Mit dem Theaterstück „Die große Nein-Tonne“ will die Hannah-Stiftung aus Königswinter Kinder im Kita-Alter vor sexueller Gewalt schützen. Als Pilotprojekt geht das Stück jetzt in 30 Kitas über die Bühne.
Königswinter · Mit dem Theaterstück „Die große Nein-Tonne“ will die Hannah-Stiftung aus Königswinter Kinder im Kita-Alter vor sexueller Gewalt schützen. Als Pilotprojekt geht das Stück jetzt in 30 Kitas über die Bühne.
16.09.2026 , 19:34 Uhr
Ein Geheimnis über eine heimliche, aus Kindersicht unheimliche Berührung besprechen Martine Schrey und Ben Steinhoff von der Theaterpädagogischen Werkstatt im kindgerechten Präventions-Theaterstück „Die große Nein-Tonne“.
Foto: Mario QuadtEine dunkle Wolke hängt heute über der Kindergartengruppe fest: Da ist nämlich dieses eine Kind, das heute ungewöhnlich bedrückt und verschlossen wie eine Auster ist. „Ich habe ein schlechtes Gefühl im Bauch“, sagt es nur. Auf Nachfrage kommt der Grund für die miese Stimmungslage zum Vorschein: „Mein Onkel hat mich so komisch gestreichelt, aber ich mochte das gar nicht“, sagt das Kind. Im Auditorium des Franz-Unterstell-Saals in Thomasberg ist es mucksmäuschenstill, da die Vertreterinnen und Vertreter von rund 30 Kitas aus Königswinter gebannt der Spielszene der Theaterpädagogischen Werkstatt aus Hürth lauschen. Mit dem recht kindgerecht verfassten Theaterstück „Die große Nein-Tonne“ möchte die Hannah-Stiftung Mädchen und Jungen angstfrei vor sexuellem Missbrauch schützen.
Sehr einprägsam kommt die Lösung des Problems daher. Dank Nein-Tonne, die gut sichtbar auf der Bühne des Thomasberger Kulturtempels steht, entschließt sich das Kind dazu, die unangemessene Berührung in Form eines gemalten Bildes ein für alle Mal in der Nein-Tonne zu versenken und dabei auszusprechen, was es partout nicht möchte: „Tonne, Tonne, Deckel auf: Ich habe ein Nein-Gefühl im Bauch“, ruft Schauspielerin Martine Schrey, während ihr Bühnenpartner Ben Steinhoff schon mit großer Geste den Tonnendeckel lüftet. Eben dorthin verschwindet dann das Bild auf Nimmerwiedersehen, begleitet von den Worten „Das will ich nicht, das muss nicht sein. Drum werf ich es rein mit Nein, Nein, Nein!“
In dem von der Hannah-Stiftung finanzierten Stück landet alles, was Kinder aus guten Gründen nicht wollen, in der großen Nein-Tonne.
Foto: Mario QuadtDas etwa 45 Minuten lange Theaterstück für Vorschulkinder „vermittelt altersgerecht und spielerisch die eigenen Gefühle wahrzunehmen, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen, persönliche Grenzen zu erkennen und selbstbewusst ,Nein’ zu sagen“, berichtet Angela Stang-Schlitt, Netzwerkkoordinatorin Kinderschutz der Stadt Königswinter. Und: Gleichzeitig werden Eltern und die pädagogischen Fachkräfte der Kitas einbezogen, damit die Kinder auch über das Projekt hinaus in ihrem Selbstvertrauen gestärkt werden, sagt sie.
Dass dieses Stück über die Bühne gehen kann, ist einer Kooperation der Kommune mit der Königswinterer Hannah-Stiftung zu verdanken. Die wiederum freut sich darüber, dass sich die Bürgerstiftung Königswinter und die Kreissparkassenstiftung für den Rhein-Sieg-Kreis finanziell in das Pilotprojekt einbringen. „Wir haben im Januar mit Bürgermeisterin Heike Jüngling zusammengesessen. Als erste Kita in Königswinter wird der Drachenkindergarten in Thomasberg an dem Präventionsprojekt teilnehmen“, schildern Linda Wiedeck und Hansjürgen Melzer von der Hannah-Stiftung.
Die Hannah-Stiftung gegen sexuelle Gewalt in Königswinter engagiert sich seit ihrer Gründung 2008 aktiv in der Prävention sexualisierter Gewalt an Kindern. Ein Jahr nach dem Tod von Stiftungsgründer Volker Wiedeck im Oktober 2024 entschlossen sich seine Töchter Linda und Jana, das Lebenswerk ihres Vaters fortzuführen, und erfüllten ihm damit einen Herzenswunsch. Der Fokus der Hannah-Stiftung liegt nach wie vor auf der Präventionsarbeit für Kinder im Grundschul- und Kindergartenalter.
Für das Kind mit Nein-Gefühl im Bauch, das den Mut hatte, sich preiszugeben, nimmt das weitere Geschehen nach dem Wurf in die Nein-Tonne einen guten Verlauf: Es wird vom Papa getröstet und der Onkel kommt nie wieder, erfährt es. Auch Themen wie die Teilnahme an gefährlichen Mutproben und weitere Momente, wo es sich lohnt, Nein zu sagen, thematisiert das Stück „Die große Nein-Tonne“ kindgerecht und oftmals interaktiv.
Nach und nach könnten alle Kitas in Königswinter in den Genuss der Theateraufführung kommen, an die sich eine ebenso kindgerechte Gesprächsrunde nach dem Schlussapplaus anschließt. „Ein Kind, das weiß, dass sein Nein zählt, wird in seiner Verantwortung gestärkt“, sagte Beigeordnete Nadja Johnen. „Wir wollen, dass Kinder selbstbewusst aufwachsen.“
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