100.000 Fans bei der S04-Saisoneröffnung, in Leverkusen verlängert die Führungsspitze, dem MSV Duisburg gelingt ein Traumstart in die Saison, Borussia Mönchengladbach ereilt eine Hiobsbotschaft, und ein Megatransfer bahnt sich an – das Wochenende kannte keine Langeweile.
Zwischen Döner und Autogrammstunde: 100.000 Fans kamen zum „Schalke-Tach“ nach Gelsenkirchen.
Foto: IMAGO/RHR-Foto/IMAGO/KROEGER/RHR-FOTODüsseldorf · 100.000 Fans bei der S04-Saisoneröffnung, in Leverkusen verlängert die Führungsspitze, dem MSV Duisburg gelingt ein Traumstart in die Saison, Borussia Mönchengladbach ereilt eine Hiobsbotschaft, und ein Megatransfer bahnt sich an – das Wochenende kannte keine Langeweile.
Die Erste Liga beginnt erst in drei Wochen mit der Saison, doch auch so hat die Fußball-Begeisterung den Fußball-Westen schon längst wieder im Griff. Ob beim Zweit- und Drittligastart, bei Saisoneröffnungen oder mit spektakulären Meldungen – die Fans waren bestens versorgt.
Schalke 04
Die Vorfreude auf das Bundesliga-Comeback kennt beim FC Schalke 04 dieser Tage keine Grenzen. Mehr als 100.000 Fans feierten nach Vereinsangaben die Saisoneröffnung des Aufsteigers beim sogenannten „Schalke-Tach“ rund um die Arena in Gelsenkirchen. Schon im vergangenen Jahr hatte die Veranstaltung rund 80.000 Menschen zum damaligen Fußball-Zweitligisten angelockt.
Für einen weiteren Beleg der großen Euphorie sorgte der Trikotverkauf unter der Woche: Das neue weiße Retro-Auswärtstrikot, von Schalke in fünfstelliger Stückzahl geordert, war bereits wenige Stunden nach Verkaufsstart ausverkauft.
Beim fußballerischen Highlight des Tages – dem Testspiel gegen den italienischen Klub Atalanta Bergamo – erlebten die 58.587 Zuschauer in der Arena am Abend einen kleinen Dämpfer. Schalke verlor die Partie trotz zahlreicher Torchancen mit 0:3 (0:2). Zwei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel der neuen Saison im DFB-Pokal feierte der erst am Donnerstag verpflichtete Junior Dina Ebimbe dabei sein Debüt im Königsblauen-Trikot.
Noch zu früh kam indes ein Einsatz für Edin Dzeko. Der 40 Jahre alte Bosnier hatte in der vergangenen Saison maßgeblichen Anteil am Aufstieg und entschied sich zuletzt für ein weiteres Jahr bei den Königsblauen. Möglicherweise steht er aber bereits am kommenden Samstag auf dem Platz, wenn Schalke zum 25-jährigen Arena-Jubiläum vor ausverkauftem Haus den spanischen Top-Klub Real Madrid zum nächsten und bestmöglichen Härtetest empfängt.
MSV Duisburg
Gelungener Saisonauftakt für die Zebras. Vor 25.406 Zuschauern im Wedaustadion schlugen sie am ersten Spieltag der neuen Saison in der 3. Liga den Aufsteiger SV Meppen mit 3:0. Nach dem frühen Führungstreffer von Lex-Tyger Lobinger kontrollierten die Duisburger die Partie und legten nach dem Seitenwechsel durch Tore von Ben Schlicke und Conor Noß nach.
„Du willst von Anfang an dabei sein. Wir sind gut drauf, sind mutig und das macht die Brust noch breiter. Es gibt noch Potenzial, weil wir es noch besser können“, fand MSV-Trainer Dietmar Hirsch nach der Partie. „Wir haben viel Gutes, aber auch das eine oder andere Verbesserungswürdige gesehen. Das ist Jammern auf hohem Niveau. Meppen war ein unangenehmer Gegner, die haben nie aufgesteckt. Wir haben genau das gemacht, was wir wollten.“
Fortuna Düsseldorf
Nichts war es mit einem erfolgreichen Saisonstart für Fortuna Düsseldorf nach dem bitteren Zweitligaabstieg. Auch in Liga drei gab es zum Auftakt nach dem 1:2 in Mannheim am Freitagabend lange Gesichter. „Brutal schlechte erste Halbzeit gegen den Ball. Wir waren alles andere als kompakt, haben nie Zugriff bekommen“, sagte Düsseldorfs Trainer Alexander Ende sichtlich verärgert: „Es tut weh, natürlich wollten wir anders reinstarten. Wir haben viel Arbeit vor uns.“
Neben der eigenen Leistung stand aber auch Schiedsrichterin Fabienne Michel in der Kritik, weil diese in der Anfangsphase nach einer Notbremse nicht auf Rot gegen den Mannheimer Kapitän Lukas Klünter entschieden hatte. „Wenn ich mir jetzt die Bilder anschaue, muss ich aber einräumen, dass tatsächlich ein Griff vorhanden ist“, sagte sie nach dem Spiel.
Bayer Leverkusen
Patrik Schick hat Bayer Leverkusen bei der Saisoneröffnung zu einem weiteren Testspiel-Sieg verholfen. Der tschechische Nationalstürmer erzielte am Samstag beide Tore zum 2:1 (0:1) gegen den spanischen Erstligisten FC Sevilla, er traf in der 66. Minute per Kopf und 13 Minuten später mit einer Direktabnahme.
Bereits vor dem Anpfiff hatte Bayer eine Nachricht zu verkünden: Der Meister von 2024 hat das Erfolgsduo Fernando Carro und Simon Rolfes langfristig an sich gebunden. Die Verträge der beiden Geschäftsführer wurden durch den Gesellschafterausschuss der Fußball-GmbH vorzeitig verlängert. Carro (62) bleibt bis 2029 Vorsitzender der Geschäftsführung, Sport-Geschäftsführer Rolfes (44) erhält einen neuen Vertrag bis 2031.
Richtig ernst wird es für Bayern am 22. August im Pokal beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden. Eine Woche danach folgt der Bundesligastart beim Aufsteiger SV Elversberg.
Borussia Mönchengladbach
Borussia Mönchengladbach muss noch länger als befürchtet auf seinen Mittelfeldspieler Jens Castrop verzichten. Wie der Fußball-Bundesligist mitteilte, muss der 23-Jährige in den nächsten Tagen an der Schulter operiert werden und fällt für mehrere Monate aus.
Castrop hatte sich im Testspiel gegen den FC Rottach-Egern (15:0) am Mittwoch die Schulter ausgekugelt und war am Donnerstag nach Mönchengladbach zurückgereist. „Die weiterführende Diagnostik hat ergeben, dass eine Operation notwendig ist“, teilte der Klub nun mit. „Das ist eine bittere Nachricht für uns alle“, sagte Sportchef Rouven Schröder.
Der südkoreanische WM-Teilnehmer Castrop ist nach Neuzugang Juchym Konoplja (Innenbandanriss) und Fabio Chiarodia (Muskelfaserriss) schon der dritte Gladbach-Profi, der zum Saisonstart ausfällt.
1. FC Köln und Borussia Dortmund
Said El Mala gab bei seiner möglichen Abschiedsvorstellung im Stadion des 1. FC Köln noch einmal alles. Erst wirbelte er über die linke Seite, bis ihn Krämpfe stoppten. Nach dem 2:1 (1:1) im Testspiel gegen Real Sociedad San Sebastian nahm er sich dann minutenlang Zeit für Selfies und Autogramme. Auch sein rotes Oberteil überließ er den Fans. Bei seinem nächsten Auftritt in Köln-Müngersdorf könnte El Mala aber bereits neue Farben tragen: Schwarz und Gelb.
Die Hängepartie zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Köln nimmt jedenfalls Fahrt auf, ein Rekorddeal scheint in Reichweite. Der BVB, so ist die Rede, nähert sich im Werben um den Shootingstar der kolportierten Forderung von 50 Millionen Euro Stück für Stück an. Der Express berichtete von einem „All-in-Angebot“. Mindestens 48 Millionen Euro sollen demnach an den FC fließen und schon Anfang der Woche „könnte sehr schnell Bewegung in die Causa kommen“, hieß es.
Es wäre eine Trendwende. Seit Wochen beharren die Vereine auf ihren „Schmerzgrenzen“. Köln hofft auf einen Rekordverkauf, Dortmund ist bereit, den Flügelspieler zum teuersten Zugang der Vereinsgeschichte zu machen – vor Ousmane Dembélé. Der Weltfußballer kam 2016 für 35 Millionen Euro von Stade Rennes.
Doch noch ist El Mala Spieler des 1. FC Köln, wie Geschäftsführer Thomas Kessler immer wieder betont. El Mala verlängerte seinen Vertrag erst im Juli 2025 bis zum 30. Juni 2030 - ohne Ausstiegsklausel. „Said hat einen langfristigen Vertrag und wir haben keinen Grund, den Spieler abzugeben“, sagte Kessler am Samstag, doch: „Wir haben auch gesagt: Wenn etwas kommt, das für den 1. FC Köln in der Größenordnung ist, dass wir uns unterhalten wollen, werden wir das auch tun.“ Borussia Dortmund arbeitet mit Hochdruck dran.
VfL Bochum
Dass Verteidiger Maximilian Wittek vom VfL Bochum beim Zweitliga-Eröffnungsspiel wie gewohnt die linke Seite beackerte, war längst keine Selbstverständlichkeit. Im Anschluss an die 0:1 (0:1)-Niederlage gegen Hertha BSC berichtete der Verteidiger bei Sky über das Kompartmentsyndrom, das bei ihm am letzten Spieltag der vergangenen Saison aufgetreten war und zu mehreren Operationen geführt hatte.
„Ich war zu Hause und der Oberschenkel ist angeschwollen und ich hatte dann kein gutes Gefühl. Manchmal ist man ja dann auch so, dass man sagt: ‚Ich schmeiß‘ mir zum Schlafen eine Schmerztablette rein.‘ Aber das habe ich, Gott sei Dank, nicht gemacht. Wenn ich so sechs, sieben Stunden geschlafen hätte, hätte das bitterböse enden können“, sagte Wittek.
Beim 1:1 gegen Bielefeld am 2. Mai war Wittek nach einem Luftzweikampf zu Boden gegangen und daraufhin noch vor der Pause ausgewechselt worden. Eine Prellung aus dem Spiel hatte in der Folge das Kompartmentsyndrom ausgelöst, bei dem Blutgefäße und Nerven zusammengedrückt werden. Die Gefahr: Der dadurch verringerte Sauerstoffgehalt kann im schlimmsten Fall zur Amputation führen.
Dies habe VfL-Teamarzt Mark Sandfort von den Universitätskliniken Knappschaft Kliniken bei Wittek erkannt. „Der hat da wirklich geistesgegenwärtig reagiert und auch einfach ein Gespür gehabt dafür“, so Wittek. Im Krankenhaus angekommen, habe ihm dann der dort behandelnde Arzt gesagt, „man darf jetzt auch nicht mehr länger warten. Gefühlt jede halbe Stunde, Stunde, in der es keine Durchblutung mehr gibt, kann den Muskel schädigen. Mein Muskel ist - toi, toi, toi - heil geblieben.“
Nach insgesamt vier Operationen erinnert Wittek nur noch eine 20 Zentimeter lange Narbe an die Schreckensnacht.