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Jahrzehntelang auf diesen Moment gewartet – jetzt ist Gottéron Meister

Дата публикации: 16-09-2026 03:53:00

Der Titelgewinn des HC Fribourg Gottéron löste nicht nur Jubel aus. Beim Bremgarter Fanclub «Vieille Garde Gottéron» stand die Frage im Raum, ob dies das Vereinsende bedeutet.

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Meisterliche Ungläubigkeit: Torhüter Reto Berra im Moment, als Fribourg-Gottéron zum ersten Mal in der Geschichte Schweizer Meister wird.Meisterliche Ungläubigkeit: Torhüter Reto Berra im Moment, als Fribourg-Gottéron zum ersten Mal in der Geschichte Schweizer Meister wird.

Martin Meienberger

«Aber warum denn ausgerechnet Fribourg? Die sprechen da Französisch!»

Meine Kollegin und ich sitzen in einer Bar in Bremgarten und sind zu sportlichen Themen abgedriftet, wovon sie wenig Ahnung hat. Zumindest nicht von Eishockey. Sie kann nicht verstehen, warum ich seit Jahrzehnten Fan des Hockeyclubs Fribourg Gottéron bin. Ich erkläre es ihr in einem Satz: «Es ist die beste Mannschaft der Schweiz.»

Dies behaupte ich, seit mein 15-jähriges Ich vom damaligen Freundeskreis zu einem Auswärtsspiel nach Zug mitgenommen wurde. Ich erinnere mich noch gut, wie ich aus voller Kehle «égalisez!» geschrien habe, ohne zu wissen, was das Wort bedeutet. Doch Fribourg, das damals am Tabellenende rumdümpelte, verstand. Glich das Spiel aus. Und schlug den grossen EVZ. Euphorisiert von diesem Sieg gehörte mein Herz fortan dem HCFG. Keine Niederlage, mochte sie auch noch so bitter sein, vermochte diese Liebe je zu schmälern.

Seit dem 30. April ist meine Behauptung nun auch in sportlicher Hinsicht bewiesen. Obwohl es auch dieses Jahr ganz anders hätte kommen können.

Schon der erste Gegner in den Playoffs, die Rapperswil-Jona Lakers, verlangte den Fribourgern alles ab. Das erste Spiel ging 2:5 verloren. Ich und meine Kollegen des Fanklubs «Vieille Garde Gottéron», mit denen ich das Debakel im Fernsehen verfolgt hatte, standen konsterniert um das Feuer herum, auf dem wir zwei Stunden zuvor noch Würste grilliert hatten. Wir warfen Äste in die Flammen, beschworen die Hockeygötter und redeten uns Mut zu fürs zweite Spiel.

Doch auch in Rapperswil setzte es eine Niederlage ab. Nach fünf Spielen lag Fribourg in der Serie 2:3 zurück und stand damit einen Misserfolg vor dem Ausscheiden. «Den Gottéron-Puli hast du heute wohl zum letzten Mal an», witzelte einer unserer Sportredaktoren. Ich und Benoît Jecker liessen uns das nicht gefallen. Letzterer schoss im siebten Spiel in der Verlängerung das entscheidende Tor.

Drama und Spektakel bis zur letzten Sekunde

Es folgte eine zumindest auf dem Papier überraschend klare Serie gegen Genf (4:1). Doch als wären die Fingernägel noch nicht kurz genug abgekaut, wartete danach der HC Davos. Sieben Finalspiele. Sechs davon wurden mit einem Tor Unterschied entschieden, vier erst nach Verlängerung.

Am 30. April verfolgte die Vieille Garde Gottéron das Entscheidungsspiel in der Stube unseres Präsidenten in Bremgarten auf einer Leinwand. Fribourg führte früh 2:0, Davos glich zum 2:2 aus. Meine Smartwatch zeigte einen Puls von 155. Natürlich kam es auch diesmal zur Verlängerung. In der 66. Minute traf Lucas Wallmark. Endlich. Schweizer Meister!

Die Vieille Garde Gottéron sah sich das entscheidende Spiel in Bremgarten an.Die Vieille Garde Gottéron sah sich das entscheidende Spiel in Bremgarten an.

zvg

Der Puls der Fribourg-Fans schoss beim entscheidenden Finalspiel in die Höhe.Der Puls der Fribourg-Fans schoss beim entscheidenden Finalspiel in die Höhe.

Dominic Kobelt

Die Spieler warfen ihre Helme in die Höhe. In Bremgarten lagen wir uns in den Armen, schrien unser Glück aus voller Kehle heraus und setzten uns dann in ein Büssli, das unser Präsident in weiser Voraussicht gemietet hatte. Ziel: die BCF Arena in Freiburg. Um 4.30 Uhr begrüssten wir mit Tausenden anderen Fans die Mannschaft. Die Vereinshymne «Lyoba» wurde aus so vielen Kehlen falsch gesungen, dass sie richtig tönte.

Tausende Fans verfolgten das Spiel in Fribourg, und wartenten anschliessend auf die Mannschaft, die um 4.30 Uhr aus Davos eintraf.Tausende Fans verfolgten das Spiel in Fribourg, und wartenten anschliessend auf die Mannschaft, die um 4.30 Uhr aus Davos eintraf.

Archivbild: Aldo Ellena / FN

Es war das Ende eines Märchens. Für den grossartigen Goalie Reto Berra war es die letzte Saison für die Drachen. Für Legende Julien Sprunger, der trotz besserer Angebote dem Klub über 1186 Spiele die Treue gehalten hat, war es das Ende seiner Karriere. Ein Filmteam hatte ihn für eine Doku («L'Échappée») die ganze Saison begleitet und soll auf Social Media gepostet haben: «Dieses Ende wäre selbst für Netflix zu kitschig gewesen.»

Hat ein Fondue die Götter gnädig gestimmt?

Für mich war es eine der emotionalsten Nächte meines Lebens. Genau deshalb, weil Gottéron über Jahrzehnte das genaue Gegenteil eines Meisters war.

Ich hatte, Hand aufs Herz, nie wirklich an diesen Meistertitel geglaubt. Denn Fribourg war nie ein Gewinnerteam. Wir waren die, die fünf Sekunden vor Schluss noch ein Tor kassierten. Die es in den besten Zeiten bis in den Final schafften – und dort ausgerechnet am SC Bern scheiterten. Welch Schmach.

Der SC Bern. Der Derbygegner, dem man sowieso nichts gönnt. In meiner Stammkneipe, dem Hardys, hängt ein angekokelter Gottéron-Wimpel als Zeuge dieses ewigen Duells – Barbesitzer Pesche ist hartgesottener SCB-Fan.

Während der Spiele lasse ich mich von dieser Rivalität mitreissen und werfe dem Gegner Ausdrücke an den Kopf, die in einer seriösen Zeitung keinen Platz haben.

Nach dem Spiel, ganz besonders nach einem Sieg, trinke ich aber mit jedem ein Bier – auch wenn mir die Klubwahl noch so absurd erscheint. Es gibt sogar SCB-Fans in meinem Kollegenkreis. Als die Mutzen in den Play-Ins gegen Rapperswil ausschieden, tröstete ich einen von ihnen sogar mit einem Fondue, das ich ihm in den Briefkasten stellte. Moitié-Moitié.

Vielleicht war es genau diese Gelassenheit, mit der ich frühere Demütigungen abtat, meine Grosszügigkeit, sogar gegenüber SCB-Fans, die die Hockeygötter dieses Jahr gnädig stimmten.

Weils so schön war: Die besten Szenen des entscheidenden Spiels.

Video: MySports

«Gründen wir jetzt einen neuen Verein?»

Trotzdem fehlte mir und auch vielen anderen Fans der Glaube, dass der Meistertitel Tatsache wird. Das lässt sich auch in den Vereinsstatuten der «Vieille Garde Gottéron» ablesen. Dachte ich zumindest. Der Fanklub aus Bremgarten, dem ich seit einigen Jahren angehöre, löst sich auf, sobald Fribourg Meister wird – so wurde es mir erzählt.

«Gründen wir an der GV einen neuen Verein?», wollte ich kürzlich von unserem Präsidenten wissen. Nach einem Blick in die Statuten stellte sich heraus: Den entsprechenden Paragraphen hat es nie gegeben. Das Gerücht wurde nur so oft erzählt, dass niemand mehr genau wusste, was in den Vereinssatzungen steht.

Noch immer fühlt es sich surreal an: Die neue Saison starten wir als Meister. Wir sind die Gejagten. Und wir werden den Titel verteidigen. Schliesslich ist Fribourg die beste Mannschaft der Schweiz.

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