In Frankfurt (Oder) kam das jahrelang verschollene Wandrelief wieder an den Juri-Gagarin-Ring.
Walentina Tereschkowa im Jahr 2007 im Museum des Sternenstädtchens außerhalb von Moskau
Foto: dpa/Chirikov
»Für uns, die wir von Anfang an hier wohnten, fehlte etwas«, beschreibt Erik Rohrbach die Situation, nachdem 2007 das Wandrelief »Kosmos« aus seinem Viertel in Frankfurt (Oder) verschwunden war. 6,30 Meter hoch, 3,20 Meter breit und sechs Tonnen schwer, stand es ursprünglich am Durchgang zwischen zwei Wohnblöcken am Juri-Gagarin-Ring. Als einer der Blöcke wie beim Abriss von Wohnungen im Quartier verkürzt wurde, ist das mit Kacheln gestaltete Bild mit Sonne und Saturn entfernt worden.
Damals im Kulturausschuss aktiv, hatte sich der langjährige Stadtverordnete der Linken vor Jahren nach dem Verbleib des Kunstwerks erkundigt und die von ihm fast erwartete Antwort erhalten, dass kein Geld für eine erneute Anbringung vorhanden sei. Er sei auch auf den Werkstatthof gefahren, auf den das Relief 2007 gebracht wurde, schreibt Rohrbach in seinem Miniaturbuch »Umgezogen ist nicht abgebrannt«. Er berichtet darin: »Ich kämpfte mich im wahrsten Sinne des Wortes durch Unkraut, Geröll und Schlamm und fand tatsächlich das Wandrelief. Es lag noch immer im Freien, waagerecht, und war der Witterung ausgesetzt. Trotzdem noch in einem guten Zustand.«
»Ich kämpfte mich im wahrsten Sinne des Wortes durch Unkraut, Geröll und Schlamm und fand tatsächlich das Wandrelief.«
Erik Rohrbach Ex-Linke-Stadtverordneter
Für Rohrbach gehört das Relief ins Kosmonautenviertel. Darum ließ er nicht locker und bei seinen Bemühungen war ihm die »Märkische Oderzeitung« eine große Hilfe, die im Januar 2023 eine ganze Seite zum Thema brachte. Die Stadt sei stolz darauf, viel Kunst im öffentlichen Raum zu besitzen. Das Relief gehöre für ihn dazu, zitierte das Blatt den ehemaligen Kommunalpolitiker.
Die kommunale Wohnungswirtschaft (Wowi), der ein großer Teil der noch vorhandenen Blöcke im Kosmonautenviertel gehört, hat sich der Sache schließlich angenommen und in ihrem Mietermagazin einmal über den Zwischenstand berichtet. Damals waren Restaurator Florian Pohlmann und Architekt Hendrik Heine dabei, das in den 70er Jahren von Maler Siegfried Korth geschaffene Kunstwerk aufzuarbeiten. Jahrelang habe das imposante Stück auf der Deponie gelegen, »dem Wetter ausgesetzt und fast schon verloren geglaubt«, hieß es da. Erst Bewohner, die sich im Zuge der langwierigen Komplexsanierung des Juri-Gagarin-Rings daran erinnerten, »brachten es zurück ins Bewusstsein«.
Jetzt ist das Relief zurück im Kosmonautenviertel, steht seit einigen Monaten wieder am Juri-Gagarin-Ring gegenüber vom neu angelegten Spielplatz »Kosmos«. Bei einem Mieterfest an diesem Freitag sollte das gleich mitgefeiert werden, erzählt Rohrbach »nd«. Die Wowi habe sich aber doch anders entschieden. Es solle dazu einen extra Termin geben, der noch nicht feststehe. Aber Hauptsache, das Relief ist wieder da.
Das Kosmonautenviertel wurde in den Jahren 1969 bis 1972 gebaut. Es gibt dort neben dem Juri-Gagarin-Ring, der an den ersten Menschen im Weltall erinnert, beispielsweise auch eine Alexej-Leonow-Straße. Leonow war 1965 vier Jahre nach Gagarins Heldentat der erste Mensch, der aus einem Raumschiff ausstieg, während es die Erde umkreiste, und zwölf Minuten an einer Sicherungsleine im Weltraum schwebte, was ihn beinahe das Leben kostete.
Es gab in Frankfurt (Oder) auch eine Walentina-Tereschkowa-Straße. Doch dort wohnt niemand mehr. Alle Wohnungen sind verschwunden. Geblieben ist lediglich ein Walentina-Tereschkowa-Weg, über dessen Umbenennung schon nachgedacht wurde. Denn Tereschkowa ist zwar 1963 berühmt geworden als die erste Frau im All. Sie ist aber die einzige der legendären ersten Generation sowjetischer Raumfahrer, die noch lebt – und welche Rolle die mittlerweile 89-Jährige heutzutage in Russland spielt, gefällt einigen nicht. Tereschkowa ist Abgeordnete der Duma und hat dort 2020 vorgeschlagen, die bis dahin auf acht Jahre begrenzte Amtszeit des Präsidenten aufzuheben, womit Wladimir Putin immer wieder antreten kann, solange er lebt. Das wurde einstimmig so beschlossen. Als Mitglied von Putins Partei »Einiges Russland« unterstützt Tereschkowa den Krieg mit der Ukraine. Ein neuer russischer Bomber hat nicht umsonst den Namen »Walentina« erhalten.
Rohrbach hat einst als Student bei einem Sportlerball in Berlin-Hohenschönhausen Juri Gagarin und Walentina Tereschkowa kennengelernt und mit Tereschkowa getanzt. »Ich weiß, sie haben ihre Flüge immer dem Weltfrieden gewidmet«, sagte Rohrbach der »Märkischen Oderzeitung« im Januar 2023. Der Walentina-Tereschkowa-Weg hat seinen Namen behalten. Einen Juri-Gagarin-Ring gibt es beispielsweise auch in Erfurt, Juri-Gagarin-Straßen in Cottbus, Vetschau und anderswo.
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