Der Urlaubs-Hit verbindet Natur mit Hotelkomfort.
Immer mehr Urlauber entscheiden sich für einen Zelturlaub, sofern für extra Komfort gesorgt ist – wie hier an der Nordsee im „Camping de Lakens“ (Holland)
Berlin – Luxus statt Luftmatratze, Isomatte und Gaskocher. Und bestenfalls Boxspringbett, eigenes Bad und Whirlpool unter freiem Himmel: Der immer beliebtere Reisetrend heißt „Glamping“. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „Glamour“ und „Camping“ zusammen – und beschreibt eine Urlaubsform, die Naturerlebnis mit Hotelkomfort verbindet.
Der Hype wird seit Jahren immer größer und erreicht eine immer breitere Zielgruppe. Denn: Glamping spricht inzwischen auch Menschen an, die klassisches Camping nie auf dem Schirm hatten und nicht auf etwas Privatsphäre verzichten möchten.
Hier fängt Glamping an: Wenn das Zelt bei Ankunft bereits steht und ein richtiges Bett integriert ist
Zwar erfasst die amtliche Statistik Glamping nicht gesondert, doch die Zahlen zum Camping insgesamt zeigen deutlich, wohin die Reise geht: 2025 wurden auf deutschen Campingplätzen 44,7 Millionen Übernachtungen gezählt – so viele wie nie zuvor. Das sind 4,2 Prozent mehr als 2024, fast 25 Prozent mehr als vor Corona (2019) und sogar mehr als doppelt so viele wie vor 20 Jahren.
Fakt ist: Camping entwickelt sich damit deutlich dynamischer als der übrige Beherbergungsmarkt. Doch der Boom hat sich verändert. Immer mehr Urlauber wollen zwar draußen schlafen – auf Komfort aber nicht verzichten. Genau hier setzt Glamping an.
Für viele Urlauber ist die Mischung aus Natur, Ruhe und Komfort genau das, was sie suchen – hier das „Terre di Sacra“ direkt am Strand der Toskana (Italien)
„Für mich beginnt Glamping dort, wo Gäste einfach ihren Urlaub genießen können, ohne ihre komplette Campingausrüstung mitzubringen“, erklärt Simone Pokrandt, Geschäftsführerin von „LeadingCampings“, gegenüber BILD. Trotzdem bliebe „das eigentliche Campinggefühl erhalten“: Urlauber „verbringen viel Zeit in der Natur und genießen genau diese besondere Freiheit“, so die Expertin weiter.
Die Palette an Glampings „ist heute unglaublich vielfältig“. Viele Unterkünfte „verfügen über den Komfort einer Ferienwohnung“. Im Premiumsegment gehe das „noch deutlich weiter“. Dort locken „Design-Lodges, Safarizelte mit Whirlpool oder Sauna oder außergewöhnliche Unterkünfte an ganz besonderen Standorten, z.B. direkt am See oder mitten im Wald“, sagt Pokrandt.
Auch renommierte Hotelketten wie „Falkensteiner“ bieten bereits Glamping an. Hier direkt am Blaguš-See in Slowenien – ab 126 Euro die Nacht
Klar ist: Tiny Houses und Baumhäuser sprechen ein Publikum an, das früher eher ein Hotel gebucht hätte. Familien mit Kindern schätzen die Bequemlichkeit ebenso wie Menschen, die Camping ausprobieren möchten, ohne gleich dafür Equipment kaufen zu müssen. „Den ganzen Tag an der frischen Luft verbringen, ohne auf ein bequemes Bett verzichten zu müssen“ – für viele ist laut Pokrandt „genau diese Kombination heute echter Luxus.“
Dazu kommt ein gesellschaftlicher Wandel. Seit Corona ist der Wunsch nach Urlaub in der Natur deutlich gestiegen. Gleichzeitig sind Flugreisen vielerorts teurer geworden, Hotels haben ihre Preise erhöht und viele Reisende suchen nach Alternativen, die flexibel, naturnah und dennoch hochwertig sind – Glamping erfüllt genau diese Erwartungen.
Kurz vor Ferienhaus: Viele Glamping-Betreiber setzen auf neuartige Holz-Designs. Hier die „Eco Lodges“ am Millstätter See in Kärnten (Österreich)
Auch Betreiber von Campingplätzen investieren deshalb kräftig. Alte Stellplätze werden modernisiert, neue Mietunterkünfte entstehen. Pools, Wellnessbereiche und Restaurants ergänzen das klassische Campingangebot. Branchenbeobachter sprechen bereits von einer Aufwertung des gesamten Campingmarktes. Aus dem früher eher einfachen Urlaub für Sparfüchse wird zunehmend ein Lifestyle-Angebot.
Der Boom hat allerdings auch seine Schattenseiten. Die hohe Nachfrage lässt die Preise steigen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben sich Übernachtungen auf Wohnmobilstellplätzen seit 2020 um 32,2 Prozent verteuert und damit stärker als die allgemeinen Verbraucherpreise. Gleichzeitig berichten viele Campingplätze von einer sehr hohen Auslastung in den Ferien – spontane Buchungen werden schwieriger.
Naturnah und fotogen: Das „Caravan Park Sexten“ in Südtirol (Italien) hat Baumhäuser im Angebot
Drei Tipps von Glamping-Expertin Simone Pokrandt:
Das „Alpencamping Nenzing“ in Vorarlberg (Österreich) ist ein echter Hingucker
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