Hitze und Wassermangel setzen Deutschland gegenwärtig zu. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Dürre im Überblick.
Nachdem das Jahr 2025 bereits zu trocken war und der Mangel an Feuchtigkeit unter anderem in Wäldern große Schäden anrichtete, sind auch im Sommer 2026 die Folgen des ausbleibenden Niederschlags unübersehbar. Flüsse führen so wenig Wasser, dass lang versunkene Schiffe und ertrunkene Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg zutage treten.

Wenige Extremwetterlagen können solch schwerwiegende Folgen haben wie Dürren. Laut Aussagen des Weltklimarats werden sie in den letzten Jahren häufiger, schwerwiegender und in immer mehr Regionen der Welt auftreten.
Das Bundesumweltamt definiert die Dürre als einen extremen, über einen längeren Zeitraum herrschenden Zustand, in dem wenig lebensnotwendiges Wasser für Menschen, Tiere und Pflanzen verfügbar ist. Sie ist nicht einfach ein Zustand von Trockenheit, sondern ein komplexes Zusammenspiel von Wetter, Verfügbarkeit von Wasser und Wasserbedarf.
Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bezeichnet die Dürre als längere Abwesenheit oder den deutlichen Mangel an Niederschlag. Es ist eine Periode mit ungewöhnlich trockenem Wetter, die so lang ist, dass durch das Ausbleiben des Niederschlags ein ernsthaftes hydrologisches, also den Wasserkreislauf betreffendes, Ungleichgewicht verursacht wird. Übrigens: Dürren gibt es auf der ganzen Welt. Sie sind nicht auf bestimmte Kontinente oder Wüstenregionen beschränkt. Sie passieren nicht plötzlich, sondern ziehen sich über längere Zeiträume hin und entwickeln sich langsam zu einer Katastrophe.

Wegen der anhaltenden Dürre: Ein Tankschiff passiert eine Sandbank bei Oberwesel. Die niedrigen Wasserstände behindern die Schifffahrt. © Thomas Frey/dpa | Thomas Frey
Wie werden Dürren gemessen?Weil sich Dürren auf verschiedene Bereiche auswirken können, werden sie auch anhand unterschiedlicher Indikatoren gemessen. Es werden unter anderem Niederschlag, Bodenfeuchte, Temperatur, Evapotranspiration, das heißt die Gesamtverdunstung von Wasser, und Abfluss gemessen. Aus diesen Werten wird ein einzelner Dürreindex gebildet. Weiterführende Indikatoren sind etwa die Wasserstände von Flüssen, Ernteertragsberichte, Wasserspeicherfüllung, Grundwasser und Schneedecke.
Bei den Dürren unterscheidet man hauptsächlich vier Arten: meteorologische Dürren, landwirtschaftliche Dürren, hydrologische Dürren und sozioökonomische Dürren. Diese folgen jeweils aufeinander. Von einer meteorologischen Dürre spricht man dann, wenn Niederschlag über einen längeren Zeitraum unterdurchschnittlich fällt oder komplett wegbleibt. Weniger Wasser versickert, was zu einer geringen Grundwasserbildung führt. Zusätzlich herrschen hohe Temperaturen mit geringer Luftfeuchte, was zur erhöhten Verdunstung von vorhandenem Wasser führt.

Daraus folgt die landwirtschaftliche Dürre. Im Boden fehlt das Wasser und die Pflanzen bekommen weniger oder nichts. Der Ertrag verringert sich oder bleibt ganz aus, bzw. Pflanzen sterben ab. Auch Tiere leiden, da Wasser schwieriger zu finden ist oder sich die Stände von Gewässern verringern.
Bei der hydrologischen Dürre reduzieren sich Pegelstände und Zuflüsse von Talsperren und Seen. Außerdem sinkt der Grundwasserspiegel. Mit der sozioökonomischen Dürre werden die Auswirkungen des Wassermangels auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt beschrieben.

Folgen der Dürre in Hartmannsdorf (Sachsen): Die historische Zinnbrücke in der Talsperre Lehnmühle im Osterzgebirge ist durch das Niedrigwasser wiederzusehen (Luftaufnahme mit Drohne). © Robert Michael/dpa | Robert Michael
Welche Folgen haben Dürren?Durch Dürren trocknen Böden aus und werden weniger aufnahmefähig für Niederschläge. Deshalb kann es im Anschluss an Dürren zu starken Hochwasserschäden kommen, da der Regen nicht im Boden versickert, sondern abfließt. Die Folgen für die Lebensmittelproduktion führen primär in armen Ländern zu Nahrungsknappheit.
Außerdem leiden Menschen und Tiere direkt unter dem Wassermangel. Aus einem Unicef-Bericht von 2023 geht etwa hervor, dass jedes dritte Kind weltweit in Gebieten mit sehr hoher Wasserknappheit lebt. Bei Wassermangel verbreiten sich Krankheiten wie Cholera schneller, weil Menschen auf unsichere Wasserquellen zugreifen müssen, um ihren Wasserhaushalt zu decken.
Dürren begünstigen zudem Sandstürme und Waldbrände und verschiedene industrielle Bereiche leiden unter Wasserknappheit. Die Kühlung von Atomkraftwerken kann zum Teil nicht sichergestellt werden, wenn Wasser fehlt, und der Transport auf Flüssen kann bei niedrigem Wasserstand nicht mehr aufrechterhalten werden.
Wann war die schlimmste Dürre der Menschheitsgeschichte?Genaue Aufzeichnungen zum Klima werden erst seit dem letzten Jahrhundert gemacht, weshalb die Frage nach historischen Dürren spekulativ ist. Bereits vor über 4000 Jahren soll es eine schwere Trockenperiode im Mittleren Osten (Iran, Irak und Syrien) gegeben haben, die sich über Ägypten in den Mittelmeerraum bis nach Spanien erstreckt haben soll. Belege dafür lieferten Ausgrabungen in den 1990ern. Dabei wurde eine dicke Schicht aus sandähnlichen Kügelchen im Boden gefunden, die auf eine teilweise jahrzehntelange Trockenheit hinweist.
1540 blieb der Niederschlag Berichten zufolge wohl für elf Monate fast vollständig aus. Belege dafür können in verschiedenen Aufzeichnungen in über 300 zeitgenössischen Chroniken gefunden werden, die von Historikern und Klimatologen ausgewertet wurden. Grund dafür soll ein ungewöhnlich stabiles Hochdruckgebiet gewesen sein, das die atlantischen Luftströme blockierte.
Noch von Oktober bis Dezember soll es so warm wie im April gewesen sein, ohne Frost oder Schneefall. Folgen der Dürre waren unter anderem schwere Missernten mit anschließenden Hungersnöten, vermehrte Stadtbrände und mehr Magen-Darm-Erkrankungen, da die Menschen gezwungen waren, unsauberes Wasser zu trinken.

In Brandenburg ist das Flussbett der Schwarzen Elster komplett ausgetrocknet.© Frank Hammerschmidt/dpa | Frank Hammerschmidt
Wann war die schlimmste Dürre in Deutschland?Von den modernen Dürren war die Trockenperiode von 2018 bis 2020 besonders stark und weit ausgebreitet. Drei Jahre in Folge waren die Frühlinge und Sommer zu trocken und heiß, was zum Austrocknen von Flüssen und schweren Schäden an Waldgebieten führte. Oldrich Rakovec vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig benennt sie als „die neue Benchmark für Dürren in Europa“.
Keine andere Trockenperiode in Europa sei so räumlich ausgedehnt, so anhaltend und in ihrer Temperaturanomalie so extrem gewesen. Über 33 Monate fiel zu geringer Niederschlag. Genau wie in den vier großen europäischen Sommerdürren davor – 1947/1948, 2003/2004, 2015/2016 und 2018 bis 2020 – begannen sie schon im Frühjahr.
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