Geheime Gmail-Konten, gelöschte Akten, Wein als Dank: Ein Ex-Berater von Anthony Fauci hat gestanden, den Corona-Ursprung systematisch vertuscht zu haben.
David M. Morens, langjähriger Mitarbeiter des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), hat sich am Dienstag vor einem US-Gericht der Verschwörung schuldig bekannt. Konkret geht es um Straftaten und Betrug im Zusammenhang mit der Aufklärung des Ursprungs von Sars-CoV-2. Morens war von 2006 bis 2022 leitender Berater im Büro des damaligen NIAID-Direktors Anthony Fauci.
Wie der Corona-Ursprung verschleiert wurdeLaut Geständnis verschworen sich Morens, zwei nicht namentlich genannte Mittäter und weitere Personen während der Corona-Krise, um die USA zu betrügen – nachdem die National Institutes of Health (NIH) die Förderung von „Mittäter 1“ eingestellt hatten. „Die NIH beendete die Förderung mit dem Titel ‚Die Risiken von Fledermauscoronaviren verstehen‘ aufgrund von Behauptungen, Covid-19 sei vom Wuhan Institute of Virology (WIV) in China ausgegangen“, heißt es in einer Mitteilung der US-Staatsanwaltschaft.
Das von Fauci geführte NIAID hatte die Förderung an „Unternehmen 1“ und „Mittäter 1“ vergeben, die wiederum eine Unterförderung an das WIV weiterreichten. Bei „Mittäter 1“ soll es sich nach übereinstimmenden Berichten um die EcoHealth Alliance handeln, eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in New York, die US-Steuergelder an das Wuhan Institute of Virology weiterleitete.
Nach Abschluss des Forschungsprojekts vereinbarten Morens und „Mittäter 2“ – der als Mitglied der Führungsriege der EcoHealth Alliance gilt –, „Mittäter 1“ bei der Wiedererlangung der gestrichenen Fördermittel zu unterstützen und Vorwürfen entgegenzuwirken, das Virus sei aus einem Labor entkommen. Weil die Beteiligten damit rechneten, dass ihre Korrespondenz durch Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz offengelegt werden könnte, vereinbarten sie schriftlich, ihren Austausch bewusst zu verschleiern – über Morens’ privates Gmail-Konto statt seiner dienstlichen NIH-Adresse.
Über diesen Kanal sollen laut Anklage auch nicht öffentliche NIH-Informationen, Strategien zur Wiederherstellung der gestrichenen Fördermittel sowie Entwürfe von Briefen an die NIH-Leitung geflossen sein – adressiert unter anderem an eine Person, die in den Gerichtsakten als „Senior NIAID Official 1“ bezeichnet wird. Nach einer Analyse der Gerichtsunterlagen durch den US-Sender CBS soll es sich dabei um Fauci selbst handeln.
Morens gab zudem zu, mit „Mittäter 2“ über illegale Zuwendungen gesprochen zu haben. Im Juni 2020 schickte dieser ihm zwei Flaschen Wein an seinen Wohnsitz in Maryland – als Dank für seine „hinter den Kulissen ablaufenden Machenschaften“. Laut Justizministerium soll Morens im Gegenzug eine Amtshandlung benannt haben, mit der er sich das Geschenk „verdienen“ könne: das Verfassen eines wissenschaftlichen Kommentars in einer renommierten Fachzeitschrift, in dem er die These vertrat, Covid-19 sei natürlichen Ursprungs. Der Komplize soll weitere Vergünstigungen angeboten haben, darunter Essen in Sternerestaurants in Paris, New York und Washington.
Aus E-Mails, die dem Sonderausschuss des Repräsentantenhauses zur Corona-Krise zugespielt wurden, geht hervor, dass Morens sein Vorgehen offenbar systematisch plante. „Wie Sie wissen, versuche ich immer, über Gmail zu kommunizieren, da meine NIH-E-Mail ständig nach dem Informationsfreiheitsgesetz überprüft wird“, schrieb er an Korrespondenten und ergänzte, man solle sich keine Sorgen machen, da er „alles löschen würde, was ich nicht in der New York Times sehen möchte“. Im Februar 2021 erläuterte er demnach sogar, wie man E-Mails nach einer entsprechenden Anfrage, aber noch vor Beginn der behördlichen Suche, verschwinden lassen könne.
Auch Fauci selbst soll auf diese Weise geschützt worden sein: In einer Nachricht vom April 2021 schrieb Morens laut Anklage, er könne „Tony die Sachen entweder an seine private Gmail-Adresse schicken oder sie ihm im Büro oder zu Hause übergeben“ – Fauci sei „zu klug, als dass Kollegen ihm Sachen schicken würden, die ihm Probleme bereiten könnten“.
Fallengelassene Anklagepunkte und drohende StrafeIm Gegenzug für das Geständnis ließ die Staatsanwaltschaft die übrigen Punkte der im April erhobenen Anklage fallen – darunter die Vernichtung, Veränderung oder Fälschung von Akten in bundesstaatlichen Ermittlungen, deren Verheimlichung oder Entfernung sowie Beihilfe und Anstiftung. Für jeden dieser Punkte hätten bis zu 20 Jahre Haft gedroht. „Mit seinem heutigen Schuldbekenntnis hat Dr. Morens die Verantwortung für seine Taten übernommen und wird dies auch weiterhin tun“, sagte sein Anwalt Tim Belevetz.
Dem 78-Jährigen aus Chester, Maryland, droht nun eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren im Bundesgefängnis, dazu drei Jahre Bewährung und eine Geldstrafe von bis zu 250.000 US-Dollar. Den Vorsitz führt die US-Bezirksrichterin Paula Xinis; das Urteil soll am 12. November vor dem Bundesgericht in Maryland verkündet werden. Ein Zusatzdokument zur Geständnisvereinbarung, das in solchen Fällen meist Regelungen zur Kooperation mit den Behörden enthält, wurde unter Verschluss eingereicht.
Der Fall reiht sich ein in einen zunehmend eskalierenden Streit um die Aufarbeitung des Corona-Ursprungs. Ein Senatsausschuss stimmte erst kürzlich dafür, Fauci selbst wegen Missachtung des Kongresses zu belangen, nachdem dieser sich geweigert hatte, Fragen zu seinem Verhalten während und nach der Pandemie zu beantworten – der Fall liegt inzwischen beim US-Justizministerium.
Fauci hatte sich bei einer Anhörung 2024 von Morens distanziert und erklärt, von dessen privater E-Mail-Nutzung nichts gewusst zu haben. Er räumte jedoch ein, dass dieses Verhalten gegen die Richtlinien der Behörde verstoßen habe. Fauci selbst wurde von Ex-Präsident Joe Biden vorsorglich begnadigt – für sämtliche Handlungen zwischen dem 1. Januar 2014 und dem 19. Januar 2025.
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