Вход на сайт

Просмотр новости

Найдите то, что Вас интересует

KI | Die Liebe ist ein seltsames Spiel

Дата публикации: 20-08-2026 11:12:00

Die heutigen Zustände auf Dating-Apps hätten sich die Kulturpessimisten der 2010er Jahre nicht ausdenken können. Und jetzt: Auftritt »KI«!

Основное содержимое страницы с новостью.

Online-Dating in Zeiten von »KI«: ein digitales Spiegelkabinett

Online-Dating in Zeiten von »KI«: ein digitales Spiegelkabinett

Foto: unsplash/Marek Studzinski

Etwa 56 Prozent der Frauen unter 50 Jahren, die jemals eine Dating-Website oder -App genutzt haben, wurden unaufgefordert mit sexuell expliziten Inhalten konfrontiert. Etwa vier von zehn wurden kontaktiert, nachdem sie erklärt hatten, kein Interesse zu haben (…) oder mit einer beleidigenden Bezeichnung beschimpft. (…) Etwa 11 Prozent dieser Gruppe wurden auf einer Dating-Website oder -App mit körperlicher Gewalt bedroht.» Diese düsteren Ergebnisse ermittelte 2022 eine Studie des unabhängigen «Pew Research Center» über die Zustände im Online-Dating. Der Status Quo, den sie beschreibt, überraschte damals ebenso wenig wie heute. Bemerkenswert aus heutiger Perspektive, nur vier Jahre später: Der Begriff «Künstliche Intelligenz» taucht in jener Studie kein einziges Mal auf.

Jetzt ist es 2026, «KI» ist überall – und in Zeiten der nahezu abgeschlossenen Kommodifizierung des Privaten natürlich auch auf Online-Dating-Plattformen. Bevor wir uns etwas genauer anschauen, welche Blüten das treibt, kurz zur Terminologie: Künstliche Intelligenz fungiert als Oberbegriff zur Beschreibung vieler verschiedener Rechenleistungen. (Tatsächlich ist «Intelligenz» zur Beschreibung dessen, was diese Technik leistet, ein irreführendes Konzept, das nicht zufällig auf dem Mist der Tech-Bros gewachsen ist. Aber das hier nur am Rande.) Die Funktion von «KI», die derzeit am meisten Aufmerksamkeit bekommt, ist das «Large Language Model» (LLM): Ein generatives Sprachmodell, das Daten auf Anfrage sprachlich formulierte Texte erzeugt und so den Eindruck erweckt, es führe ein Gespräch.

Der Einsatz von «KI» in ihrer gewissermaßen einfacheren Funktion beginnt auf den Dating-Apps bereits beim Akt des Swipens. Wer möchte, kann einen Bot mit der Auswahl und dem Liken von Profilen beauftragen und so die Zahl der Matches maximieren. Der Einsatz eines LLM hebt diese Automatisierung auf die nächste Ebene: Nun wird auch der Akt der Kommunikation selbst automatisiert, anders gesagt, die kommunikative Arbeit des Kennenlernens. Das generative Sprachmodell formuliert Nachrichten, reagiert auf Gesprächspartner*innen und errechnet sogar eine Einschätzung, ob wirklich romantisches Interesse bestehe. Aus der Automatisierung der Auswahl wird die Automatisierung der Interaktion. Flirten wird zum Spiegelkabinett.

In ihrer widerspruchslosen Verfügbarkeit ohne jegliche eigenen Bedürfnisse reproduziert «KI» die patriarchale Objektivierung des Gegenübers.

Und noch eine Entwicklung, allerdings im Bereich des tatsächlich Menschlichen, verwirrt die Dinge. Zwar ist immer noch eine Mehrheit der Nutzer*innen von Bumble, Hinge etc. wirklich auf der Suche nach einer Begegnung im realen Leben. Aber eine (rasch größer werdende) Minderheit hat sehr viel, sagen wir mal, diversere Zwecke. Diesen Nicht-Datern auf den Dating-Plattformen geht es um alles vom vermeintlich harmlosen «Ego-Boost» über den Wunsch nach reinem Sexting bis hin zu diversen Levels des sogenannten Catfishing, also der Vortäuschung einer Identität zu Zwecken der Verführung und/oder Abzocke. Dabei zeigen Studien Geschlechterunterschiede: Während Frauen Dating-Plattformen unter anderem häufiger zur Selbstwertbestätigung nutzen, geben Männer häufiger sexuelle Kontakte als Motiv an. Auch beim «Catfishing» treten mehrheitlich Männer als Täter auf, während Frauen deutlich häufiger die Betroffenen sind.

Am ganz rechten Ende dieses Spektrums stehen die sogenannten Pick-Up-Artists, eine hart misogyne «Bewegung», die ein Kernstück der Mannosphäre bildet und im wirklichen Leben von brutalen Mackern wie Andrew Tate verkörpert wird. Um die Bedürfnisse dieser Nutzer hat sich eine ganze Industrie entwickelt. Hier werden Dienstleistungen wie die Erstellung von Fake-Profilen vermittelt, die Frauen vermeintlich besonders ansprechen oder manipulative Chat-Scripts zum Download angeboten. Die «Dating Tipps» der selbsternannten «Anmach-Künstler» sind letztlich so dumm wie das misogyne Phantasma, das sie antreibt. Eine Prämisse etwa ist die Annahme, Frauen stünden darauf, beim Flirten als allererstes beleidigt zu werden und dann wie auf Knopfdruck dazu übergehen, besonders gefällig zu sein. Dieser Gedankenwelt, ohnehin geprägt von einer mechanisch-objektivierenden Vorstellung menschlicher Interaktion im Allgemeinen und des weiblichen Gegenübers im Besonderen, liegt eine Gamifizierung der Dating-Interaktion besonders nahe: Wie bei einem Computerspiel geht es nur noch um das schlichte Sammeln von Matches, die Manipulation und schließlich den Sieg über eine «Gegenseite». Der Einsatz von «KI» macht solches Verhalten unendlich einfacher.

Als Marxistin möchte ich hier einwenden: Ist «KI» denn nicht nur eine Technik, ihrem Wesen nach neutral, allein durch die Intention ihrer menschlichen Nutzer*innen bestimmt? Und tatsächlich zeigen sich LLM etwa im defensiven Umgang mit Tätern durchaus als zweckbestimmt, also in ihrem Potenzial für eine feministische Verwendung. Ich kann ChatGPT einsetzen, um misogyne Techniken und Scripts zu identifizieren und mich dadurch vor den körperlosen Chat-Tätern zu schützen. Aber auf jeden Fall existiert hier eine fatale Strukturanalogie: In ihrer widerspruchslosen Verfügbarkeit ohne jegliche eigenen Bedürfnisse reproduzieren LLM die patriarchale Objektivierung des Gegenübers. Wo ChatGPT das Gespräch führt, kann die Tatsache, dass ein Match einen lebendigen Menschen repräsentiert, umso leichter aus dem Bewusstsein treten.

Eine aktuelle Entwicklung bei der Dating-App Bumble zeigt, dass der feministische Einsatz von Technik im Kapitalismus allemal eine Grenze findet im Zusammenspiel von Profitlogik und juristisch vermittelter patriarchaler Lobbyarbeit. Trotz der eingangs zitierten fortbestehenden, eher noch zunehmenden Bedrohungslage schaffte die Plattform jüngst die Funktion ab, dass nur Frauen einen Kontakt initiieren können. Dies geschieht im Kontext der Tatsache, dass der Umsatz des Konzerns im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um gut 15 Prozent schrumpfte und die Zahl der zahlenden Nutzer*innen um rund 16 Prozent zurückging. Außerdem, so zu lesen in der «Welt»: «Zwischen Juni und August 2023 soll das Unternehmen zudem mehr als 20 000 Klageandrohungen von Männerrechtlern erhalten haben, die angaben, dass sie sich vom Ansatz der App diskriminiert fühlten.» Als Beleg für die «Betroffenheit» der Männer zitiert der Artikel nahezu ausschließlich Äußerungen aus Threads auf der Online-Plattform Reddit, die ganz offensichtlich Teil der Mannosphäre sind.

Der sympathisierende Tonfall des «Welt»-Autors gegenüber den Anliegen der «Männerrechtler», die eine Welt herbeifantasieren, in der Cis-Männer diskriminiert werden, überrascht dabei wenig. Der linksliberale britische «Observer» hingegen titelt im August 2026: «Der Absturz von Bumble: Wie Männerrechtler verhinderten, dass die Dating-App die Interessen von Frauen an erste Stelle setzt». Es braucht also gar keine «KI», um den Siegeszug des Patriarchats, den wir derzeit erleben, auch im Bereich des Online-Datings voranzutreiben. Das erledigen auch frauenhassende Angehörige der so gern beschworenen Zivilgesellschaft, der Staat, sein Rechtssystem – und immer wieder eben auch die lieben Kolleg*innen der Journaille.

Схожие новости

#Наименование новостиТональностьИнформативностьДата публикации
1KI und Liebe: Verliebt in einen Chatbot05.8910-07-2026
2heise+ | KI-Literatur: Von Sachbuch bis Belletristik – fünf Leseempfehlungen011.7705-08-2026
3Del subidón a la falta de autoestima: así te afectan las apps para ligar07.2309-07-2026
4Del subidón a la falta de autoestima: así te afectan las apps para ligar07.2309-07-2026
5Del subidón a la falta de autoestima: así te afectan las apps para ligar07.2309-07-2026
6KI: Philosophen statt Programmierer: Profitieren Geisteswissenschaftler vom KI-Boom?015.2811-08-2026
7Are you in an ‘effort-gap relationship’? How to fix love’s biggest problem011.630-07-2026
8Feliz Día de San Amantín: ¿qué queda de los amantes de toda la vida?06.6913-02-2026
9Что такое любовь? Новый эпизод подкаста "Двенадцать друзей Юнга"0027-10-2022

Классификация: Мнения. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 9. Тональность: 0. Информативность: 11.23. Источник: www.nd-aktuell.de.