Reichweite auf Social Media sei nur der Anfang. Erst durch Relevanz bekomme der Creator eine Community, die sich mit ihm identifiziere, sagt eine Expertin auf der Fachmesse DMEXCO. Wie der Weg dorthin funktioniert.
Stand: 26.09.2026, 10:30 Uhr

Reichweite auf Social Media sei nur der Anfang. Erst durch Relevanz bekomme der Creator eine Community, die sich mit ihm identifiziere, sagt eine Expertin auf der Fachmesse DMEXCO. Wie der Weg dorthin funktioniert.
Köln (KNA) – Auf Social Media viral gehen sei selbst für hauptberufliche Creator selten, sagt Ann-Katrin Schmitz. Die Gründerin der Social Media-Weiterbildung „Baby Got Business“ gab auf der DMEXCO – der Fachmesse für digitales Marketing – Tipps, wie es trotzdem funktionieren kann.
Artikel der KNADieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Ein Creator ist eine Person, die digitale Inhalte wie Videos, Fotos, Texte, Podcasts oder Grafiken erstellt und diese im Internet veröffentlicht.
Viral gehen bedeutet, dass ein Account mindestens zehnmal so viele Aufrufe bekommt wie der Durchschnitt – er muss sich also innerhalb kürzester Zeit rasant verbreiten. In Deutschland schafften das nur 28 Reels pro Tag, sagt Expertin Schmitz. Fast die Hälfte der hauptberuflichen Creator gehe nur alle zweieinhalb Monate viral.
„Ein bisschen crazy sein“Statt die Reichweite einzig durch häufigere Posts zu erhöhen, setzt Schmitz auf folgende Tipps: Creator sollten besondere Events, die zu ihrer Zielgruppe passen, bei ihren Beiträgen mitnehmen. Das könne etwa die neue Staffel der US-amerikanischen Serie ‚Off Campus‘ sein oder der Marathon in Berlin. Zweitens: „Probiert euch mit Formaten und Formen aus.“ Also das Handy mal wieder quer halten oder ohne Untertitel arbeiten - „seid mal ein bisschen crazy“.
Auch Humor und Selbstironie können sich auf die Reichweite auswirken. „Das ist eigentlich auf der Welt immer noch der kleinste gemeinsame Nenner, den wir alle haben. Auch in schwierigen politischen Zeiten, die sich auch ins Internet übertragen.“ Und am Ende lohne es sich, durchzuhalten und kontinuierlich zu posten. „Es geht nicht darum, eine Woche jeden Tag zu posten, sondern es ist ein Marathon“, sagt Schmitz, im besten Fall mit einer durchdachten Strategie hinter den Posts.
Von der Reichweite zur IdentifikationDoch wie wird aus der Reichweite eine Community, die sich mit dem Creator identifiziert? Das passiert, wenn man Lust auf Engagement macht, sagt Nadin Rabaa, Creator Partnership Managerin bei Spotify. Damit meint sie etwa Kommentare unter Posts oder den Kauf von Produkten. Das sei die Basis, „dass man Lust hat, seine Zeit, die ja auch rar gesät ist, mit Creatoren zu verbringen“ – egal ob bei Podcasts, auf Snapchat oder einer anderen Plattform.
Auch Authentizität spielt eine große Rolle – also, sich auf eine Weise zu zeigen, mit der sich andere vergleichen und identifizieren können. Das geschehe durch Haltung und sei die Grundlage, damit die Community den Merch kauft oder eine Tour besucht.
Interaktion mit der CommunityAls Vorbild betrachtet sie den Hobbylos-Podcast von Julien Bam und Rezo. Deren Community nennt sich Lobbyhoes. „Das ist eine extrem starke Community“, sagt Rabaa, sie schreiben zwischen den einzelnen Episoden durchschnittlich rund 700 bis 1.000 Kommentare unter die Beiträge. „Wenn die zwei zum Beispiel aufrufen, für einen Zuschauerpreis abzustimmen, sind sie direkt am Start.“ Das liege auch daran, dass die beiden stark mit ihrer Community interagieren.
Auch von US-Youtuber MrBeast könne man sich etwas abschauen, sagt Tobias Schiwek, Hauptgeschäftsführer des Medienunternehmens „We are era“. Der mache nur noch einen kleineren Teil seines Umsatzes mit Videos. Der größere Teil komme aus dem, was aus der Community heraus entstehe, sagt Schiwek. „Das Narrativ von ihm von Anfang an war ja: Wenn wir uns zusammentun, können wir etwas Neues schaffen“, sagt er. Das Gefühl der Community, mitgebaut zu haben, „ist ein wahnsinnig starkes, stabiles Fundament, auf dem man stehen kann“.
Ähnliche Werte verbindenWem Menschen sich zuwenden, sei genauso wie in der Steinzeit: „Menschen folgen Menschen, die mein Wertesystem haben, weil ich ihnen nicht erklären muss, warum ich wegrenne, warum ich froh, traurig, ängstlich bin“ – und das funktioniere übers Geschichten erzählen.
Ein Creator habe die Funktion, Menschen zusammenzubringen, die sonst nichts miteinander zu tun gehabt hätten. Als besonders deutliches Zeichen, dass das klappt, betrachtet Schiwek viele geteilte Beiträge. Das machten Konsumierende vor allem, wenn der geteilte Beitrag etwas über die eigene Lebenseinstellung aussage. Deshalb sei es wichtig, sich zu überlegen, warum man etwas erzählt und wie.
Wenn der Creator dann mit seinen Werten sichtbar sei, werde er relevant, sagt er. Letztlich geht es um die Frage: „Was kann ich dieser Community geben, damit ich nicht egal bin?“ Wenn das funktioniere, werde man vermisst, wenn man nicht mehr da sei. (Madita Steiner)
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