20 Prozent seines Stroms bezieht das EU-Land aus dem Atomkraftwerk. Niedrigwasser macht die Kühlung unmöglich. Jetzt sollen Importe helfen.
Die Donau führt, ähnlich wie der Rhein, derzeit besonders wenig Wasser. In Rumänien hat der niedrige Pegelstand jetzt ernsthafte Konsequenzen. Das Land wird das Kernkraftwerk Cernavoda komplett herunterfahren. Ende Juli war bereits der erste Reaktorblock wegen mangelnden Kühlwassers abgeschaltet worden.
Wie das Energieministerium nach Angaben der Nachrichtenagentur Mediafax mitteilte, wird nun auch der zweite Reaktor heruntergefahren. Etwa ab 10 Uhr MEZ werde die Totalabschaltung abgeschlossen sein. Das AKW liegt im Osten des Landes an einem Donau-Arm und produziert normalerweise 20 Prozent des rumänischen Strombedarfs. Es bezieht sein gesamtes Kühlwasser aus dem Fluss.
Menschen sollen „verantwortungsvoll“ Strom verbrauchenSchlimmstenfalls werde die Stromzufuhr für Großverbraucher aus der Industrie eingeschränkt, sagte Cristian Busoi, Staatssekretär im Energieministerium, nach Angaben von Mediafax. Dies erlaubt eine erst kürzlich erlassene Regierungsverordnung. Für die Bevölkerung werde dies keine Folgen haben. Früheren Berichten zufolge verhandle Rumänien mit den Nachbarländern Ukraine und Bulgarien über Strom-Importe. Das Ministerium rief zu einem „verantwortungsvollen“ Stromverbrauch auf.
Die Abschaltung hatte sich in den letzten Tagen abgezeichnet. Am Dienstag sagte der stellvertretende Generaldirektor der rumänischen Wasserbehörde Sorin Rândažu laut der Nachrichtenagentur Agerpres, dass das AKW wohl mindestens zwei Wochen abgeschaltet bleibe. Der Schritt sei „unausweichlich“, auch neue Ausbaggerungen in der Donau würden daran nichts ändern.
Erst vor zehn Tagen hatte Rumänien versucht, durch die Sprengung eines Felsens in der Donau mehr Wasser nach Cernavoda zu leiten. An einer Gabelung zweier Donau-Arme, 50 Kilometer flussaufwärts nahe dem Ort Izvoarele hatte die Armee den Felsen detoniert, sodass mehr Wasser in den Donauarm floss, der Cernavoda versorgt.

Die rumänische Marine sprengt Felsen aus der Donau.© Andreea Alexandru/AP/dpa | Andreea Alexandru
Geröll in vier Lastkähnen wurde zudem dann an einer anderen Stelle am Ufer versenkt, um den Wasserzufluss besser zu steuern. Danach stieg der Wasserstand bei Cernavoda geringfügig, sodass der Betrieb des zweiten Reaktors um einige Tage verlängert werden konnte, erklärte Verteidigungsminister Radu Miruta. Doch zur längerfristigen Versorgung des AKW mit Wasser reichte diese Operation nicht aus.
Das AKW Cernavoda produziert jährlich etwa 10 Millionen Megawattstunden Strom. Der erste Reaktor vom kanadischen Typ CANDU ging 1996 ans Netz, der zweite im Jahr 2007.
Der Wasserstand der Donau ist unter anderem wegen geringer Niederschläge und mehrerer Hitzewellen auf historische Tiefstände gesunken. Die niedrigen Pegelstände sind auch ein Problem für die Schifffahrt.
pcl/dpa/AFP