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Rüstung: „Die Tötungskette verkürzen“ – Was der Krieg der Zukunft für Deutschlands Rüstungspläne bedeutet

Дата публикации: 21-08-2026 02:00:00

Rasante Fortschritte bei KI und Drohnen verändern die Logik des Krieges. Doch Deutschland rüstet noch klassisch auf. Dabei gibt es alle Voraussetzungen für eine Hightech-Armee.

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  • KI und Drohnen verändern den Krieg rasant, Deutschland rüstet aber noch klassisch auf.
  • Entscheidend sind unbemannte Systeme, Deep Strike und Masse, doch Deutschland hinkt hinterher.
  • Die Ukraine zeigt, wie schnell neue Technologien zum Standard werden können.
  • Bis 2035 soll die Bundeswehr technologisch überlegen sein. Reicht die Zeit?
  • Was Politologe Carlo Masala über die Prioritäten für den Krieg der Zukunft sagt, können Sie hier nachlesen.

Berlin, Düsseldorf, München. Der Kampf um Heidedorf wird mit Mitteln von gestern, heute und morgen geführt. Als die beiden Leopard-2-Kampfpanzer sich aus der Deckung des Wäldchens wagen, bekommt einer prompt einen Drohnentreffer. Skyranger-Flugabwehrpanzer und Iris-T-Systeme schützen die Infanterie in ihren Puma-Schützenpanzern vor gegnerischen Luftangriffen. Am Himmel über der fiktiven Ortschaft kreisen Kampfhubschrauber und Falke-Aufklärungsdrohnen. Und ein Schwarm von Kamikaze-Drohnen macht sich auf Richtung Gegner, während ihnen am Boden kleine, unbemannte Roboterfahrzeuge folgen.

Das Einzige, was im Vergleich zu klassischen Kriegsszenarien gleich geblieben ist: Es knallt, es raucht, es brennt.

„Permanente Verfügbarkeit von Aufklärung, die Vernetzung von Sensoren, Waffensystemen und Wirkmitteln, die Massenverfügbarkeit unbemannter Systeme – all das verändert das Rational der Operationsführung“, sagt der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, dem Handelsblatt.

Hubschrauber der Bundeswehr: Am Himmel über der fiktiven Ortschaft kreisen Kampfhubschrauber und Falke-Aufklärungsdrohnen. Foto: dpa

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In seinem „Campaign Plan Heer 2035+“ beschreibt Freuding einen Krieg, den man sich wie unter zwei Käseglocken vorstellen kann. Mit Luftverteidigung, Drohnen und elektronischer Kampfführung wird die Bundeswehr im Ernstfall versuchen, eine Art Schutzschirm über den eigenen Truppen aufzuspannen. Der Gegner versucht das Gleiche. Dort, wo sich die beiden Käseglocken überschneiden, entsteht eine Todeszone, in der bemannte Operationen nur noch unter höchstem Risiko stattfinden können. Ziel muss sein, den gegnerischen Schirm zu durchlöchern und den eigenen aufrechtzuerhalten.

Was das im Alltag bedeutet, zeigt sich in der Ukraine:

  • Aufklärungsdrohnen und mit Künstlicher Intelligenz (KI) vernetzte Sensoren haben das Gefechtsfeld „gläsern“ gemacht. Kein Schritt, kein Rollen eines Fahrzeugs bleibt unbemerkt.
  • Die Reaktionszeiten sind minimal. Musste früher erst die Artillerie eingerichtet werden, wenn eine feindliche Stellung ausgekundschaftet war, kreist heute meist schon die tödliche Kamikaze-Drohne in der Luft.
  • Die unbemannte Revolution hat Einzug gehalten. Drohnen werden zur Massenware, die in Schwärmen die gegnerische Luftverteidigung überfordern und selbst millionenteuren Kampfpanzern gefährlich werden können. Roboterfahrzeuge übernehmen den ersten Feindkontakt oder evakuieren Verwundete, um Menschenleben zu schonen.
  • Die ukrainischen Angriffe tief im russischen Hinterland zeigen, wie wichtig Deep-Strike-Fähigkeiten sind, also die Möglichkeit, den Gegner weit hinter der eigenen Kampflinie zu treffen. Die erforderlichen Langstreckendrohnen und Raketen hat das Land im Eiltempo selbst entwickelt.
  • Die Erfahrungen aus der Ukraine wie auch aus dem Iran zeigen aber auch, wie schnell der Krieg zur Materialschlacht wird: Die besten Marschflugkörper oder Luftverteidigungssysteme nützen nichts, wenn die Depots leer sind und die Industrie nicht schnell genug nachproduzieren kann. Kurze Innovationszyklen beispielsweise bei Drohnen stellen auch die Beschaffung vor neue Herausforderungen.

Drohneneinsatz: „Drohnen allein erobern kein Territorium“, erklärt Carlo Masala. Foto: Jan Woitas/dpa

Auf all diese Szenarien muss sich auch die Bundeswehr vorbereiten. Nicht umsonst trägt der Campaign-Plan für das Heer die Jahreszahl 2035. Denn vieles, was dem Kanzler Ende April in Munster präsentiert wird, haben die deutschen Streitkräfte noch gar nicht oder nur in kleinen Stückzahlen im Bestand.

Das gilt für den Skyranger-Flakpanzer genauso wie für Kamikaze-Drohnen oder unbemannte Bodenroboter. Und während in den USA und bei der Nato die KI des US-Konzerns Palantir die Kriegsführung revolutioniert, hat das Heer in Deutschland schon Schwierigkeiten, nur den Digitalfunk einzuführen - trotz eines 100 Milliarden schweren Sondervermögens aus der Ampelzeit, trotz der Schuldenbremsen-Ausnahme für Rüstungsinvestitionen.

Kritiker wie der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Moritz Schularick, werfen der Bundeswehr vor, weiter vor allem „Altmetall“ zu bestellen, statt sich konsequent auf den Krieg von morgen auszurichten: „Wir rüsten gerade mit dem Blick in den Rückspiegel auf, nicht nach vorn gerichtet“, sagt der Ökonom dem Handelsblatt.

Es müsse zentral um KI, autonome Systeme, Robotik und Weltraumfähigkeiten gehen und viel weniger um Panzer und Fregatten.  Bis zum Jahr 2030 wolle Deutschland 700 Milliarden Euro für die Verteidigung ausgeben, doch die Hightech-Themen stünden dabei bisher nicht im Fokus, kritisiert der IfW-Präsident.

Andere wie der Militärexperte Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr in München sehen das differenzierter: „Drohnen allein erobern kein Territorium“, sagt er dem Handelsblatt. Auch künftig würden weiterhin Panzer gebraucht, weil nur sie Bewegung auf dem Gefechtsfeld ermöglichten. Und so ist aus dem Krieg der Zukunft längst auch ein Glaubenskrieg geworden - in dem fünf Punkte entscheidend sind.

1. Das gläserne Gefechtsfeld: Den Krieg gewinnt, wer den Feind sichtbar und sich unsichtbar macht

Ein Truppenübungsplatz in Storkow in der Mark Brandenburg Mitte Juli. Patrick Schult, Reserveoffizier und Teil des Teams des Berliner Start-ups Project Q, zeigt Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr grüne Sensoren, die ein wenig an Tellerminen erinnern. Im Gelände verteilt, können sie Geräusche und Bewegungen von Menschen oder niedrig fliegenden Drohnen erfassen. Vernetzt werden die Sensoren durch die von Project Q entwickelte Software Hydris, die aus den empfangenen Signalen ein Lagebild erstellt. „Ziel ist, das gläserne Gefechtsfeld zu ermöglichen“, sagt Schult.

Beschuss in der Ukraine: Heute führt die ukrainische Armee über Delta Daten aus Geheimdienstinformationen in Echtzeit zu einem Gefechtsbild zusammen. Foto: Uncredited/Russian Defense Ministry Press S/AP/dpa

Was hier beim „Start-up Demo Day“ des Cyber Innovation Hub der Bundeswehr im märkischen Sand demonstriert wird, kann im Ernstfall Leben retten und den entscheidenden Vorteil im Gefecht liefern. Denn wer den Feind sichtbar macht und sich selbst möglichst im Verborgenen hält, hat Vorteile.

Das hat die Ukraine früh erkannt. Schon bald nach Beginn der russischen Vollinvasion begann die Armee, die von den Streitkräften im Austausch mit Nato‑Experten entwickelte, cloudbasierte Software Delta zu nutzen. Anfangs konnte sie nur eine digitale Karte mit ein paar Radaren und Sensoren verknüpfen, doch wurde sie ständig weiterentwickelt.

Heute führt die ukrainische Armee über Delta Daten aus Geheimdienstinformationen, Drohnenvideos, Verkehr, Klima, Social-Media-Angeboten und Streams in Echtzeit zu einem Gefechtsbild zusammen. Auch hilft die Software bei der Planung von Operationen oder der Steuerung von Drohnen. Jeder Treffer wird in Echtzeit registriert und zur Analyse in die eigenen KI-Systeme eingespeist.

Diese Leistungsfähigkeit hat auch das Interesse der Bundeswehr geweckt. Sie will prüfen, ob sich Teile von Delta in das eigene Battle-Management-System integrieren lassen, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Mai bei einem Besuch in Kiew ankündigte. In einem Abkommen haben Deutschland und die Ukraine zudem vereinbart, Gefechtsfelddaten unter anderem des Delta-Systems auszutauschen.

Die Bundeswehr arbeitet aber auch an einer eigenen Lösung, mit der sich große Räume mithilfe von Sensordaten und Künstlicher Intelligenz überwachen lassen. Ein erster Auftrag für das Projekt Uranos KI ging an zwei Konsortien, die weiter miteinander um die beste Lösung wetteifern: Airbus mit Quantum Systems, B&W International und Lateration auf der einen sowie Helsing mit Alpine Eagle und Arx Robotics auf der anderen Seite.

„Uranos KI kann verschiedenste Sensordaten mithilfe von KI zu einem Lagebild fusionieren“, sagt Generalleutnant Michael Vetter, Abteilungsleiter Innovation und Cyber im Verteidigungsministerium und Chief Information Officer der Bundeswehr, dem Handelsblatt.

Die Entwickler müssen schnell sein: Zwei Kampfbataillone der Brigade Litauen sollen spätestens ab Mitte 2027 jeweils eine erste Version erhalten. „Das ist machbar. Wir sind im Zeitplan“, sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person beim Konsortium rund um Airbus und Quantum Systems. Nach der ersten Phase werde die Bundeswehr entscheiden, welcher Anbieter am Ende das Rennen mache oder ob es eine Kombination gebe.

Das ukrainische Militär: „Wenn Sie das Gehirn und die Hände zu einem Organismus kombinieren, dann haben Sie die Zukunft der Kriegsführung“, erklärt Tsvok. Foto: dpa

In der Ukraine denkt man beim gläsernen Gefechtsfeld längst über das reine Lagebild hinaus. Man sei dabei, einen „digitalen Zwilling“ des Schlachtfelds zu entwickeln, erklärt Danylo Tsvok, der das AI Center for Excellence leitet – eine eigene KI-Abteilung im Verteidigungsministerium in Kiew. Künstliche Intelligenz erlaube heute, ungeheure Mengen von Daten zu sammeln und zu analysieren, um ein gutes Lagebild zu erhalten. Dass es dabei weniger um virtuelle Fähigkeiten als grausame Realitäten auf dem Grund geht, verrät Tsvoks nächster Satz: „Wir müssen nicht nur schneller eine Gefahr erkennen, sondern auch schneller töten.“

Deshalb arbeite man daran, die „Tötungskette“ zu verkürzen. Das passiere, indem man auch die Hardware – also zum Beispiel Drohnen – mit KI ausrüste, sodass Waffensysteme miteinander kommunizieren können. „Wenn Sie das Gehirn und die Hände zu einem Organismus kombinieren, dann haben Sie die Zukunft der Kriegsführung“, erklärt Tsvok.

2. Die Zukunft ist unbemannt: Den Krieg gewinnt, wer das Leben der eigenen Soldaten schont

Erst ein kaum wahrnehmbares Surren, dann ein lauter Knall: Vier Drohnen, blitzschnell formiert zu einem kleinen Schwarm, schlagen kurz hintereinander auf das Heck des Gummipanzers. Dort, wo bei einem echten Panzer der Motor sitzt, steigt nun eine Rauchwolke in den Himmel. Und damit wäre das Gefecht für dieses Kriegsgerät und seine Besatzung im Ernstfall wohl zu Ende.

Vorführungen wie diese zeigt die Bundeswehr gern in ihrem neuen Innovationszentrum im bayerischen Erding. Seit Februar hat die Truppe hier, dreißig Kilometer vor den Toren Münchens, endlich den großen „Sandkasten“, in dem sie Drohnen, Roboter und Künstliche Intelligenz unter realen Bedingungen testen kann. Es gibt einen realitätsnahen Indoor-Parcours mit Häuserruinen, Autowracks und Schützengräben mit Stacheldraht. Bundeswehrangehörige in Tarnfleck arbeiten hier mit Mitarbeitern von Start-ups Hand in Hand.

Man testet, was man bekommt: amerikanische Roboterhunde, ukrainische Drohnen, aber vor allem die Eigenentwicklungen junger deutscher Unternehmen. Verteidigungsminister Pistorius ist beeindruckt von dem, was er sieht, als er das Innovationszentrum im Februar besucht: „Das ist die Realität des 21. Jahrhunderts“, sagt der SPD-Politiker.

Wie diese Realität nicht nur im Labor aussieht, weiß Oleksandr sehr gut. Auf einem Truppenübungsplatz bei Kiew hat der Ukrainer eine acht Meter hohe Antenne aufgebaut. Er selbst sitzt in einem Kommandostand und lässt seine Kamikazedrohne Runden über dem Feld ziehen, während er den Besuchern die Qualität der Kamerabilder auf seinem Bildschirm demonstriert.

Ukraine-Krieg: Ein Soldat des ukrainischen 3. Armee-Korps bereitet eine „Sting“-Drohne für den Fronteinsatz vor. Foto: REUTERS

Die „Sting“-Drohne der ukrainischen Firma Wild Hornets ist die erfolgreichste Abfangdrohne der Ukraine. In Gruppen eingesetzt, können die 280 Stundenkilometer schnellen Geschosse ganze Shahed-Schwärme vom Himmel holen, die Russland jede Nacht Richtung Ukraine schickt. Dabei wird auch die Drohne selbst zerstört.

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Aktuell zähle man jeden Monat 2500 Treffer, sagt ein Sprecher von Wild Hornets. Die Drohnenschwärme seien ein wesentliches Element der ukrainischen Flugabwehr. Vor einem Jahr noch habe man Soldaten mit Pick-up-Trucks und Maschinengewehren auf den Brücken postiert, um Angreifer abzuwehren, sagt der Sprecher. Jetzt erledige man das mit Abfangdrohnen im Luftkampf.

Das Beispiel zeigt, wie sehr unbemannte Systeme heute das Kriegsgeschehen bestimmen. Angriffsdrohnen wie die FP1 von Firepoint können bis zu 2600 Kilometer weit ins russische Hinterland fliegen und dort Ölanlagen oder Logistikzentren zerstören. Doch auch Russland schläft nicht. Seine neuesten Kamikaze-Drohnen des Typs V2U, die nach Erkenntnissen des Sicherheitsforschers Heiko Borchert mit chinesischen Komponenten bestückt sind, zeigten im Kampfeinsatz emergentes Schwarmverhalten: Sieben Drohnen wichen gemeinsam einer Bedrohung aus, bildeten autonom eine Kreisformation und griffen koordiniert an.

Und nicht nur in der Luft sind Drohnen eine tödliche Gefahr. Im Schwarzen Meer setzt die Ukraine Hunderte Maguro-Seedrohnen der heimischen Firma U-Force ein. Pro Angriff werden fünf bis zehn der unbemannten Boote mit unterschiedlicher Bewaffnung auf den Weg geschickt. Manche haben bis zu 650 Kilo Sprengstoff an Bord, andere sind mit Flugabwehrraketen vom Typ AIM-9 Sidewinder oder Maschinengewehren ausgestattet, um russische Hubschrauber und Flugzeuge fernzuhalten. Die Drohnen können eigenständig bis zu 1500 Kilometer zurücklegen, das reicht für die Strecke vom ukrainischen Hafen Odessa bis zum russischen Hafen Novorossiysk.

Der Erstkontakt mit dem Feind muss künftig in der Regel unbemannt sein. Generalleutnant Christian FreudingInspekteur des Heeres

Und am Boden unterstützen Roboterfahrzeuge namens Gereon, Termit, Ironclad, Ratel oder Muraha die ukrainischen Truppen. Sie liefern Munition oder Proviant an die Frontlinie, spähen feindliche Stellungen aus, bergen Verwundete oder sind bewaffnet und nehmen selbst Gefangene. Es gibt Berichte aus der Ukraine, dass sich russische Soldaten Drohnen in der Luft und am Boden ergeben haben, ohne dass ukrainische Soldaten involviert waren.

Auch die Bundeswehr hat zumindest auf dem Papier die Notwendigkeit erkannt, mit unbemannten Systemen aufzurüsten: „Der Erstkontakt mit dem Feind muss künftig in der Regel unbemannt sein“, heißt es in Freudings Campaign-Plan. Drohnen am Boden und in der Luft seien deshalb „in großer Zahl, zur Aufklärung, Wirkung und Unterstützung erforderlich“.

Tatsächlich gibt es hierzulande zahlreiche Entwickler und Hersteller von Drohnen für Einsätze zu Lande, zu Wasser und in der Luft, deren Produkte teils auch in der Ukraine im Einsatz sind. Dazu gehören beispielsweise Arx Robotics, Quantum Systems, Helsing, Stark Defence oder Tytan Technologies. Doch bei der Bundeswehr kommt die unbemannte Revolution erst langsam an.

So schafft die Truppe in diesem Jahr zunächst in kleineren Stückzahlen Loitering-Munition an. Diese Kamikaze-Drohnen können in der Luft kreisen, bis sie sich auf ein Ziel stürzen. Die beauftragten Hersteller Helsing, Stark Defence und Quantum Systems sollen erst dann größere Aufträge erhalten, wenn sich ihre Produkte auch im Praxistest beweisen. Mit dem Auftrag im Rücken stieg Helsing in diesem Jahr zum wertvollsten Verteidigungs-Start-up Europas mit einer Bewertung von rund 18 Milliarden Dollar auf.

Deutsche Marineschiffe: „Der Aufbau einer hybriden Flotte startet genau jetzt“, sagte Marine-Inspekteur Jan Christian Kaack. Foto: Lars Penning/dpa

Bei Landrobotern und Seedrohnen befinden sich die deutschen Streitkräfte dagegen noch weitgehend in der Experimentierphase. „Der Aufbau einer hybriden Flotte startet genau jetzt“, sagte Marine-Inspekteur Jan Christian Kaack im Februar, als der Bundeswehr in Eckernförde das erste unbemannte Unterwasserfahrzeug Blue Whale übergeben wurde, ein Gemeinschaftsprojekt des israelischen Rüstungskonzerns IAI und des deutschen Marineschiffbauers TKMS.

3. Die KI-Revolution: Den Krieg gewinnt, wer die besseren Algorithmen und Daten hat

Die Untersuchung des Vorfalls läuft seit Monaten. Laut ersten Erkenntnissen des Pentagons lagen dem System veraltete Satellitendaten zugrunde, sodass die KI die Grundschule fälschlich als Ziel klassifizierte. Aber der tödliche Fehler weist auf die Kernfrage der KI-Kriegsführung hin, die schon lange keine hypothetische mehr ist: Wer trägt die Verantwortung, wenn die Maschine falschliegt?

Wegzudenken ist die Künstliche Intelligenz aus der Kriegsführung längst nicht mehr. Laut dem Center for Security and Emerging Technology (CSET) erledigte die US Army mit 20 MSS-Nutzern Targeting-Arbeit, für die während der Operation Iraqi Freedom im Jahr 2003 noch 2000 Analysten nötig waren. Seit 2025 nutzt deshalb auch die Nato das Palantir-System für die Gefechtsfeldüberwachung und Zielerfassung unter dem Namen MSS Nato.

Die rivalisierenden Großmächte USA und China liefern sich bereits einen Wettstreit. Das Pentagon hat im Januar 2026 eine KI-Beschleunigungsstrategie veröffentlicht, die eine „AI-first Warfighting Force“ fordert. Sie verlangt, dass alle unter Vertrag stehenden KI-Sprachmodelle innerhalb von 30 Tagen nach ihrem Launch für „alle rechtmäßigen Zwecke“ einsatzbereit sein müssen. Dieser Grundsatz klingt neutral, ist aber de facto eine Blankovollmacht.

Anthropic, Hersteller des in Maven integrierten Sprachmodells Claude, weigerte sich, eigene Sicherheitsbeschränkungen für den Einsatz autonomer Waffensysteme oder für den Einsatz im Inland zu lockern. Das Pentagon stufte Anthropic daraufhin in einem beispiellosen Schritt als „Lieferkettenrisiko“ ein, um den Konzern wirtschaftlich unter Druck zu setzen. Anthropic klagte. Am Ende verpflichtete das Pentagon so gut wie die gesamte KI-Konkurrenz Anthropics in den USA für militärische Zwecke.

Chinesisches Rechenzentrum: Was China in der globalen KI-Aufrüstung bereits beschafft, erprobt und zu einer Doktrin geformt hat, ist umso erhellender. Foto: Marijan Murat/dpa

Was China in der globalen KI-Aufrüstung bereits beschafft, erprobt und zu einer Doktrin geformt hat, ist umso erhellender. Denn während Washington mit großen Tech-Unternehmen um die ethischen Grenzen seiner militärischen KI-Systeme streitet, zeigt ein Forschungspapier: Peking stellt diese Frage erst gar nicht.

Das CSET der Georgetown University in Washington hat mehr als 9000 öffentliche Ausschreibungen der Volksbefreiungsarmee (PLA) aus den Jahren 2023 und 2024 ausgewertet. Das Ergebnis: Die PLA baut sich ihre KI‑Kriegsführung mit extrem kurzen Innovationszyklen selbst, statt auf fertige Produkte zu setzen.

Mit kurzen Erprobungsverträgen von drei bis sechs Monaten mobilisiert sie kommerzielle Anbieter außerhalb des etablierten Rüstungssektors für militärische KI. Da findet sich zum Beispiel eine „intelligent deepfake library“ in mindestens zehn Sprachen für die Manipulation der öffentlichen Meinung oder eine KI-gestützte Sonaranalyse zur Unterwasserdetektion, ausdrücklich mit dem Ziel, die US-Unterwasserüberlegenheit durch Atom-U-Boote zu neutralisieren. Dazu kommen Zielerfassungssysteme in Luft, See, Weltraum und an Land.

Konjunktur Erzeugerpreise mit stärkstem Anstieg seit drei Jahren

Geopolitische Spannungen und niedrige Pegelstände an deutschen Flüssen haben die Erzeugerpreise stark ansteigen lassen. Bei Nahrungsmitteln sieht es für die Verbraucher indes besser aus.

Deutschland sucht im KI-Rennen erst noch den Anschluss. Seit April hat die Bundeswehr endlich auch ein lang erwartetes Regelwerk zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Es legt unter anderem fest, dass der Einsatz „kontextangemessen” erfolgen soll. Bei einem Luft- oder Seegefecht fernab ziviler Einrichtungen kann die KI autonomer handeln als beispielsweise beim Häuserkampf in der Großstadt. Der Politologe Frank Sauer von der Universität der Bundeswehr München lobt das Konzept als zeitgemäß und dem Forschungsstand entsprechend.

Dennoch gibt es offene Rechtsfragen bei der Beschaffung. Denn laut der Genfer Konvention muss jedes neue Waffensystem auf Konformität mit dem internationalen Völkerrecht überprüft werden, bevor es beschafft wird. Doch KI-Systeme sind keine statischen Produkte. Sie verändern sich maßgeblich durch Updates oder nachgelagertes Training. Und in vielen Fällen ist die Datenbasis, auf deren Grundlage Entscheidungen durch Computer getroffen werden, nicht einsehbar und für den Operateur intransparent.

International blockieren Russland, China und zuletzt auch die USA rechtsverbindliche Abkommen zu letalen autonomen Waffensystemen – während alle drei massiv entwickeln und beschaffen. Hinzu kommt: Die EU-KI-Verordnung gilt für militärische Systeme ausdrücklich nicht. Die Nato Responsible AI Principles sind bislang unverbindlich. Die Bundeswehr reguliert sich also selbst. Festgelegt hat sie sich aber, dass die Palantir-Software für sie nicht infrage kommt, wobei sie natürlich trotzdem mit der Nato bei der MSS-Nutzung kooperiert. Für die Bundeswehr selbst sollen aber eigene KI-Systeme entwickelt werden.

4. Deep Strike: Den Krieg gewinnt nur, wer den Gegner auch tief in seinem Hinterland treffen kann

Als Pistorius im Mai Kiew besucht, versucht er, eine große Lücke kleinzureden. Auch Langstreckendrohnen könnten durchaus Ziele weit im gegnerischen Hinterland empfindlich treffen, sagt er im Heute-Journal, wo er aus der ukrainischen Hauptstadt zugeschaltet wird. Und: „Masse kann Qualität ersetzen.“

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius: Der Minister warb für den Plan, gemeinsam mit der Ukraine Langstreckendrohnen und andere Abstandswaffen zu entwickeln. Foto: Bernd Thissen/dpa

Eines dürfte Pistorius damals schon geahnt, wenn nicht gewusst haben: Dass aus der noch von Donald Trumps Vorgänger Joe Biden zugesagten Stationierung von amerikanischen Tomahawk-Marschflugkörpern in Deutschland endgültig nichts mehr werden würde. Deshalb warb der Minister für den Plan, gemeinsam mit der Ukraine Langstreckendrohnen und andere Abstandswaffen zu entwickeln.

Die Episode zeigt jedenfalls das verzweifelte Bemühen, auch Deutschland und den übrigen europäischen Nato-Staaten sogenannte Deep-Precision-Strike-Fähigkeiten zu beschaffen. Also die Fähigkeit, auch Ziele weit im gegnerischen Hinterland erreichen und so Raketenabschussrampen, Munitionsdepots oder Nachschubwege treffen zu können.

Denn nach der langsamen Erosion der Verträge über die Begrenzung von Mittelstreckenwaffen in Europa rüstet Russland auf diesem Gebiet massiv auf – etwa mit den Hyperschallraketen Oreschnik und Kinschal oder auch atomar bestückbaren Iskander-Raketen, die auch in der russischen Exklave Kaliningrad stationiert sind.

2600KilometerReichweite der FP1-Langstreckendrohne des Herstellers Firepoint

Und Deutschland und seine Alliierten haben dem bisher wenig entgegenzusetzen. „Europas Fähigkeiten zu Tiefenangriffen scheinen begrenzt zu sein und beruhen größtenteils auf leistungsstarken Luft-Boden-Systemen, die jedoch nur in begrenzter Stückzahl beschafft wurden“, heißt es in einer Studie des French Institute for International Relations (Ifri). In Deutschland gilt das für den Marschflugkörper Taurus, der von Kampfjets abgeworfen wird und mit rund 500 Kilometern eine begrenzte Reichweite hat.

Auch die Ukraine hatte zu Beginn des russischen Angriffskriegs auf diesem Gebiet eine Lücke und sich deshalb – vergeblich – um eine Lieferung des deutschen Taurus bemüht. Inzwischen ist sie aber auf gutem Weg, sie mit Eigenentwicklungen zu schließen. Die FP1-Langstreckendrohne des Herstellers Firepoint soll nach Unternehmensangaben bis zu 2600 Kilometer weit fliegen und 60 Kilo Nutzlast tragen können.

Der Marschflugkörper FP-5 Flamingo soll sogar bis zu 3000 Kilometer Reichweite haben, und Firepoint arbeitet auch an ballistischen Raketen. Die vom Staatskonzern Ukroboronprom gebaute AN-196 Liutyi mit 1000 Kilometer Reichweite soll bereits mehr als 6000-mal ausgeliefert worden sein.

Ein Eurofighter der Bundeswehr übt mit zwei Taurus-Marschflugkörpern: Deutschland möchte den Taurus weiterentwickeln. Foto: MBDA

Deutschland sucht den Anschluss – durch eine Weiterentwicklung des Taurus sowie durch Entwicklungspartnerschaften mit der Ukraine und anderen Ländern. Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Schweden und Großbritannien arbeiten im Projekt European Long-Range Strike Approach (ELSA) zusammen. Auch Deutschland und Großbritannien haben sich die gemeinsame Entwicklung von Abstandswaffen auf die Fahnen geschrieben.

Außerdem gibt es inzwischen eine Ausschreibung für den Kauf von größeren Kampfdrohnen mit einer geforderten Reichweite von mindestens 1000 Kilometern und einer Waffenlast von 500 Kilogramm. Helsing bemüht sich mit der Entwicklung der CA1 genannten Drohne genauso um den Auftrag wie die Branchengrößen Airbus und Rheinmetall.

5. Mass matters – Den Krieg gewinnt nur, wer die Produktion rechtzeitig hochskalieren kann

Wie sich der Prozess der Rüstungsbeschaffung gewandelt hat, bringt ein Vertreter des ukrainischen Unternehmens U-Force eindrucksvoll auf den Punkt: „Früher wurden Waffensysteme 15 Jahre lang entwickelt und dann die folgenden 30 Jahre verkauft“, sagt er. „Heute werden unsere Waffen fünfmal pro Jahr aktualisiert.“ Deshalb bringe es auch nichts, Drohnen auf Vorrat zu produzieren und zu lagern.

Und dennoch müssen Drohnen – und auch andere Rüstungsgüter – in Massen verfügbar sein, wenn es darauf ankommt. Auch hier gibt die Ukraine das Tempo vor. Im Jahr 2024 stellte das Land eine Million Drohnen her. 2025 waren es schon vier Millionen. Und für dieses Jahr gab Präsident Wolodymyr Selenskyj zehn Millionen Stück als Ziel aus.

Auf dem Gefechtsfeld zählt im Zweifel: „Mass matters“. Das müssen aktuell nicht nur die USA erleben, die ihre Vorräte an Marschflugkörpern und Luftverteidigungsraketen im Iran weitgehend verschossen haben und deren Handlungsspielraum deshalb nun begrenzt ist.

Das, was uns die Autoindustrie liefern kann, reicht in aller Regel einfach nicht. Rüstungsmanager

Die schwerfällige deutsche Rüstungsindustrie, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Massenproduktion verlernt hat, ist auf die neuen Zeiten noch nicht eingestellt – auch wenn es erste Ansätze gibt, um einzelne Fertigungsschritte zu beschleunigen. So hat sich etwa der Panzerbauer KNDS Deutschland mit dem Autozulieferer Dräxlmaier verbündet. Der Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern versucht, Arbeitsschritte bei der Herstellung von Artilleriemunition zu automatisieren und lässt im neuen Werk am Standort Unterlüß auch Roboter mitarbeiten.

Doch sowohl bei KNDS als auch bei Rheinmetall ist bei der Mehrzahl der Arbeitsschritte nach wie vor auch viel Handarbeit nötig. Und Versuche, andere Industrien wie die Autobranche einzubinden, sind nicht immer von Erfolg gekrönt: „Das, was uns die Autoindustrie liefern kann, reicht in aller Regel einfach nicht“, sagt ein Rüstungsmanager, der die Kooperation ausprobiert hat und lieber ungenannt bleiben möchte. Die Autoindustrie könne zwar schnell in höherer Stückzahl fertigen, aber die gelieferten Komponenten erfüllten mit Blick auf Stabilität, Witterungsbeständigkeit und Langlebigkeit die Anforderungen der Rüstungsindustrie nicht.

Drohnen im Ukraine-Krieg: „Der Ukraine-Krieg entwickelt sich zum ‚Fabrikkrieg‘, bei dem industrielle Kapazitäten und Masse entscheidend sind.“ Foto: Dan Bashakov/AP/dpa

Gerade bei „Wegwerfprodukten“ wie den Kamikaze-Drohnen kommt es aber darauf an, die Produktion bei Bedarf schnell hochskalieren zu können. „Der Ukraine-Krieg entwickelt sich zum ‚Fabrikkrieg‘, bei dem industrielle Kapazitäten und Masse entscheidend sind“, heißt es in einem Gastbeitrag der Unterabteilung G7 beim Kommando Heer im Branchenportal Defence-Network. Die Abteilung kümmert sich um die Weiterentwicklung, Transformation und Konzeption des deutschen Heeres.

„Weiterhin müssen mehr unbemannte Systeme in höheren Stückzahlen beschafft werden“, sagt auch der Vertriebschef von Quantum Systems, Martin Karkour. „Es braucht schnell eine höhere Umlaufreserve im Depot und umfangreiche Vorhalteverträge.“ Vorhalteverträge bedeuten, dass Unternehmen dafür bezahlt werden, ihre Produkte technologisch auf dem neuesten Stand zu halten und sie dann im Ernstfall auch in großen Stückzahlen fertigen zu können.

„Wir müssen aufhören, in Bestellungen zu denken, und stattdessen in Produktionskapazitäten investieren“, sagt IfW-Präsident Schularick. Allerdings gebe es privatwirtschaftlich keinen Anreiz, in Kapazitäten zu investieren, die im Frieden brachliegen und nur im Konfliktfall abgerufen würden. Da müsse der Staat finanzielle Anreize setzen, betont der Ökonom.

Nahost Nur Drohungen statt Durchbrüchen: Trump steht in Gaza und Iran vor Scherbenhaufen

Deutsche Rüstungsunternehmen kaufen aktuell durchaus wieder Vorräte ein und sind zur Lagerhaltung zurückgekehrt, um wieder in höheren Stückzahlen produzieren zu können. Allerdings macht sich dieses tote Kapital dann schnell in den Bilanzen bemerkbar. So hat etwa Rheinmetall im ersten Halbjahr einen deutlich negativen Cashflow von mehr als einer Milliarde Euro. Ein Grund sei der Aufbau von Vorräten, heißt es aus dem Konzern.

Bei Jungunternehmen besteht das Problem, dass sie zwar oft sehr innovative Lösungen haben, aber nicht das Geld, um einen Prototyp zu bauen oder gar bis zur Serienreife zu entwickeln. „Durch den Einsatz von hochinnovativer Massentechnologie hat sich die Kostenbalance stark zu Ungunsten der traditionellen Kriegsgerätschaften verschoben“, sagt der Direktor der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND, Rafael Laguna, dem Handelsblatt.

„Gleichzeitig sehen wir den blitzschnellen Einzug neuester Technologieentwicklungen aus dem Labor in den Einsatz.“ Dieser dramatischen Veränderung müsse man mit neuen Instrumenten begegnen. Laguna macht sich deshalb dafür stark, SPRIND-Förderinstrumente auch stärker für den Verteidigungsbereich einzusetzen.

Start-ups wie Helsing, Quantum Systems und Stark Defense sind über diese Frühphase längst hinaus. Allein im Frühsommer haben die drei Unternehmen mehr als drei Milliarden Dollar bei Risikokapitalgebern eingesammelt. Ein Großteil des Geldes wandert in die Entwicklung neuer Produkte und die Skalierung der Produktion. „Wir expandieren stark global“, sagt Vertriebschef Karkour von Quantum Systems.

Helsing-Werk: Teile der Jagdbomberdrohne während des Produktionsprozesses. Foto: Helsing

Ähnlich wie bei Helsing und Stark kommen fast monatlich neue Produktionsflächen und Hallen dazu, gern von Autozulieferern oder anderen Unternehmen, die aufgrund fehlender Aufträge Freiflächen haben. Im Augenblick gibt es durch den Ukraine-Krieg einen großen Absatzmarkt. Doch die Produktionsausweitung muss sich auch noch rechnen, wenn mit dem Krieg eines Tages auch die Massenfertigung endet – und die Unternehmen sich nur noch für einen Ernstfall bereithalten sollen, der hoffentlich nie eintritt.

Fazit: Den Krieg der Zukunft gewinnt nur, wer sich rasch anpassen kann

Die Zukunft des Krieges werde nicht haargenau so aussehen wie die aktuellen Gefechtsfelder in der Ukraine, sagt Politikwissenschaftler Sauer. „Aber nichts, was wir da beobachten, wird völlig verschwinden.“ Man werde auch künftig eine Gleichzeitigkeit von Alt und Neu beobachten und es sei wie beim Stein-Papier-Schere-Spiel: Jede neue technologische Entwicklung erfordere eine schnelle Antwort.

Verwandte Themen BundeswehrUkraineDeutschlandAnthropicNATOPalantir

Und da vieles gleichzeitig passieren muss, bedeutet der Krieg der Zukunft auch: einen ständigen Kampf um Ressourcen. Dass man zwischen den Bedürfnissen von klassischer und künftiger Kriegsführung schnell ins „friendly fire“ geraten kann, erlebte zuletzt der ukrainische Verteidigungsminister Michail Fedorow. Der setzte voll auf Drohnen und Hightech und geriet darüber mit traditionellen Militärs so in Streit, dass Präsident Selenskij ihn schließlich entließ.

Bei der Bundeswehr steht diese Debatte noch relativ am Anfang. Obwohl Experten warnen, dass ein russisches Testen der Nato-Verteidigungsbereitschaft eher früher als später erfolgen könnte und Russland dazu spätestens im Jahr 2029 fähig sein dürfte, lässt sich das deutsche Militär noch ein wenig Zeit auf dem Weg in die Zukunft. Bis 2029 wird weiter vor allem traditionell mit Panzern und Flugzeugen aufgerüstet, um überhaupt Einsatzbereitschaft herzustellen. Auch digitales Funken ist dann vielleicht endlich möglich.

Erst für die Jahre ab 2035 lautet das Ziel der im April vorgestellten Militärstrategie, auch technologisch überlegene Streitkräfte aufzustellen. „Wir werden anders kämpfen und führen, uns anders organisieren und strukturieren und natürlich auch unsere Ausstattung anpassen“, sagt Heeres-Inspekteur Freuding. „Nur dann werden wir auch gewinnen können.“

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