Das niederländische Startup Euclyd konnte in einer Series-A-Finanzierungsrunde insgesamt gut 230 Millionen US-Dollar einsammeln (rund 200 Millionen Euro). Ganz vorn mit dabei bei den Geldgebern war laut Unternehmensangaben dieses Mal Samsung. Damit investieren die Südkoreaner gezielt in ein Unternehmen, das sich als möglicher neuer Anbieter von Hardware für KI-Rechenzentren etablieren will.
Euclyd wurde erst 2024 gegründet und konzentriert sich vor allem auf Hardware für die KI-Inferenz, also das Ausführen bereits trainierter Modelle. Dabei setzt das Unternehmen nicht auf klassische Grafikprozessoren, wie sie derzeit flächendeckend in KI-Rechenzentren eingesetzt werden, sondern fokussiert eine eigene Prozessor- und Speicherarchitektur, die speziell auf diese Aufgaben zugeschnitten ist.
Nach Angaben von Euclyd soll der Ansatz sowohl den Energieverbrauch als auch die Betriebskosten von KI-Infrastruktur massiv reduzieren können. Ob sich diese Vorteile in großen Rechenzentren tatsächlich erreichen lassen, muss sich allerdings erst noch zeigen. Die Technik befindet sich noch in einer frühen Phase und wurde bislang nicht in kommerziellem Maßstab eingesetzt.
Mit seinem Ansatz positioniert sich Euclyd aber in einem Markt, der derzeit stark von NVIDIA geprägt wird. Deren GPUs bilden die technische Grundlage vieler großer KI-Systeme. Die hohen Kosten für KI-Infrastruktur lassen seit einiger Zeit das Interesse an alternativen Beschleunigern aufkeimen. Neben spezialisierten Startups entwickeln auch große Technologiekonzerne wie Google, Amazon, Meta und OpenAI eigene Chips beziehungsweise Chiparchitekturen für KI-Anwendungen.{nozuna nzgallery}7a3ec3b2-f339-11ee-88a5-000c29322405{/nozuna nzgallery}
Euclyd verfolgt dabei zwei Geschäftsmodelle. Zum einen will das Unternehmen komplette Hardware und Rack-Systeme anbieten, die Unternehmenskunden in ihren eigenen Rechenzentren für KI-Inferenz einsetzen können. Zum anderen soll die entwickelte Chiptechnik lizenziert werden. Andere Unternehmen könnten auf dieser Grundlage eigene Prozessoren entwickeln, ohne die Architektur vollständig selbst entwerfen zu müssen.
Für Euclyd könnte die Beteiligung Samsungs deshalb über die reine Finanzierung hinaus von Bedeutung sein. Der südkoreanische Konzern gehört zu den größten Speicherherstellern der Welt und verfügt über umfangreiche Erfahrung bei Halbleitern, Systemtechnik und globalen Lieferketten. Diese Kompetenzen könnten bei der Entwicklung eines bislang nicht in großen Stückzahlen produzierten KI-Systems eine wichtige Rolle spielen.
Bis aus der Investition tatsächlich ein Konkurrent zu etablierten KI-Beschleunigern entsteht, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Euclyd plant, seine ersten physischen Chipsysteme ab 2028 auszuliefern. Bis 2030 will das Unternehmen dann nach eigenen Angaben mehrere Tausend Unternehmenskunden erreichen.
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