Eigene NAS-Lösungen anzubieten, liegt aktuell ja stark im Trend. So stammt auch unser heutiges Exemplar von einem Hersteller, den man in diesem Segment bisher nicht auf dem Radar hatte. Da die Hardware ab Werk ohne passendes Betriebssystem kommt, bot sich die perfekte Gelegenheit, gleich noch einen Blick auf ein spannendes neues Open-Source OS zu werfen. […]
Die Acemagic N3A ist eine ungewöhnlich aufgebaute 4-Bay-NAS mit seitlich angeordneten Anschlüssen, AMD-Ryzen-Embedded-R2544-Plattform und ab Werk ohne passendes Betriebssystem. Der Test zeigt vor allem zwei Kernaussagen: Die NAS liefert in der Praxis trotz Missverständnissen um die angeblich unterschiedlichen LAN-Geschwindigkeiten solide Transferraten, und die zunächst verdächtig wirkenden PCIe-Anbindungen erweisen sich als Folge von Energiesparmechanismen statt als dauerhaftes Bandbreitenproblem. Ergänzend wurde MOS als Open-Source-NAS-System ausprobiert und als bereits sehr funktionsreich beschrieben.
Wichtigste Fakten Technische Eckdaten Messwerte und Beobachtungen Teardown, Materialprüfung und AufbauDie NAS verwendet ein unübliches Gehäusedesign mit seitlich konzentrierter I/O, das laut Test mit einem anderen Chassis bereits von der Aoostar WTR Pro bekannt ist. Nach dem Entfernen der magnetisch gehaltenen Abdeckung und der HDD-Schlitten wird die SATA-Backplane sichtbar. Unter der Klappe auf der Unterseite sitzen zwei DDR4-SO-DIMM-Steckplätze und zwei M.2-NVMe-Slots. Für eine vollständige Demontage muss zuerst ein kleines Tochter-PCB gelöst werden, bevor das Innenteil herausgezogen werden kann.
Im Inneren fällt ein 120-mm-Lüfter ohne Staubfilter auf. Der Prozessor ist ein verlöteter AMD Ryzen Embedded R2544, der von einem relativ großen Kühler abgedeckt wird. Die SATA-Anbindung erfolgt über ein ASMedia-ASM1061/ASM1062-Controllerboard für vier SATA-Slots. Das Verbindungsstück zur SATA-Backplane besteht aus zwei PCIe-x1-Fingern, das Gegenstück sitzt auf dem SoC-Mainboard. Im lspci-Output werden außerdem zwei Intel I226-V-Ethernet-Controller, ein MAXIO MAP1202 NVMe-Controller sowie ein AMD-FCH-SATA-Controller im AHCI-Modus genannt.
Im laufenden Test zeigte sich, dass die vom BIOS auslesbaren PCIe-Werte im Leerlauf niedriger erscheinen können. Mit aktivierter Last sind die höheren Verbindungsraten sichtbar, während die NAS im Idle offenbar ASPM zur Stromersparnis nutzt. Die Umstellung der PSPP Policy auf Performance verbessert laut Test die angezeigten Link-Werte, erhöht aber nur den Stromverbrauch, ohne einen praktischen Nutzen im Betrieb zu bringen.
Testbedingungen und GrenzenDie Messung des Stromverbrauchs erfolgte ab Steckdose und umfasste auch die verbaute NVMe-SSD. Für die restlichen Verbrauchswerte wurden weitere Laufwerke ausgebaut, um möglichst nahe an den Verbrauch der eigentlichen NAS zu kommen. Das Lastszenario wurde mit stress -c 8 -m 4 --vm-keep -t 300 erzeugt. Die Lautstärkemessung erfolgte mit einem Voltcraft SL-200 in 40 cm Entfernung, im Lo-Modus und mit 125-ms-Zyklen. Für die Netzwerktests wurde OpenSpeedTest in Docker sowie iPerf3 verwendet. Die MOS-Version 0.4.9 wird als Beta beschrieben; außerdem werden SnapRAID-Schedules derzeit noch nicht automatisch gesetzt oder ausreichend hervorgehoben.
EinordnungIm Vergleich zu typischen 4-Bay-NAS-Systemen mit x86-CPU und 2,5-Gigabit-Netzwerk wirkt die N3A zunächst durch das Layout und die I/O-Orientierung auffällig. Gleichzeitig positioniert sie sich preislich unter vielen direkten Wettbewerbern, da die genannte Barebone-Version deutlich günstiger angeboten wurde als das voll bestückte Testgerät. Die Kombination aus AMD Ryzen Embedded R2544, zwei Intel-I226-V-Ports und MOS als flexibel nutzbarem Open-Source-System macht sie vor allem für Anwender interessant, die ein eigenständig konfigurierbares NAS ohne fest vorgegebenes Betriebssystem suchen. Der Test stellt zugleich klar, dass das vermeintliche Bandbreitenproblem der internen PCIe-Anbindungen im Alltag weniger gravierend ist als Online-Diskussionen vermuten lassen.
Stärken 2,5-Gigabit-Nutzung an beiden Intel-I226-V-Ports im Test trotz abweichender Bewerbung eines Ports. MOS bietet bereits in der Beta-Version eine breite Funktionsbasis mit Docker, VM, LXC, SMB, Terminal und Weboberfläche. Die gemessenen Transferraten von 2,37 Gbit/s und 2,14 Gbit/s zeigen eine gute Netzwerknutzung. Der Lastverbrauch von 37,2 Watt bleibt für eine 4-Bay-NAS mit dieser Plattform überschaubar. Der Test sieht im Preis von 250 Euro für das Barebone ein attraktives Angebot. Einschränkungen Die NAS wird ohne passendes Betriebssystem ausgeliefert, wodurch Zusatzaufwand bei der Inbetriebnahme entsteht. Die SATA-Anbindung läuft über einen ASM1061/ASM1062-Controller und ist im Aufbau nicht besonders modern. Die M.2-Slots sind trotz moderner Plattform nur über PCIe 3.0 ×4 angebunden. Ein Staubfilter für den 120-mm-Lüfter fehlt. Für SnapRAID sind derzeit noch keine automatisch gesetzten Schedules in MOS vorhanden. Fragen und Antworten Mit welchem System wurde die NAS getestet? Mit MOS in der Beta-Version 0.4.9. Wie viele Netzwerkcontroller sind verbaut? Zwei Intel I226-V. Wie hoch war der höchste gemessene Stromverbrauch? 37,2 Watt im Stresstest. Welche CPU steckt in der NAS? Ein AMD Ryzen Embedded R2544 mit Radeon Graphics. Welche Bandbreite erreichte der linke LAN-Port im Test? 2,37 Gbit/s im Vorwärtslauf und 2,14 Gbit/s in Gegenrichtung.Automatisch aus dem Artikelinhalt als redaktionelle, sichtbare Inhaltsübersicht erzeugt.