Aus Gründen der Nachhaltigkeit wollte Firmenchef Frank Berchem-Trockle auf seinem Gelände in Lautzkirchen eine Freiflächen-PV-Anlage bauen. Das gehe, sagte sein Energieversorger. Nachdem er viel Geld ausgegeben und die Genehmigung hatte, ging es nicht mehr. Die ganze Geschichte.
Lautzkirchen · Aus Gründen der Nachhaltigkeit wollte Firmenchef Frank Berchem-Trockle auf seinem Gelände in Lautzkirchen eine Freiflächen-PV-Anlage bauen. Das gehe, sagte sein Energieversorger. Nachdem er viel Geld ausgegeben und die Genehmigung hatte, ging es nicht mehr. Die ganze Geschichte.
07.09.2026 , 13:13 Uhr
Auf diesem Teil seines Firmengeländes nahe des Blieskasteler Gollensteins wollte Frank Berchem-Trockle eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage installieren. Die Stromtrasse der Pfalzwerke läuft direkt am Grundstück vorbei (Hintergrund).
Foto: Eric KollingDie Bürokratie ist ein Bremsklotz für die Energiewende – was Umweltschützer immer wieder anprangern, hat sich gerade an einem Fall in Lautzkirchen bestätigt. Im Mittelpunkt steht Frank Berchem-Trockle, Geschäftsführer der Lautzkirchener Sand- und Natursteinwerk GmbH, die in der Straße „Am Papierweiher 2“ ihren Firmensitz hat. Dahinter schließt sich in Richtung Blieskastel-Mitte das rund 30 Hektar große Firmenareal an.
Seit 1927 ist die Firma am Standort, früher befand sich dort ein Kalksandsteinwerk. Berchem verdient dort heute Geld mit dem Transport von Baustoffen wie Kalksandstein, der Vermietung und Verpachtung von Gewerbeflächen, dem Verkauf technischer Schuttgüter und dem Betrieb einer Sandgrube und Erdmassendeponie.
Großen Wert legt er auf Nachhaltigkeit und energetische Autarkie. Vor zwölf Jahren habe er angefangen, Photovoltaik-Module auf den Hallendächern zu verbauen (75 Kw/Peak). Zwei Firmenautos und Gabelstapler seien vollelektrisch, weitere Maschinen würden Schritt für Schritt auf E-Mobilität umgestellt. Das Gelände werde seit rund vier Jahren mit technisch-fachlicher Begleitung nach dem Abbau rekultiviert, so die Biodiversität gefördert und dokumentiert. Es gebe Schutzwälle für Kröten, künstlich-angelegte Zonen für Wildkatzen, Bienenstöcke, renaturierte Bereiche und durch die Maßnahmen eine gewaltige Vielfalt auch an Eidechsen, Fröschen oder anderen Amphibien. Die Steilwand hinter dem Firmensitz werde stets für den, nach einem Mitarbeiter benannten, Uhu „Schorsch“ hergerichtet.
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Oben auf dem Plateau umfasst das Firmengelände nun in 400 Metern Höhe eine große Wiese unweit des Gollensteins, die nicht mehr sinnvoll bewirtschaftet werden kann. Da unmittelbar daneben die Hochspannungstrasse der Pfalzwerke verläuft und gleich an drei Masten eine Einspeisung möglich wäre, kam Berchem-Trockle die Idee, dort eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage zu installieren. Und den Strom direkt ins Netz der Pfalzwerke zu speisen. Gesagt – getan? So einfach ist das in Deutschland nicht.
Der Firmenchef leitete das Prozedere im August 2024 in die Wege – und startete eine Odyssee, über die er im Gespräch mit unserer Zeitung heute nur den Kopf schütteln kann. Die Pfalzwerke erklärten am 25. November 2024, dass sie den erzeugten Strom (zwei Mega-Watt) voraussichtlich abnehmen könnten. Definitiv zusagen könnten sie das aber erst, wenn Baurecht bestehe. Es gelte das Prinzip: „Wer zuerst kommt“. Baurecht lag Ende 2025 vor (siehe Infobox). Noch mal Monate danach kam die Absage der Pfalzwerke, die sich vorher nie angedeutet hatte: Die Trasse, dem Umspannwerk Herbitzheim zugeordnet, könne nun den Strom nicht mehr aufnehmen. Sie sei „durch in Betrieb befindliche Erzeugungsanlagen als auch durch bereits vor Längerem zugesagte Leistungen für weiter fortgeschrittene Projekte überplant“. Auch in naher Zukunft sei kein Ausbau vorgesehen.
Frank Berchem-Trockle zeigt auf einer Karte, wo auf seinem Firmengelände die Freiflächen-PV-Anlage geplant war.
Foto: Eric KollingBerchem-Trockle ärgert sich über mehrerlei: dass das Genehmigungsverfahren so lange gedauert hat. Aber auch darüber, dass die Pfalzwerke erst lange nicht antworteten und vertrösteten, dann überraschend rotes Licht für das Projekt geben. Für ihn ein Fall von Intransparenz. Auch hätte er sich gewünscht, dass Planungsalternativen aufgezeigt worden wären.
Wie äußern sich die Pfalzwerke? Sprecher Yannick Mildner erklärt zu der viermonatigen Zeitspanne, ehe die Absage verschickt wurde, dass vor einer abschließenden technischen Bewertung durch die Pfalzwerke Netz AG erst alle erforderlichen Unterlagen vorliegen und Prüfungen beendet sein müssten. „Die Bearbeitungszeit war darüber hinaus durch die seit 2025 außergewöhnlich hohe Zahl an Netzanschlussanfragen im Mittel- und Hochspannungsnetz beeinflusst.“
Welche Anlagen genau zwischenzeitlich ans Netz gingen und letztlich zur Absage führten, sagt er aus „Gründen der Vertraulichkeit“ nicht. Es bleibt unklar, warum anderorts offenbar die Abnahme von Strom verbindlich zugesagt war, man Berchem-Trockle hingegen den Eindruck „Wer zuerst kommt“ vermittelte. Maßgeblich für Netzanschlusskapazitäten seien nicht „kommunale Planungs- oder Genehmigungsverfahren“, so Mildner. Es sei zudem eine Anschlussvariante geprüft worden, nach eigener Einschätzung sei diese aber mit „unverhältnismäßig hohen Anschlusskosten für den Projektentwickler verbunden gewesen“. Ob man sie Berchem-Trockle daher gar nicht erst mitgeteilt hat?
Und was sagt das Land zum Tempo der Flächennutzungsplan-Teiländerung? Laut Innenministeriums-Sprecher Jörg Hektor war der Antrag der Stadt Blieskastel am 7. August 2025 in seinem Haus angekommen. Genehmigt worden sei er am 25. November 2025. Hektor: „Die Verzögerung ist im Wesentlichen auf unvollständige beziehungsweise fehlende Antragsunterlagen der Stadt Blieskastel zurückzuführen, die diese erst später und in mehreren Tranchen nachgeliefert hat.“
Für Berchem-Trockle alles kein Trost, er sieht ein strukturelles Problem in Deutschland. Genehmigungsverfahren und Netzausbau müssten besser abgestimmt werden. Er steht nun vor der Situation, keine Energie erzeugen und einspeisen zu können, obwohl er für die Projektgenehmigung, Grundstückszukäufe, Aufbereitung der Flächen und B-Plan-Verfahren fast 100.000 Euro ausgeben musste. Dort wo die Anlage hinsollte, hat er die Wiese nun mit regionalem, ökologischem Saatgut aufgewertet. (dbo)
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