Es ist die erste von zwei Zusatzshows in der Hauptstadt: Apache macht die Uber Arena zur gigantischen Flugzeugkabine: echter Jet, überdimensionale Wolke. Wer so hoch fliegt, muss allerdings auch irgendwann wieder runter.
Konzert Apache207 in der Uber Arena Apache bleibt ähnlich
Holy Cashcow: 39 Konzerte hat Apache im Rahmen seiner Tour Ende 2025 und Anfang 2026 gespielt. Vier Monate lang war der Musiker in insgesamt 13 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Alle Shows waren ausverkauft, wohlgemerkt (!).
Jetzt folgen im Herbst 18 Zusatzshows in neun Städten, die eben an diese Arena-Tour anschließen. Was für Batzen an Geld dabei zusammenkommen, kann man sich nur ungefähr ausmalen: Das günstigste Ticket gab es für die Zusatzshow immerhin ab 70 Euro. Was ein solcher Tour-Marathon körperlich und mental für einen Künstler bedeutet, ebenfalls.
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Wer am Dienstagabend in die rappelvolle Uber Arena schaut, bekommt jedenfalls eine Ahnung von den Dimensionen. Und das ist erst die erste von zwei Zusatzshows in Berlin. Am nächsten Abend steht Apache schon wieder auf der Bühne.
Gekommen sind am ersten Konzertabend jedenfalls anteilig etwas mehr Frauen: Millennials, Muttis mit Kind, Monis mit Klapphülle vorm Handy. Ist halt radiotauglicher Deutschrap.
Die Bühne ist weit in die Halle vorgerückt und ragt als langer Steg ins Publikum. Noch hängt darüber ein überdimensionaler schwarzer Vorhang.
20:10 Uhr: Auf den Bildschirmen laufen jetzt Bilder aus dem Inneren eines Flugzeugs, gesehen aus der Perspektive eines Passagiers. Typische Bordansage einer Flugbegleiterin im Hintergrund: "Willkommen auf unserem Flug nach Berlin. Die Flugzeit beträgt zwei Stunden."
Dann beginnt ein Bordfilm: "Die Kunst des Fliegens". Zu sehen sind Apaches massive, beringte Hände, wie sie einen Papierflieger falten. "Ab wann ist ein Flieger perfekt?", fragt er und lässt ihn fliegen. Der kleine Flieger verschwindet aus einem Fenster und fliegt hinaus über die Stadt. Kurz darauf ist er plötzlich real in der Arena: riesig, überdimensional schwebt er über den Köpfen der Zuschauer und zieht seine Kreise durch die Halle.
Dann kracht es. Explosionen, Lichtblitze, Laser. Und mit einem lauten Knall fällt der schwarze Vorhang.
Apache 207 in der Uber Arena (Quelle: Feder Musik/Pepe Urbanczyk)
Auf der Bühne steht, wie schon bei den Shows Anfang des Jahres, ein echter Bombardier CRJ-200, Kennzeichen N8477R. Der Jet soll einst für die US-Airline SkyWest im Einsatz gewesen sein. Der heutige Pilot sitzt im Cockpit: Apache.
Das Flugzeug teilt sich horizontal in der Mitte. Die obere Hälfte hebt sich, langsam wird Apache mitsamt der Cockpitsektion aus der oberen Schale des Jets nach unten abgesenkt.
Sehr eindrucksvoll: Vor den Augen des Publikums schwebt Apache im Cockpit nach unten und landet schließlich auf der Bühne.
Der Zwei-Meter-Schrank trägt einen weißen Anzug, der an die Uniformen von Army-Fallschirmspringern erinnert. Seine langen Haare sind zu einem geflochtenen Zopf gebunden, dazu natürlich sein Markenzeichen: die schwarze Sonnenbrille.
Für die kommenden zwei Stunden wird das geteilte Flugzeug und die Tragflächen zu seiner Bühne. Während rund um den Jet auf der eigentlichen Bühnenfläche Apaches Band ihren Platz einnimmt. "Wir fliegen heute durch so viele Zeitzonen, bis aus dem Dienstag- ein Samstagabend wird!", kündigt er an. "Hast du Bock Party mit mir zu machen, Berlin?!"
Die Party ist eine bis ins Detail durchinszenierte Show, wie man sie von dem langhaarigen Riesen längst kennt: Musik, Licht, Videos und Pyrotechnik greifen nahtlos ineinander.
Seine Geschichte verdichtet Apache auf Songs wie "Morgen", "Fame", "Was weißt du schon" immer wieder auf eine einfache Formel: von nichts zu alles. Eine Zeile wie "Mama wurde Millionärin über Nacht" ändert er während der Show kurzerhand in "Multimillionärin über Nacht", was das Publikum mit lautem Jubel quittiert.
Auch sie sind Teil der Inszenierung: Ihre vor der Show ausgehändigten LED-Armbänder blinken synchron zur Musik rot, blau, grün oder gelb und tauchen die Ränge und das Infield vor der Bühne in ständig wechselnde Farben.
Apache ist mittlerweile im Publikum, läuft zu "Wir haben uns lieb" durch die Reihen der Stehplätze im Innenraum, hält Hände, macht Selfies und unterschreibt Shirts. "Wilde Brille", ruft er einem Fan zu, während er die Bühne umrundet.
"Danke für die Geduld", sagt er nach seinem Rundgang in Richtung der Zuschauer auf den Sitzplätzen. "Dafür bekommt jemand meine Krawatte." Er wirft sie einem kleinen Jungen zu. "Ist das deine Mama?"
Dann steigt Apache auf eine riesige, aufblasbare Wolke und lässt sich damit durch die Arena schieben. Oben zündet er sich seelenruhig eine Zigarette an.
Ein kleines Déjà-vu: Fast genau vier Jahre zuvor war Apache schon einmal auf diese Weise durch die Uber Arena unterwegs. Damals auf einem Motorrad, heute auf einer Wolke. Alles beim Alten also. Nur ein bisschen krasser.
Halbzeit. Um das Publikum bei Laune zu halten, erscheint auf den Bildschirmen ein Videospiel in Gameboy-Optik. Die Aufgabe: Die Fans sollen mit ihrer Lautstärke ein Flugzeug durch die Wolken und durch goldene Ringe steuern. Je lauter der Jubel, desto höher steigt der Flieger. Berlin schreit sich auf 10 von 11 Ringen.
Apache hat sich derweil umgezogen. Als er wieder auf die Bühne kommt, trägt er ein Leder-Set im Batiklook. Der geflochtene Zopf ist inzwischen auf, die Sonnenbrille sitzt natürlich noch.
Mit ihm beginnt auch musikalisch die zweite Hälfte der Show. Sie ist härter, schneller, offensiver: Bei Songs wie "Breaking your Heart" knallt es, zu "Spürst du das auch?" schießen Flammen aus den Düsen des Flugzeugs, der Gitarrist lässt Funken aus seiner Gitarre sprühen.
Apache 207 in der Uber Arena (Quelle: Feder Musik/Pepe Urbanczyk)
Nach fast zwei Stunden nahezu durchgängiger Show steht Apache schließlich durchgeschwitzt auf der Bühne. "Den letzten Song solltet ihr alle kennen", ruft er ins Publikum und stimmt seinen Riesenhit "Komet" an. "Und wenn ich geh'. Dann so, wie ich gekommen bin, wie ein Komet". Die Arena singt jede Zeile mit. Und zwar nicht nur laut, sondern erstaunlich melodisch.
"Ich liebe euch für immer! Berlin, dich liebe ich auch. Ich hoffe, du mich auch. Wenn nicht, ist das auch okay."
Was für eine Show. Was für ein Showman. Und trotzdem, um es in der Analogie dieses Abends zu sagen: Wer hoch fliegt, muss irgendwann auch wieder runter.
Also, Riese: Gönn dir mal eine Pause.
Sendung: rbb|24, 16.09.2026, 07:40 Uhr
Audio: rbb|24, 16.09.2026, Sebastian Hampf
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