Erstmals seit 2013 verliert Brandenburg Einwohner – obwohl der Zuzug so hoch war wie lange nicht. Das ist leicht zu erklären, doch längst nicht banal.
Am Jahresende 2025 lebten 2.551.889 Menschen in Brandenburg. Das sind 4858 weniger als ein Jahr zuvor – der erste Rückgang seit 2013.
Bemerkenswert ist nicht der Rückgang selbst, sondern wie er zustande kommt. Nach Brandenburg zogen 2025 deutlich mehr Menschen, als es verließen: Der Wanderungsgewinn lag bei 16.626 Personen. Aufgehoben wurde er durch einen Sterbeüberschuss von 21.248 – dem höchsten seit der Wiedervereinigung.
Das Land verliert also nicht, weil es unattraktiv wäre. Es verliert, weil eine Generation stirbt, die in den Neunzigerjahren keine Kinder mehr bekommen hat, und weil der Zuzug diese Lücke rechnerisch nicht mehr schließt.
Dass dieser Zuzug regional extrem ungleich verteilt ist, macht die zweite Zahl deutlich: Das Berliner Umland wuchs um 2363 Menschen auf 1.043.189. Der weitere Metropolenraum – also alles, was weiter als eine Pendelfahrt von Berlin entfernt liegt – verlor im selben Jahr 7221 Einwohner.
Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg und das Landesamt für Bauen und Verkehr haben im September 2025 ihre Bevölkerungsvorausberechnung bis 2040 vorgelegt. Ihr zentraler Befund: Der Speckgürtel verdoppelt sich.
Bis 2040 sollen die stärksten Zuwächse in Dahme-Spreewald (+8,8 Prozent), Teltow-Fläming (+8,4 Prozent) und Barnim (+6,5 Prozent) liegen. Am anderen Ende steht Oberspreewald-Lausitz mit einem erwarteten Verlust von 12,9 Prozent.
Innerhalb dieser Kreise verschiebt sich das Wachstum nach außen. In der Berichterstattung firmiert das inzwischen als „zweiter Ring“: rund 50 Städte und Gemeinden mit derzeit etwa 240.000 Einwohnern, darunter Fürstenwalde/Spree, Zossen und Nauen.
Wer wissen will, was den Städten des zweiten Rings bevorsteht, kann nach Falkensee fahren. Dort ist der Vorgang bereits durchlaufen.
Eine Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle hatte 132 ostdeutsche Städte auf ihre Entwicklung seit 1990 hin verglichen – Städte ohne Eingemeindungen, damit die Zahlen vergleichbar bleiben. Nur zwei wuchsen kontinuierlich: Bernau um 47 Prozent und Falkensee um 87 Prozent. Damals, 2015, hatte Falkensee rund 43.000 Einwohner. Heute sind es etwa 46.000.
Gebaut wird weiter. Die Buwog errichtet am Falkenhagener See das „Merlin Quartier“ mit 472 Wohnungen; bis Ende 2026 sollen in der Stadt rund 1500 neue Wohnungen fertig sein.
Die Verdichtung lässt sich auch südlich von Berlin ablesen. Teltow kam zuletzt auf 1040 Einwohner je Quadratkilometer, Kleinmachnow auf 1719 – Potsdam selbst liegt mit 987 darunter. Die Umlandgemeinden sind dichter besiedelt als die Landeshauptstadt.
Falkenhagener See
© Thomas Düsterhöft
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