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Wie Influencer die klassische Musik verändern

Дата публикации: 05-09-2026 09:21:29

Sie spielen Beethoven rückwärts, zeigen Fehler beim Üben und erreichen Millionen Menschen online. Klassik-Influencer verändern das Bild der klassischen Musik und bringen eine junge Generation ins Konzert.


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Klassik und Social Media Wie Influencer die klassische Musik verändern

Die Hände eines jungen Musikers liegen auf den Tasten eines Klaviers (Quelle: imago images/Anadolu Agency /Utku Ucrak).
Die Hände eines jungen Musikers liegen auf den Tasten eines Klaviers (Quelle: imago images/Anadolu Agency /Utku Ucrak).
  • Klassik-Influencer erreichen über Tiktok, Instagram und Youtube Millionen Menschen
  • Sie brechen auf Social Media mit Image der makellosen Klassik
  • Viele Followerinnen und Follower besuchen Konzerte der Klassik-Influencer
  • Für Konzerthäuser sind ausgebildete Musikerinnen und Musiker mit großer Social-Media-Reichweite attraktiv

Von Viktoria Kleber Nathalie Daiber

"Jedes Kind weiß, dass das Innenleben eines Klavieres superempfindlich ist und niemals berührt werden sollte von Fingern, Fett, Wasser, Dreck ... oder Knete", sagt der Pianist Louis Philippson, 23, in einem Video auf Tiktok. Und dann klebt er Knete in seinen Flügel. Der klinge nun wie eine gezupfte Geige, fügt Philippson hinzu. Und spielt mit einem Grinsen im Gesicht ein Geigenstück auf dem Flügel. Und ja, Louis Philippson hat die Knete wieder abbekommen.

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Mehr als 800.000 Follower hat der gebürtige Berliner auf Tiktok. Online klebt er nicht nur Knete in seinen Flügel, sondern spielt für seine Followerinnen und Follower Noten, die wie eine Katze aussehen, oder zeigt, dass sich Beethovens Mondscheinsonate auch rückwärts spielen lässt. Louis Philippson mag diesen spielerischen und unterhaltsamen Umgang mit klassischer Musik.

Louis Philippson sitzt bei einem Konzert am Piano (Quelle: picture alliance/Geisler-Fotopress/Ulrich Stamm). Louis Philippson sitzt bei einem Konzert am Piano (Quelle: picture alliance/Geisler-Fotopress/Ulrich Stamm).

Was Louis Philippson aber noch besser kann als Tiktok-Videos zu produzieren, ist Klavierspielen. Erst kam der Erfolg auf Social Media, dann auf der echten Bühne. Der ausgebildete Pianist füllt inzwischen große Konzertsäle wie beispielsweise den Kammermusiksaal der Philharmonie. "Da kommen ganz oft auch Herren und sagen, meine Tochter hat mich mitgeschleppt und ich mag eigentlich überhaupt keine klassische Musik, aber das war richtig toll. Wir sehen uns wieder", erzählt Philippson. Er freue sich, dass er Menschen für klassische Musik gewinnen kann.

Fehler zeigen statt nur Perfektion

Auch Annique Göttler füllt Konzertsäle zum Großteil mit ihren Followerinnen und Followern. Auf Instagram folgen der Pianistin 160.000 Menschen. Hier teilt Annique Göttler Tipps auf Englisch zum Klavierüben: Langsam spielen bei schwierigen Stellen, verschiedene Rhythmen ausprobieren. Und sie nimmt Challenges an: spielt Stücke ungeübt - mit Fehlern. Sie ist überzeugt, dass ihre Nahbarkeit die Social-Media-User auch in ihre Konzerte zieht.

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"In der klassischen Musik ist es eigentlich ganz normal, dass man nur das perfekte Endergebnis auf der Bühne sieht", sagt Göttler. "Aber nicht die eine Million Fehlversuche und die ganzen frustrierenden Momente", erzählt die klassisch ausgebildete Pianistin. Am Anfang habe es sie Überwindung gekostet, Videos mit Fehlern zu teilen. Aber der Erfolg online und auch auf der Bühne gebe ihr Recht, sagt die 31-Jährige.

Annique Göttler spielt Klavier - unter anderem bei Instagram (Quelle: rbb). Annique Göttler spielt Klavier - unter anderem bei Instagram (Quelle: rbb).

Vom Youtube-Video zum realen Konzertbesuch

Für die großen Konzerthäuser sind Klassik-Influencer attraktiv. "Für uns ist es natürlich auch immer eine tolle Chance, nochmal andere Zielgruppen zu erreichen und unsere Reichweite zu erhöhen", sagt Marlene Brüggen, Leiterin der Künstlerischen Planung am Deutschen Symphonie-Orchester Berlin (DSO).

Sie lädt Gastmusikerinnen und Gastmusiker ein und gestaltet so das Programm des DSO. In erster Linie schaue sie darauf, ob die Künstler zum Programm und zum Orchester passen. So wie beispielsweise Hayato Sumino. Dem Pianisten aus Japan folgen auf Youtube fast 1,6 Millionen Menschen. Als er im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin auftrat, hatte Brüggen den Eindruck, dass deutlich mehr junge Leute im Publikum saßen, die ihren Weg zum DSO sonst womöglich nicht gefunden hätten.

Marlene Brüggen vom DSO schaut auf ein Handy (Quelle: rbb) Marlene Brüggen vom DSO schaut auf ein Handy (Quelle: rbb)

"Manche Zuhörerinnen oder Zuhörer kommen in Jogginghose"

Es gebe auch andere Wege, neue Zuhörerinnen und Zuhörer zu erreichen. Das DSO setzt beispielsweise auf außergewöhnliche Spielorte wie den Zoo Berlin und auch auf die sogenannten Casual Concerts. Diese sind kürzer, werden von den Dirigenten direkt moderiert und verzichten auf starre Rituale wie beispielsweise den Dresscode. "Manche Zuhörerinnen oder Zuhörer kommen in Jogginghose zu unseren Konzerten", sagt Brüggen "andere machen sich schick. Beides ist willkommen."

Für Marlene Brüggen steht fest, dass Klassik-Influencer inzwischen eine wichtige Rolle einnehmen. "Sie können klassische Musik vermitteln", sagt sie, "auch wenn nicht alle auf der großen Bühne der alteingesessenen Häuser spielen."

Der Pianist und Klassik-Influencer Louis Philippson bewegt sich bereits auf den großen Bühnen und will auf noch viel größere. Sein Traum ist, einmal im Olympiastadion zu spielen. "Ich liebe es, klassische Musik überall dort zu spielen, wo man sie nicht vermutet", sagt er. Ins Olympiastadion passen mehr als 70.000 Zuhörerinnen und Zuhörer. Vor mehr als 20.000 Zuschauer hat er bereits gespielt, im Sportpalast im belgischen Antwerpen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 03.09.2026, 13:55 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 03.09.2026, Nathalie Daiber

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