucht und nach einem Erdrutsch wiederentdeckt: Das „Anfiteatro Berico“ bei Vicenza in Norditalien galt jahrelang als archäologische Sensation. Besucher zahlten Eintritt, Tourismusführer warben für die Anlage. Jetzt sitzt der Verantwortliche im Gefängnis.
Als Experten das vermeintlich antike Amphitheater untersuchten, fanden sie Pappmaché, Glasfaser, Beton und Gipsfiguren aus den 2000er-Jahren. Die Sehenswürdigkeit entpuppte sich als Fälschung. Verantwortlich dafür soll Franco Malosso (69) sein, der sich selbst „Franz von Rosenfranz“ nannte. Inzwischen sitzt er seine Haftstrafe ab.
Mit Cäsar und Kleopatra auf TouristenfangDie Anlage liegt im hügeligen Arcugnano bei Vicenza, unweit von Venedig, zwischen Wohngebiet und Waldstück. Malosso behauptete, das Amphitheater stamme aus dem Jahr 393 nach Christus und sei 2005 nach einem Erdrutsch freigelegt worden.
Auf rund 5000 Quadratmetern entstand eine Arena nach römischem Vorbild. Für Führungen und Veranstaltungen zahlten Besucher bis zu 40 Euro.
Besonders spektakulär waren die Geschichten rund um das Bauwerk. So sollen Julius Cäsar und Kleopatra hier zu Gast gewesen sein. Das kann aber schlichtweg nicht stimmen: Cäsar und Kleopatra lebten rund 400 Jahre vor der Entstehung des Gebäudes.
Auch erzählte Malosso, hier habe einst Julia aus Shakespeares „Romeo und Julia“ gelebt. Eine seltsame Legende, weil allseits bekannt ist, dass die Figuren nur erfunden sind.
Von Rosenfranz hatte trotzdem Erfolg damit: Das Amphitheater schaffte es sogar in einen EU-geförderten Tourismusführer und in die Tourismus-App der Region.
Archäologen decken den Schwindel aufErste Zweifel kamen 2016 nach einer Anzeige der Gemeinde Arcugnano auf. Archäologen untersuchten die Anlage im Auftrag der Carabinieri.
Ihr Ergebnis: Sämtliche Bauwerke waren modern. Satellitenbilder sollen zudem zeigen, dass zunächst ein Hügel abgetragen und die Anlage anschließend künstlich errichtet wurde.
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Mittlerweile wurde Malosso wegen illegaler Bautätigkeit, Fälschung von Kulturgütern und nicht genehmigter Bauarbeiten zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Außerdem soll er 3.000 Euro ans Gericht und 560.000 Euro Schadenersatz an die Gemeinde Arcugnano zahlen.
Das Gericht ordnete bereits vor Jahren den Abriss des „Anfiteatro Berico“ an. Passiert ist bislang nichts. Wie es mit dem wohl berühmtesten Pappmaché-Bauwerk Italiens weitergeht, ist weiterhin offen.
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