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Tödlicher Katzenpilz aus Brasilien auf dem Vormarsch: CDC sieht weltweites Risiko

Дата публикации: 02-07-2026 19:32:34

Ein tödlicher Hefepilz aus Brasilien infiziert Katzen und Menschen. Seit den 1990ern breitet er sich durch Südamerika aus. Wann erreicht er Europa?

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Ein aus Brasilien stammender Hefepilz, der Katzen und Menschen infiziert, breitet sich seit den 1990er-Jahren durch Südamerika aus – und dürfte nach Einschätzung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörden früher oder später auch die Vereinigten Staaten und andere Weltregionen erreichen. Das ist die Kernbotschaft eines Vortrags, den der Mykologe Shawn Lockhart von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) am 7. Juni auf der Fachtagung ASM Microbe in Washington gehalten hat.

Der Erreger heißt Sporothrix brasiliensis. Seit seinem ersten Auftreten in Brasilien in den 1990er Jahren hat er Tausende Katzen krank gemacht oder getötet, mehr als 11.000 Menschen infiziert und mindestens 200 Hunde. Ausgehend von Brasilien sind inzwischen auch in Paraguay, Chile, Argentinien und zuletzt Uruguay Fälle dokumentiert. „Es ist nur eine Frage der Zeit“, sagte Lockhart nach dem Vortrag über eine Ankunft des Pilzes in den USA. „Wir warten darauf.“

S. brasiliensis, Hefezellen in typischlänglicher Zigarrenform. Balken: 10 µm

S. brasiliensis, Hefezellen in typischlänglicher Zigarrenform. Balken: 10 µm

© Manuela Gómez-Gaviria, José A. Martínez-Álvarez, Héctor M. Mora-Montes - Current Progress in Sporothrix brasiliensis Basic Aspects. In: ',MDPI: Journal of Fungi (Basel), Volume 9, Issue 5, 29! No. 533;^^

Zwei Erscheinungsformen, ein Erreger: S. brasiliensis gehört zu den dimorphen Pilzen. Im Boden wächst er als Fadengeflecht, im Körper von Tier oder Mensch als einzellige Hefe. Lockhart brachte es in dem knappen Merksatz auf den Punkt: „Es ist ein Schimmel in der Kälte und eine Hefe in der Bestie.“ Bei den meisten verwandten Pilzarten sind ausschließlich die eingeatmeten Sporen ansteckend. Bei S. brasiliensis ist auch die Hefeform übertragbar – eine Besonderheit, die kein anderer dimorpher Pilz aufweist.

Warum Katzen zum Reservoir wurden

Die Übertragung erfolgt vor allem durch Kratzer und Bisse. Lockhart verwies auf typisches Katzenverhalten: Fellpflege untereinander sowie Kämpfe mit Kratzen und Beißen begünstigen die Weitergabe des Erregers von Tier zu Tier. Menschen infizieren sich meist beim Kontakt mit erkrankten Tieren. Der CDC-Experte vermutet, dass ein erheblicher Anteil der menschlichen Fälle Halter betrifft, die ihren Katzen Medikamente verabreichen wollen und dabei gebissen oder gekratzt werden.

Eine im Jahr 2022 in der Fachzeitschrift Medical Mycology publizierte Arbeit legt zudem nahe, dass infizierte Katzen den Erreger auch beim Niesen ausscheiden können. Laut Lockhart überlebt der Pilz auf glatten Oberflächen wie Edelstahl bis zu zehn Wochen – deutlich länger als Candida auris, der nach rund einem Monat abstirbt. Für die Reinigung reichen laut Lockhart handelsübliches Bleichmittel und Ethanol aus.

Symptome und Verlauf: Bei Katzen verursacht die Infektion nässende Hautgeschwüre, Knoten und geschwollene Lymphknoten. Ohne Behandlung mit Antimykotika kann der Erreger auf die Atemwege übergreifen und sich im Körper ausbreiten. „Ohne Behandlung ist es zu 100 Prozent tödlich, und selbst mit Behandlung ist die Sterblichkeit ziemlich hoch“, sagte Lockhart. Diese Zahl bezieht sich allerdings auf die klinische Erfahrung des Experten. In der wissenschaftlichen Literatur wird sie so pauschal nicht bestätigt und gilt vor allem für unbehandelte, systemische Verläufe.

Beim Menschen entstehen zunächst schmerzhafte Hautgeschwüre, häufig entlang der Lymphbahnen. Die meisten Fälle bleiben lokal begrenzt und sind therapierbar. Schwere oder tödliche Verläufe betreffen laut CDC vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Ein Fall in Großbritannien zeigt das Import-Risiko.

Wie leicht der Erreger Grenzen überwindet, zeigt ein 2022 in „Medical Mycology Case Reports” dokumentierter Fall: Eine Familie war mit ihren beiden Katzen aus Brasilien nach Großbritannien gezogen. Drei Jahre nach dem Umzug erkrankten zwei Familienmitglieder. Eine der Katzen erwies sich als Trägerin von S. brasiliensis; auch der behandelnde Tierarzt infizierte sich. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung wurde bislang nicht belegt, das zentrale Risiko geht von den Tieren aus.

Wo Lockhart die größten Gefahrenzonen sieht

Der CDC-Berater nannte Metropolen mit großen Streunerkatzenpopulationen wie Istanbul oder Bangkok als besonders gefährdet. Auch in ländlichen Regionen der USA, wo freilaufende Hofkatzen weit verbreitet sind, hält er eine Ausbreitung für plausibel: „Es braucht nur einen Reisenden, der seine Katze mitbringt, und die Krankheit kann überall auftauchen.“

Diagnostische Lücke: Ein kommerziell verfügbarer Schnelltest für S. brasiliensis existiert nicht. Für die Einreise in die USA benötigen Katzen lediglich ein tierärztliches Attest, das ihnen einen gesunden Zustand bescheinigt. Da Symptome mitunter erst Jahre nach der Infektion auftreten, kann die Erkrankung leicht übersehen werden.

Der Ruf nach einem „One Health“-Ansatz

Lockhart appellierte an Tierärztinnen und Tierärzte, verdächtige Sporotrichose-Fälle den lokalen Gesundheitsämtern oder der CDC zu melden. Übersichtsarbeiten im Fachjournal „Journal of Fungi“ stufen den brasilianischen Ausbruch als die größte bekannte, von Tieren auf den Menschen übertragene Sporotrichose-Epidemie weltweit ein und plädieren für eine enge Zusammenarbeit von Human-, Veterinärmedizin und Gesundheitsbehörden.

Offene Forschungsfragen

Wissenschaftlich ungeklärt bleibt, warum Katzen ausgerechnet für diesen Erreger als so ergiebiges Reservoir dienen, weshalb S. brasiliensis virulenter erscheint als verwandte Arten und wie stark kontaminierte Oberflächen tatsächlich zur Verbreitung beitragen.

Erste Berichte über eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber dem Antimykotikum Itraconazol werden beobachtet, eine flächendeckende Resistenzentwicklung ist jedoch bislang nicht dokumentiert.

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