Maja Zade ist Dramatikerin und Chefdramaturgin der Beriner Schaubühne. Nun hat sie ihren ersten Roman vorgestellt. "Wand an Wand" führt in einem Figuren-Reigen durch ein Alt-Berliner Mietshaus – und sollte am besten als Hörbuch mit Caroline Peters herauskommen.
Buchpremiere von Maja Zade Die lieben Nachbarn
Für ihre Lesung hat die Autorin Maja Zade die passende Buchhandlung gewählt: Uslar & Rai befindet sich auf der Schönhauser Allee in Berlin-Prenzlauer Berg – mitten im Kiez, in dem das Haus ihres Debütromans steht. Zade beschreibt einen großen Altbau mit zwei Hinterhöfen und vielen Parteien. Der Titel "Wand an Wand" ist Programm: Porträtiert werden die Hausbewohner:innen, die Tür an Tür leben. Man kennt sich vom Sehen, spricht mal ein paar Worte, merkt, wenn jemand eine neue Freundin hat. Viel mehr verbindet die Menschen nicht.
Der Aufbau des Romans ist simpel: Jedes Kapitel trägt den Namen eines Hausbewohners oder einer -bewohnerin. Aus dessen oder deren Sicht wird aus der Ich-Perspektive die eigene Lebensrealität geschildert. Als würde man als Leser:in an jede Tür klopfen und eine Tour durch den Kopfinnenraum der Figur erhalten.
Hier lebt die typische Berliner Mittelschicht. Menschen, so möchte die Autorin wohl sagen, die wir zu kennen glauben und die auch in unserem Haus wohnen könnten. Jürgen etwa, der mit seinem Partner neu ins Erdgeschoss gezogen ist. Er hat sich erst nach dem Tod seiner Frau zu seinem Schwulsein bekannt. Jetzt muss er sich mit seiner extrem unsympathischen Tochter auseinandersetzen, die es nur aufs Erbe abgesehen zu haben scheint.
Oder der alleinerziehende Vater Kay, den seine Freundin kürzlich mit dem Baby hat sitzen lassen – was er seiner Umwelt allerdings unbedingt verheimlichen will. Theresa, die kulturbeflissene Lehrerin für Darstellendes Spiel, die sich ziemlich übergriffig in die Leben der anderen mischt. Oder Frauke, die Frau mit der Massagepraxis.
Und vor allem ist da Maja. Sie bekommt gleich drei Kapitel zugeteilt und hält den Roman lose zusammen. Maja trägt nicht nur denselben Vornamen wie die Autorin, sondern auch eine Brille wie sie – und sie ist ebenfalls Schriftstellerin. Darüber hinaus hat die Romanfigur allerdings ein kleines Alkoholproblem, versinkt in ihrem Single-Alltag und sorgt sich um ihre krebskranke beste Freundin Johanna.
Bei der Buchpremiere liest die Schauspielerin Caroline Peters aus eben diesem Maja-Kapitel. Unüberhörbar, dass die Stärke des Romans in seinen vielen beiläufigen, lässigen, genauen und gleichzeitig höchst pointierten Dialogen liegt, geschult an britischer Literatur. Ebenfalls unüberhörbar, dass Maja Zade vom Theater kommt.
Zade ist Chefdramaturgin an der Berliner Schaubühne, schreibt seit einigen Jahren aber auch selbst Theaterstücke, die am Haus uraufgeführt werden. "changes" etwa mit "Tatort"-Kommissar Jörg Hartmann oder "spinne", ein Monolog gespielt von Caroline Peters. Eben dieser Monolog über eine Autorin, die auf ihren Kindheitsfreund trifft, der inzwischen AfD wählt, ist nun ein Kapitel des Romans "Wand an Wand".
Es sei, erklärt Maja Zade, lange unklar gewesen, ob aus dem kompletten Stoff ein Roman oder ein Bühnenstück werden würde. "Dann hat Caroline das Kapitel gelesen und wollte es gern auf die Bühne bringen." Völlig nachvollziehbar, denn Zades Geschichten, die fast ausschließlich aus Dialogen mit präziser Beobachtung und lebensnaher Alltagssprache bestehen, entfalten die größte Wirkung, wenn sie laut gesprochen werden.
Einzelne gesellschaftspolitische Themen werden dabei durchaus gestreift. Mal ist es die Gentrifizierung, mal das Erbe, mal der Rechtsruck. "Mich interessiert, wie die Gesellschaft auseinanderdriftet. Die Polarisierung finde ich interessant", sagt Zade. "Ich habe das so eingestreut, wie ich denke, dass es sich bei den Menschen verhält: Manchmal ist die Politik im Alltag sehr präsent, manchmal weniger."
Sendung: rbb24 Inforadio, 09.09.2026, 08:54 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 09.09.2026,Angela Ulrich, Barbara Behrendt
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