Der Iran-Krieg bringt zwei der wichtigsten Partner Moskaus gegeneinander auf. Neue Daten zeigen, wie sich China jetzt auf Kosten Indiens bei Russlands Öl bedient.
China und Indien gehören aufgrund der westlichen Sanktionen zu den wichtigsten Abnehmern russischen Öls. Doch nun kommen sich die beiden asiatischen Großmächte auf dem Ölmarkt zunehmend in die Quere. Neue Daten des Analysehauses Kpler zeigen: China greift verstärkt auf Rohöl aus Russlands westlichen Häfen zurück – und damit genau auf jene Lieferungen, von denen Indien besonders abhängig ist.
Die Folgen sind bereits sichtbar. Indiens gesamte Importe von russischem Rohöl dürften im August nach der aktuellen Entwicklung auf rund 1,87 Millionen Barrel pro Tag sinken. Im Juli waren es noch rekordhohe 2,79 Millionen Barrel, im Juni 2,73 Millionen. Das berichtet Reuters unter Berufung auf Kpler.
Nur aus den Häfen im europäischen Teil Russlands bezog Indien im Juli noch rund 2,59 Millionen Barrel täglich. Für August erwartet Kpler nur noch 1,82 Millionen. Das entspricht einem Rückgang von knapp 30 Prozent.
China kauft mehr Öl aus westlichen Häfen RusslandsChina bezieht russisches Öl auf dem Seeweg traditionell überwiegend aus den östlichen Häfen Russlands. Von dort kommt unter anderem die Ölsorte ESPO. Im Juli stammten noch rund 90 Prozent der chinesischen Russland-Importe auf dem Seeweg aus asiatischen Häfen, im Juni waren es 78 Prozent.
Im August hat sich das Bild jedoch verändert. Der Anteil des Öls aus westlichen Häfen Russlands stieg bereits laut Kpler auf 31 Prozent. Gemeint sind Primorsk und Ust-Luga an der Ostsee sowie Noworossijsk am Schwarzen Meer. Von diesen Häfen wird vor allem die Sorte Urals verschifft.
Insgesamt erwartet Kpler für August rund 1,25 Millionen Barrel russisches Rohöl pro Tag, die China auf dem Seeweg erreichen. Das sind zwar etwas weniger als die 1,42 Millionen Barrel im Juli. Juli und August sind laut Reuters dennoch die stärksten Monate seit April. Hinzu kommen knapp eine Million Barrel russisches Pipelineöl, die China überwiegend über die Pipeline Kraft Sibiriens täglich bezieht.
Iran-Krieg verändert den russischen ÖlhandelHinter der Verschiebung steckt auch der Iran-Krieg. China gehörte in den vergangenen Jahren zu den größten Käufern iranischen Öls. Doch diese Lieferungen sind inzwischen eingebrochen.
Im März hatte China laut Kpler noch rund 1,14 Millionen Barrel iranisches Rohöl pro Tag importiert. Für August werden nur noch etwa 340.000 Barrel erwartet – weniger als ein Drittel. Bereits im Juni und Juli lagen die Mengen auf ähnlich niedrigem Niveau.
China muss einen Teil des fehlenden Öls deshalb anderswo beschaffen. Russland bietet sich dafür an: Beide Länder haben ihren Energiehandel in den vergangenen Jahren stark ausgebaut und ignorieren dabei westliche Sanktionen weitgehend.
Indiens Ölimporte wieder so niedrig wie zu Beginn des Iran-KriegesDas schlägt inzwischen auf Indiens gesamte Rohölversorgung durch. Kpler schätzt die indischen Ölimporte für August derzeit auf rund 4,17 Millionen Barrel täglich. Im Juli waren es noch 5,06 Millionen. Damit wären Indiens Rohölimporte so niedrig wie in keinem Monat seit Beginn des Iran-Kriegs im Februar.
Noch im Juni und Juli hatte Indien so viel russisches Rohöl gekauft wie nie zuvor. Vor dem Iran-Krieg waren es im Durchschnitt der drei Monate zuvor lediglich rund 1,21 Millionen Barrel täglich gewesen. Allerdings ist der August noch nicht vorbei. Reuters weist darauf hin, dass die Kpler-Zahlen noch nach oben korrigiert werden dürften, wenn weitere Tankerladungen erfasst werden.
Weniger russisches Öl für Indien könnte Diesel und Benzin verknappenIm August dürften die indischen Exporte leichter und mittlerer Destillate laut Kpler noch bei rund 1,29 Millionen Barrel täglich liegen – genauso hoch wie im Juli und damit auf dem höchsten Niveau seit September vergangenen Jahres.
Die geringeren Rohölmengen könnten sich allerdings erst mit Verzögerung bemerkbar machen. Wenn indische Raffinerien weniger Rohstoff bekommen und deshalb ihre Verarbeitung reduzieren müssen, könnten ab September auch die Exporte von Diesel und Benzin sinken.
Bei Exporten in die EU muss Indien allerdings bereits seit einem Jahr die Herkunft der Rohstoffe nachweisen und russisches Öl dabei ausschließen. Wie und ob Indien das gelingt, bleibt unklar.
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