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Universitäts- und Stadtbibliothek Köln sucht nach NS-Raubgut in eigenen Beständen

Дата публикации: 24-09-2026 10:03:00

Ein Forschungsteam spürt Bücher auf, die während des Nationalsozialismus unrechtmäßig entzogen wurden, und erforscht dahinterliegende Geschichten / Deutsches Zentrum Kulturgutverluste und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen fördern das Projekt

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Ein Forschungsteam spürt Bücher auf, die während des Nationalsozialismus unrechtmäßig entzogen wurden, und erforscht dahinterliegende Geschichten / Deutsches Zentrum Kulturgutverluste und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen fördern das Projekt

Mit dem Projekt „Ermittlung von NS-Raubgut in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln“ untersucht ein Forschungsteam einen Teil des eigenen historischen Bestands auf Bücher, die infolge der nationalsozialistischen Verfolgung unrechtmäßig in den Besitz der Bibliothek gelangten. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen fördern das Projekt zunächst bis 2028. Das Projektteam strebt eine Anschlussfinanzierung an, um den umfassenden Bestand vollständig auf NS-verfolgungsbedingt entzogene Bücher überprüfen zu können. Obwohl die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln USB schon seit mehr als zwanzig Jahren Provenienzforschung betreibt, erlaubt diese Förderung nun erstmals eine umfassende, systematische Untersuchung.

Viele Bücher des historischen Bestands der USB gehörten ursprünglich einer Vielzahl von Institutionen oder Privatpersonen. Während der NS-Zeit gelangten Bücher auf unterschiedlichen Wegen in den Besitz der USB: Beispielsweise durch Enteignungen oder als beschlagnahmtes Bibliotheksgut etwa von aufgelösten Vereinen, Gewerkschaften oder anderen Organisationen. Oftmals waren Personen auch gezwungen, ihre Privatbibliotheken zu verkaufen, um überleben oder in die Emigration gehen zu können.

Das Ziel des Projekts besteht zunächst in der systematischen Prüfung eines Teilbestands der Historischen Stadtbibliothek Köln auf Verdachtsfälle von NS-Raubgut. In einem zweiten Schritt versuchen die Projektmitarbeitenden, die Herkunft und wechselnden Besitzverhältnisse sowie die Schicksale der Vorbesitzerinnen und Vorbesitzer aufzuklären. Im Fall von NS-Raubgut ermitteln sie zudem mögliche Erben, um mit ihnen zu gerechten und fairen Lösungen zu gelangen. Die Erwerbungs- und Besitzgeschichte sowie die Provenienzmerkmale werden dokumentiert und, sofern rechtlich möglich, auf Plattformen wie dem Kölner Provenienzportal oder der Datenbank „Proveana“ veröffentlicht.

„Die Universität zu Köln fühlt sich den Washingtoner Prinzipien verpflichtet. Mit der systematischen Suche in den Beständen der Universitäts- und Stadtbibliothek nach Raubgut aus der Zeit des Nationalsozialismus und der Erforschung der Provenienzen leistet die Bibliothek einen Beitrag zur Aufarbeitung historischen Unrechts. Ich danke dem Projektteam für diese wichtige Arbeit. Mein Dank gilt zudem dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen für die Förderung“, sagt Professor Dr. Joybrato Mukherjee, Rektor der Universität zu Köln.

Die USB verfügt über etwa 400.000 Bücher, die vor 1945 erschienen sind. „Kriegsbedingt haben sich aber kaum Inventarbücher erhalten. Wir müssen Buch für Buch aus dem Regal ziehen und durchsehen“, sagt Dr. Christiane Hoffrath, Dezernentin der USB für die historischen Bestände und Sammlungen.

Schon seit 2005 widmet sich die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln dem Thema proaktiv und zählt damit bundesweit zu den Vorreiterinnen bei der Provenienzforschung in Bibliotheken. Auch dank der Arbeit von Ehrenamtlichen konnten die Mitarbeitenden der USB bereits zehntausende Bücher untersuchen. Dabei stießen sie etwa auf die Geschichte der Wiener Schwestern Elise und Helene Richter, die ihre umfangreiche Privatbibliothek auflösen mussten, um die fälligen „Judenvermögensabgaben“ bezahlen zu können. Ein großer Teil der Werke gelangte nach Köln. Die Mitarbeitenden konnten den Weg der Bücher nachzeichnen und die Richter-Bibliothek im Jahr 2014 an drei Erbinnen und Erben restituieren.

Das aktuelle Projekt knüpft an diese Erfahrungen an. Das Team geht fest davon aus, durch die erstmalige systematische Erforschung der Provenienzen weiterer Bücher auf individuelle Schicksale zu stoßen, die zu vertieften historischen Erkenntnissen führen und weitere Restitutionen ermöglichen werden. „Der Grundgedanke unserer Arbeit ist: Diese Bücher sind nicht unser Besitz. Wir suchen für sie eine faire und gerechte Lösung“, sagt Dr. Tobias Jansen, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projekts.

Die USB Köln ist die zentrale Universitätsbibliothek der Universität zu Köln und mit einem Bestand von rund 4,4 Millionen Titeln die größte wissenschaftliche Bibliothek Nordrhein-Westfalens. Sie wurde 1920 gegründet und geht zurück auf mehrere Vorgängerinstitutionen, darunter die Historische Stadtbibliothek Köln.

Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Geschichte / Archäologie, Gesellschaft
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
Deutsch

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Классификация: Наука. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 0. Информативность: 11.96. Источник: idw-online.de.