Polen und Ukraine suchen nach diplomatischem Eklat den Dialog. Die Außenminister treffen sich zu Krisengesprächen. Kommt es zur Annäherung?
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha kommt am heutigen Freitag in Warschau mit seinem polnischen Amtskollegen Radosław Sikorski zusammen. Das teilte ein Sprecher des polnischen Außenministeriums, Maciej Wewiór, nach Angaben des Senders Polsat News mit. Themen seien die polnisch-ukrainischen Beziehungen sowie die Lage an der Front.
Das Treffen findet vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen statt, die sich Ende Mai an einer Entscheidung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj entzündet hatten.
Selenskyj hatte einer Militäreinheit den Ehrennamen der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) verliehen. Die UPA gilt in Polen als verantwortlich für das Massaker an rund 100.000 polnischen Zivilisten in Wolhynien und Ostgalizien zwischen 1943 und 1945. In der Ukraine wird die Organisation überwiegend als Unabhängigkeitsbewegung gegen die Sowjetunion gesehen.
Der polnische Präsident Karol Nawrocki entzog Selenskyj daraufhin am 19. Juni den Orden des Weißen Adlers, Polens höchste staatliche Auszeichnung. Mehrere ukrainische Amtsträger, darunter Sybiha selbst, gaben aus Protest polnische Ehrenzeichen zurück. Sikorski nannte Nawrockis Schritt am 26. Juni „unangemessen“, da er den ukrainischen Präsidenten persönlich gedemütigt habe, wie ukrainische Medien berichtete.
Ministerpräsident Donald Tusk warnte wiederholt vor einer weiteren Eskalation. Die anhaltende Beteiligung polnischer und ukrainischer Politiker an der Kontroverse sei ein „strategischer Fehler“, von dem allein Moskau profitiere.
Zusätzlich belastet wurde das Verhältnis durch ein am 1. Juli vom ukrainischen Parlament verabschiedetes Gesetz zur Errichtung eines Nationalen Pantheons in Kiew, das auch UPA-Persönlichkeiten würdigen soll. Nach Berichten des polnischen Portals Wirtualna Polska will Sybiha in Warschau vorschlagen, in das Pantheon auch General Marko Besrutschko aufzunehmen. Dieser hatte 1920 als Kommandeur der Armee der Ukrainischen Volksrepublik an der Seite polnischer Truppen „gegen das bolschewistische Russland“ gekämpft, wie es in ukrainischen Medien hieß.
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