Das Kosmos-Festival in Chemnitz ist bei Musikfans schon seit 2018 beliebt. In diesem Jahr haben die Macher noch mehr zu bieten.
Das Kosmos-Festival zieht um – und mit ihm zieht in diesem Jahr ein Teil der Chemnitzer Wirtschaft, der Wissenschaft und der Forschung – vom Schlossteich in die Innenstadt. Nun wollen auch die Macher des sogenannten Chemnitzer Wirtschaftshubs die Tausenden jungen Festivalbesucher ansprechen – und zwar mitten im Festivalgebiet.
Mit der Kosmos-Revue in der Stadthalle will man am Freitagabend eine neue Form der Festivaleröffnung kreieren. An zahlreichen Orten, in Geschäften, der Hartmannfabrik, im Atomino oder der Spinnerei und in der Kraftwerk-Treppenarena kann man in diesem Jahr einen bunten Strauß an Gesprächs- und Workshop-Formaten neben junger Musik – vor allem am Abend – erleben. Zu Gast sind unter anderem die Dresdner Rap-Pop-Band 01099, Secret Act oder die Indie-Band OK KID. „Die Innenstadt als Veranstaltungsort ermöglicht uns insgesamt eine größere Flexibilität und Vielfalt“, bestätigt Ernesto Uhlmann von den Festival-Organisatoren.
Statt am Schlossteich soll das Festival nun also vor allem am 29. August in der Innenstadt rund um den Hartmannplatz stattfinden, erklärt Annett Frömberg-Voigt von der Wirtschaftsförderung Chemnitz. Mehr als 40 Unternehmen und Institutionen wollen diesmal auf dem Innenstadt-Festivalgelände zeigen, was Chemnitz außer jeder Menge guter Musik auch beruflich, technologisch und touristisch zu bieten hat.
Keine klassische Messe für Fachkräfterekrutierung„Wir wollen keine klassische Messe für Fachkräfterekrutierung sein“, sagte die Fachfrau der Wirtschaftsförderung Chemnitz, „sondern zeigen: Wir stehen gemeinsam für Chemnitz.“ Ziel sei es, ein Erlebnis vorzubereiten, das die Vielfalt der Stadt sichtbar mache – einer Region, die durch handfeste Berufe geprägt sei und zugleich an Zukunftstechnologien arbeite.
Annett Frömberger-Voigt im Gespräch mit Kosmos-Mitorganisator Ernesto Uhlmann und dem Oberbürgermeister der Stadt Chemnitz, Sven Schulze.
© Ingo Eckardt
Auch Kosmos-Mitorganisator Ernesto Uhlmann sieht dafür im neuen Standort eine Chance. „Wir sind vom Schlossteichareal zum Hartmannplatz gewechselt“, sagte er. Die Innenstadt mit Markthalle, Schulen, Ladengeschäften und städtischen Einrichtungen biete besondere Möglichkeiten. Viele Akteure aus dem Kulturbereich hätten im Kulturhauptstadtjahr erlebt, „dass sich Mitmachen rentiert“.
Im Zentrum des Wirtschaftsprogramms stehen die sogenannten Erlebnisachsen, wie eine „Talent-Street“. Sie soll lernenden, studierenden sowie jungen berufstätigen Festivalbesuchern eine Orientierung geben. „Wo stehe ich? Was kann ich? Welche Möglichkeiten habe ich in Chemnitz?“, lauteten die zentralen Fragen, sagte Annett Frömberg-Voigt. Firmen sollen sich dabei nicht nur in ihrer klaren Rolle als Arbeitgeber präsentieren. Geplant sind Panels und Diskussionen über Talente, Ausbildung und berufliche Perspektiven.
Niederschwellig versuchen, ins Gespräch zu kommen
Das Kosmos, der Industrieverein, die Stadt Chemnitz, die IHK und die Handwerkskammer machen dieses Jahr gemeinsame Sache: Mit einem innovativen Wirtschaftshub will man junge Leute dort ansprechen, wo sie es am wenigsten erwarten.
© Ingo Eckardt
Auch traditionelle Berufsbilder sollen neu betrachtet werden. Was lernt ein Zerspanungsmechaniker heute – und was lernte er früher? Wie verändern Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz die Arbeit? Antworten darauf sollen Unternehmen, das Handwerk, die Universität und Forschungseinrichtungen liefern. Mit dabei sind unter anderem ein FabLab mit 3D-Fertigung, das Holzkombinat, Akteure aus Handwerk und Pflege sowie Azubi-Botschafter.
Frömberg-Voigt nannte ein Beispiel, wie vielfältig Technik eingesetzt werden könne: „Wir haben etwa die Chance, technisch Bewegung in Musik umzusetzen – etwa für die Mobilisierung in Physiotherapie oder Altenpflege. Auch das Thema Wasserstoff werde natürlich mit dem Cluster in Chemnitz präsent sein und Forschende auf die Bühne bringen.“ Die Hochschule Mittweida plane eine Zukunftszeitkapsel, in der Technologie und KI eine Rolle spielen sollen.
Die „Tech-Area“ soll zeigen, welche Forschungsinfrastruktur in Chemnitz und der Region vorhanden ist. Der Anspruch sei hoch: „Technologie heute ist Wertschöpfung von morgen“, heißt es aus dem Kreis der Veranstalter. Die reiche Forschungslandschaft soll nicht abstrakt bleiben, sondern für Besucher erlebbar werden – in einer Containerlandschaft auf mehreren Etagen, in der Wissenschaft und Wirtschaft zusammenkommen. Auch die beliebte Kinderuni ist angedockt. Eine der Fragen, die in der Hartmannfabrik beantwortet werden, lautet: „Was haben Hogwarts und die TU Chemnitz gemeinsam?“
Mitmachangebote von Silent Disco bis BingoDie Organisatoren haben das Angebot bewusst niedrigschwellig angelegt. „Das ist auch ein Angebot für Eltern, die mit ihren Kindern im Laufe des Tages zum Fest kommen, bevor die Kids am Abend die Musik genießen können“, sagte Schulze. Wer eigentlich zu Konzerten wolle, solle auf dem Weg dorthin auf die Erlebnisachsen stoßen. Bingo, Tischkicker, Silent Disco und Mitmachangebote sollen zum Stehenbleiben einladen. Mithilfe der Agentur Sprungbrett, die viel mit jungen Menschen arbeitet, haben die Veranstalter insbesondere die Altersgruppe der Teenies und Twens in den Fokus genommen.
„Wir hoffen, die jungen Leute so greifen zu können“, sagte Schulze. Entscheidend sei, offen zu sein und in den Dialog zu kommen. Chemnitz wolle nicht nur Ausbildungsplätze und Studiengänge aufzählen, sondern kreativ Möglichkeiten sichtbar machen.
Eine weitere Erlebnisachse trägt den Titel „Travel & Conference“. Hier soll es um die touristische und veranstaltungswirtschaftliche Seite der Stadt gehen. Reisen für Menschen mit Handicap – unter anderem bei Angeboten der Jugendherberge, aber auch Veranstalter wie der Kraftverkehr, C3 oder die Fabrik würden in Gemeinschaft zeigen, welches Potenzial Chemnitz als Tagungs- und Veranstaltungsort besitzt, meint Ernesto Uhlmann.
Wird Chemnitz bald zur „Stadt der Freundlichkeit“?„Die Frage ist, wie kann Chemnitz so attraktiv sein, dass Konferenzen und Veranstaltungen aus Medizin oder Elektronik hier stattfinden“, sagte Frömberg-Voigt. Eine besondere Rolle spiele dabei die Offenheit der Stadt. Freundlichkeit könne ein Alleinstellungsmerkmal werden. Aus dieser Idee könne sogar eine Initiative entstehen.
„Mit dem Kosmos dieses Jahr führen wir quasi das Motto des Kulturhauptstadtjahres fort: Chemnitz soll sich als Stadt zeigen, in der Menschen zusammenkommen und etwas ausprobieren können“, meinte Katrin Hoffmann, Chefin des Industrievereins Sachsen, der ebenso wie die IHK Chemnitz und die Handwerkskammer beim Wirtschaftshub zum Kosmos mit von der Partie ist.
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