Wie rasant Elektroautos in Deutschland zulegen und warum selbst Lotus ein bisschen Luxus gut steht – das und mehr erfahren Sie in der neuen Ausgabe von „manage:mobility“.
Liebe Leserin, lieber Leser,
wer nach Stabilität sucht, sollte Donald Trump (79) lieber stumm schalten. Der US-Präsident kann an einem Morgen schon mal mit der Vernichtung einer Zivilisation drohen, um am nächsten Abend mit dem iranischen Regime eine Waffenruhe zu vereinbaren. Wie bloß umgehen mit Trumps Politik der Extreme?
In der deutschen Auto-Nische gab es darauf zuletzt eine klare Antwort. Nachdem der Irankrieg die Spritpreise explodieren ließ, schwenkten Verbraucher in einem bis dato nicht gesehenen Ausmaß Richtung Elektro um. Autoplattformen wie Händler berichten von schlagartigem Interesse an Stromern. Jetzt soll Iran die Straße von Hormus wieder öffnen, der Ölpreis sank am Mittwoch bereits. Sowohl für den Nahostkonflikt wie auch für die Elektrobonanza in Deutschland stellt sich nun die Frage: Ist es nur ein Strohfeuer oder doch eine nachhaltige Entwicklung? Mehr dazu in einem unserer Themen der Woche:
Wie rasant Elektroautos in Deutschland zulegen
Warum selbst Lotus ein bisschen Luxus gut steht
Kunden unter Strom: Elektroautos erleben in Deutschland ihren bisherigen Peak
Foto: Joerg Boethling / IMAGOIn Deutschland kamen im März erstmals mehr neue Elektroautos auf die Straße als Benziner. Stromer-Marktanteil? Über 24 Prozent. Rollt jetzt die große Elektrorallye? Die hohen Spritpreise haben zuletzt viele Verbraucher in Richtung Elektromobilität getrieben. Mehrere Autohändler berichten von einem Ausmaß an Anfragen für E-Autos in den vergangenen Tagen und Wochen, das sie so bis dato noch nicht gesehen haben. Exklusive Zahlen der Plattform Carwow zeigen gar: 70 Prozent der dort konfigurierten Autos hatten zuletzt einen Akku als Antrieb. Vor dem Homerun müssen die E-Autos aber doch noch manche Hürde nehmen; Trump, die hiesige Politik und auch so manchen Automobilhersteller .
Brandbrief gen Brüssel: ACEA-Generaldirektorin Sigrid de Vries fordert ein Umsteuern in der Abgaspolitik
Foto: KENZO TRIBOUILLARD / AFPAn einen nachhaltigen Elektroboom in Europa mag Sigrid de Vries noch nicht so recht glauben. Sie geht davon aus, dass Stromer im Jahr 2030 „nur“ einen Marktanteil von 38 Prozent erreichen. Das passe aber nicht zu den Vorgaben aus Brüssel, denen sich die hiesige Autoindustrie stellen muss. Die Generaldirektorin des europäischen Autoherstellerlobbyverbands ACEA schlägt deshalb ähnliche Töne an wie kürzlich Renault -Chef François Provost (57) im manager-magazin-Interview : Ändere die EU nichts an ihren CO₂-Regularien, drohe Europa vom Produzenten zum reinen Auto-Importeur zu verkommen .
Gegen die EU-Regulatorik zeterte zuletzt auch mehrfach die Spitze des Autovermieters Sixt. Uwe Hochgeschurtz (63) wird sich damit nur teilweise befassen müssen. Der ehemalige Stellantis-Europachef leitet künftig bei Sixt die Geschäfte in der Schweiz und Österreich, ist von den Brüsseler Plänen also nur partiell betroffen. Zu Stellantis-Zeiten hatte Hochgeschurtz übrigens noch einen Deal über bis zu 250.000 Autos mit Sixt eingefädelt. Und irgendwo trällert der Kaiser: Gute Freunde kann niemand trennen …
Völlig anders ist die Lage in den USA. Dort zieht die trumpsche Politik Elektroautos den Stecker. Zu sehen ist das unter anderem bei BMW, die Münchner verkauften im ersten Quartal in den Vereinigten Staaten nicht einmal halb so viele elektrifizierte Modelle wie noch im Vorjahreszeitraum. Kurz vor seinem Abschied dürfte sich BMW-Chef Oliver Zipse (62) mehr denn je in seinem technologieoffenen Kurs bestätigt fühlen. Oder wie er es selbst kürzlich im manager magazin nannte: in seiner „antifragilen“ Ausrichtung. Was genau er damit meint, können Sie hier noch einmal nachlesen .
Folgt der Nomenklatur: Auch der Hyper GT von Lotus trägt einen Namen mit E – „Emeya“
Foto: Alberto Cervetti / LotusNicht nur vielen Autopuristen dürfte es beim Gedanken an Lotus so gehen wie meiner Kollegin Margret Hucko: Namen wie „Elan“, „Europa“ oder „Elise“ kommen einem in den Sinn; Sportwagen ohne jeglichen Komfort, die zwar bretthart auf dem Asphalt klebten, dabei aber fast zart und zerbrechlich wirkten. Geblieben ist davon: praktisch nichts. Lotus ist nicht einmal mehr britisch, das Sagen hat seit fast schon zehn Jahren der chinesische Autoriese Geely. Die haben den neuen Lotus-Modellen wie dem „Emeya“ trotz Sportwagenoptik völlig neue Gene spendiert, nicht zuletzt auch das ein oder andere Luxusfeature. Wie gut das bei Margret während einer Ausfahrt ankam, erfahren Sie hier .
Bei der Airline TAP spricht heute noch der portugiesische Staat ein gehöriges Wörtchen mit, das Land hält 50 Prozent der Anteile. Doch die Portugiesen wollen sich verabschieden – und Interessenten spannen schon ihre Flügel auf. Air France-KLM käme gern zum Zug (oder besser: Flug), aber auch die Lufthansa. Dort muss man sich zunächst einmal aber mit anderen Problemen herumschlagen; am Freitag streikt das Lufthansa-Kabinenpersonal.
Von TAP zu Tesla und der Frage: Wie sehr kann der Pionier noch davon profitieren, wenn Elektroautos frischen Rückenwind spüren? Im ersten Quartal steigerte Tesla seine Auslieferungen im Vergleich zum schwachen Vorjahreszeitraum zumindest um 6,3 Prozent, angetrieben vor allem von besseren Zahlen in Europa. Analysten hatten im Vorfeld allerdings euphorischere Erwartungen.
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Immer noch dichte Dieselschwaden: Die Conti-Zentrale in Hannover
Foto: Julian Stratenschulte / picture alliance / dpaDass ein Unternehmen seine eigenen Anwälte verklagt, ist eine Rarität. Am Landgericht Frankfurt ist genau eine solche Klage eingegangen ; und es geht nicht um irgendeinen Fall, es geht mal wieder um: Dieselgate. Den Zulieferer Continental haben seine Verstrickungen in den Skandal nach eigenen Angaben rund 300 Millionen Euro gekostet. Das Geld versucht der Konzern teilweise von Managerversicherungen zurückzubekommen. Zur Kasse will Conti aber auch die Kanzlei Noerr bitten. Die hatte den Zulieferer zeitweise bei der Dieselaufarbeitung beraten – nach Conti-Ansicht offenbar so falsch, dass man jetzt 130 Millionen Euro von der Sozietät fordert. Dort weist man die Vorwürfe zurück. Nächster Akt im Never-ending-Dieseldrama.
Der ADAC hat die Ticketpreise für öffentliche Verkehrsmittel in 25 deutschen Großstädten analysiert. Dabei gibt es manches Ergebnis, das zunächst mal kurios daherkommt: Ein Einzelticket ist beispielsweise nirgendwo teurer als in München (4,20 Euro), dafür gibt es ein Monatsticket in keiner anderen Metropole günstiger als in Bayerns Landeshauptstadt (71,40 Euro). Warum die Verkehrsverbünde die Preise für Monatstickets indes teils weitaus höher ansetzen, als Verbraucher für die Alternative Deutschlandticket berappen müssen, bleibt ein Marketinggeheimnis der ÖPNV-Anbieter. Zur ausführlichen Tickettabelle geht es hier .
Ein Herz für Schwarzfahrer: Bundesjustizministerin Stefanie Hubig
Foto: Clemens Bilan / EPAWir firmieren den Geisterfahrer ausnahmsweise zum Schwarzfahrer der Woche um. Beziehungsweise zu 7000 bis 9000 Schwarzfahrerinnen und Schwarzfahrern; so viele landen jährlich in Deutschland im Knast, weil sie zu oft ohne Ticket Bus oder Bahn gefahren sind. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (57) stellt angesichts überlasteter Gerichte und Gefängnisse jetzt Haftstrafen für die meist armen „Täter“ infrage . Zuspruch bekommt Hubig vom Deutschen Anwaltverein, bei der Deutschen Bahn sieht man das anders. Mitleid mit Bedürftigen sei „richtig und wichtig“, meint Jan Schilling (46) aus der Konzernleitung, ein Entfall der Strafbarkeit dennoch „das falsche Signal“ .
Ihnen wünsche ich nun eine schöne Nach-Osterwoche auf hoffentlich freiem Fuß.
Ihr Christoph Seyerlein
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