Charvet wurde vom Sohn des Herrenausstatters von Napoleon gegründet. Die Hemden genießen in Kunst und Literatur Kultstatus und kosten ein kleines Vermögen. Jetzt übernimmt Chanel die Modemarke und öffnet sein Portfolio damit zum ersten Mal für männliche Kunden.
Charvet wurde vom Sohn des Herrenausstatters von Napoleon gegründet. Die Hemden genießen in Kunst und Literatur Kultstatus und kosten ein kleines Vermögen. Jetzt übernimmt Chanel die Modemarke und öffnet sein Portfolio damit zum ersten Mal für männliche Kunden.
02.07.2026, 16.31 Uhr
Hauptsache „Cha-“: Schauspielerin Nicole Kidman mit ihren Töchtern Sunday Rose Kidman Urban und Faith Margaret Kidman-Urban in einem Hemd von Charvet und Chanel bei der Chanel-Show im Oktober 2025
Foto: Stephane Cardinale / Getty ImagesDas französische Luxusunternehmen Chanel übernimmt den Hemdenhersteller Charvet aus Paris, der für maßgefertigte Hemden, Krawatten und Pyjamas bekannt ist. Das gab Chanel am Donnerstag bekannt, die „New York Times “ berichtete zuerst über den Deal. Über die finanziellen Details der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart.
Mit der Übernahme gehören erstmals auch männliche Kunden zur Zielgruppe von Chanel. „Jetzt haben wir einen Namen für Frauen, Chanel, und einen Namen für Männer, Charvet“, sagte Bruno Pavlovsky, Präsident der Modesparte von Chanel, der „New York Times“. Das Unternehmen sehe immer mehr Männer in seinen Boutiquen, so Pavlovsky. Die Übernahme solle die neue, geschlechterübergreifende Haltung der Kundschaft widerspiegeln und Haute Couture für Männer zugänglich machen, so der Chanel-Manager.
Diese Strategie verfolgt Chanel bereits seit einiger Zeit: Obwohl der Konzern bislang keine Herrenmode in seinem Portfolio hat, hat das Unternehmen den Rapper A$AP Rocky (37) und den Schauspieler Pedro Pascal (51) als Markenbotschafter engagiert.
Charvet wurde 1838 vom Sohn des Garderobiers Napoleons, Joseph-Christophe Charvet, gegründet und gilt als das weltweit erste ausschließlich auf Hemden spezialisierte Geschäft. Bis ins Jahr 1965 war Charvet in Familienbesitz, damals verkaufte man das Unternehmen an Denis Colban, der bis dahin der Stofflieferant der Familie gewesen war.
Heute wird das Haus von dessen Kindern Jean-Claude (71) und Anne-Marie Colban (69) geführt. Die Hemden des Herstellers haben Kultstatus und kommen in literarischen Werken von Marcel Proust oder Tom Wolfe vor. König Edward VII. verlieh Charvet sogar den Titel des königlichen Hoflieferanten, was für eine nicht-britische Marke selten ist. Zuletzt trugen auch prominente Schauspieler wie Nicole Kidman (59) und Jacob Elordi (29) Hemden von Charvet bei öffentlichen Auftritten.
Nach Schätzungen von Luca Solca, Luxusanalyst bei Bernstein, erzielt Charvet einen Jahresumsatz zwischen 10 und 15 Millionen Euro, so die „New York Times“. Zum Unternehmen gehören rund 100 Mitarbeiter, ein Atelier außerhalb von Paris sowie das einzige Geschäft der Marke im Gebäude an der Place Vendôme, das Chanel ebenfalls übernommen hat. Solca beziffert den Wert der Transaktion auf rund 100 Millionen Euro.
Ort des Luxus: An der Place Vendôme haben Labels wie Bulgari, Louis Vuitton und eben Charvet ihre Boutiquen
Foto: Kristy Sparow / Vogue / Getty ImagesFinanziell kann sich Chanel die Übernahme leisten: Der Luxuskonzern erzielte 2025 einen Umsatz von 19,3 Milliarden Dollar und einen operativen Gewinn von 4,7 Milliarden Dollar und konnte sich so von der schwächelnden Luxuskonkurrenz absetzen.
„Es gibt 500 verschiedene Blautöne!“
Bruno Pavlovsky, Präsident der Modesparte von Chanel
Charvet soll im Gegensatz zu anderen Marken im Besitz von Chanel wie die Stickerei Lesage oder die Goldschmiede Goossens nicht Teil des Netzwerks Maisons d’art werden, sondern als eigenständige Marke weitergeführt werden. Die Colbans sollen mindestens ein weiteres Jahr im Unternehmen bleiben, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Eine eigene Charvet-Modeschau hält Pavlovsky derzeit für unwahrscheinlich. Langfristig werde jedoch ein eigener Kreativdirektor berufen.
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„Wenn man sich die großen Häuser in Paris ansieht, gibt es nicht viele solche Juwelen“, sagte Pavlovsky der „New York Times“. „Dieses hier ist ein Juwel.“ Ein weiterer Pluspunkt sei, dass Charvets Maßanfertigungen sowie der Umgang mit Stoffen und handwerklichen Details dem Qualitätsverständnis von Chanel sehr nahekämen. „Bei Charvet gibt es nicht einfach nur Blau“, sagte er. „Es gibt 500 verschiedene Blautöne!“
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