Am 25. Oktober werden in der Nacht von Samstag auf Sonntag einmal wieder die Uhren umgestellt. Viele fordern das Aus der Zeitumstellung. Dies könnte aber schädlich sein - und es gäbe auch technische Herausforderungen.
Zweimal im Jahr wird in Deutschland, aber auch in anderen EU-Ländern, über Sinn und Unsinn einer Maßnahme heftig diskutiert: Am Sonntag, 25. Oktober 2026, werden die Uhren wieder auf Winter- oder Normalzeit gestellt. Das bedeutet, dass die Zeit eine Stunde zurückgestellt wird, von 3 auf 2 Uhr. Abends wird es dann eine Stunde früher dunkel, während morgens früher die Sonne aufgeht.
Warum stellen wir überhaupt die Uhren um?
Die Umstellung von der Winterzeit, die eigentlich die "Normalzeit" ist, auf die Sommerzeit wurde in Deutschland erstmals während des Ersten Weltkrieges eingeführt. Schon damals lautete die Begründung: "Energiesparen". Nach Kriegsende wurde die Zeitumstellung abgeschafft, im Zweiten Weltkrieg dann erneut eingeführt und 1949 wieder abgeschafft. 1980 wurde die Zeitumstellung dann ein letztes Mal eingeführt – ebenfalls aus Energiespargründen. Und dieser Zustand gilt bis heute. Man wollte das Tageslicht besser nutzen, im Sommer kann die Beleuchtung in Wohnräumen länger aus bleiben.
Ein Wegfall der Zeitumstellung könnte fatal sein
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Ob Haushalte durch die Umstellung auf Sommerzeit tatsächlich Energie sparen können, ist allerdings umstritten. Studien zeigen, dass Haushalte im Frühling und Sommer zwar weniger Strom für Licht verbrauchen, dafür läuft aber im Frühling und Herbst morgens die Heizung länger.
Eigentlich sollte die Zeitumstellung längst in den Geschichtsbüchern sein. Schon im Jahr 2019 stimmte das EU-Parlament dem Vorschlag der EU-Kommission zu, die saisonale Umstellung bis 2021 abzuschaffen. Eine EU-weite Online-Umfrage im Jahr 2018 ergab zuvor eine überwältigende Mehrheit (über 80 Prozent) für die Abschaffung der Zeitumstellung, wurde jedoch nicht als rechtlich bindendes Referendum, sondern als Stimmungsbild gewertet. Besonders hierzulande ist die Zeitumstellung ein kontrovers diskutiertes Thema: rund 3 Millionen der insgesamt 4,6 Millionen Teilnehmer der Umfrage kamen aus Deutschland.
Seither liegt der Ball bei den EU-Mitgliedstaaten. Sie müssen entscheiden, ob sie die saisonale Zeitumstellung abschaffen wollen und ob sie eine dauerhafte Sommerzeit oder dauerhafte Normalzeit wollen. Eine EU-weite Einigung gibt es aber bisher nicht. Möglicherweise gibt es nun Alleingänge: Italien unternimmt seit Ende 2025 konkrete Schritte, um die halbjährliche Zeitumstellung abzuschaffen und dauerhaft die Sommerzeit (ora legale) einzuführen.
Was würde die ständige Sommerzeit bedeuten?Auch eine Mehrheit der Deutschen (55 Prozent) ist laut einer Umfrage der DAK für eine ständige Sommerzeit. Nur 37 Prozent würden die Winterzeit – also die Normalzeit – dauerhaft beibehalten wollen.
Eine ständige Sommerzeit würde im Winter dafür sorgen, dass es abends länger hell bleibt. Das würde beispielsweise Freizeitsportler freuen: Wer etwa bis 16.30 Uhr arbeitet, kann dann selbst Ende Dezember noch eine Stunde in Helligkeit draußen Sport treiben. Und Gastronomen dürften auch erfreut sein: Bei milden Temperaturen und viel Sonne, was es etwa im November oder März immer öfter gibt, würden viele nochmal nach der Arbeit einen Biergarten aufsuchen.
Die Kehrseite der Medaille: An vielen Tagen im Dezember und Januar würde es erst ab 9 Uhr hell werden, was vor allem für all jene Menschen ein Problem wäre, die vorher aufstehen müssen, etwa für Schule oder Arbeit. Solange es draußen noch dunkel ist, produziert der Körper das Schlafhormon Melatonin. Dieses macht uns müde. Erst bei ausreichendem Sonnenlicht reduziert der Körper die Melatonin-Produktion. Das bedeutet: Bei dauerhafter Sommerzeit gehen wir ins Bett, obwohl wir noch gar nicht müde sind, stehen aber umgekehrt auf, obwohl wir noch gar nicht ausgeschlafen sind.
Daher sind Versuche, eine ewige Sommerzeit einzuführen, bereits gescheitert, beispielsweise von 2011 bis 2014 in Russland: Depressionen haben zugenommen, viele waren aufgrund der Müdigkeit unkonzentriert oder schlecht gelaunt und auch die Unfallrate ist gestiegen. Seither gilt dort die dauerhafte "Normalzeit".
Was würde die ständige Normalzeit bedeuten?Die Sommerzeit stimmt also nicht mit dem natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus des Körpers überein. Dieser richtet sich nach der Sonne und nicht nach der Uhrzeit. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin spricht sich daher für eine dauerhafte Winterzeit, also die Normalzeit, aus.
Die Nachteile dieser Regelung sind - neben dem dann wegfallenden Energiespareffekt (wenn es ihn gibt) - eher im wirtschaftlichen Sektor zu suchen. Ende Juni wird es in einigen Regionen Deutschlands dann schon vor 4 Uhr hell. Die meisten dürften da noch schlafen, ihnen bringt also die frühe Helligkeit nichts. Dafür geht im Spätsommer die Sonne schon ab 18 Uhr unter und im Frühling/Herbst gar schon ab 17 Uhr. Freizeitaktivitäten wie der Besuch im Biergarten nach der Arbeit oder ein Spaziergang zum Shopping in die Fußgängerzone fallen also möglicherweise aus, da es schnell zu kalt und dunkel wird.
An ganz heißen Sommertagen, die wir im vergangenen Sommer ja häufig erlebt hatten, profitieren viele derzeit noch von der Sommerzeit: Da es etwa um 9 Uhr noch erträgliche Temperaturen gibt, treiben viele noch draußen Sport oder nutzen die Gelegenheit zur Gartenarbeit oder andere Aktivitäten im Freien. Bei dauerhafter Normalzeit könnte es den meisten um die gleiche Uhrzeit schon zu heiß dafür sein, man müsste also früher aufstehen, was mit Sicherheit nicht jedermanns Fall ist.
Letztlich gibt es also durchaus Gründe, die Zeitumstellung abzuschaffen, aber auch ebenso welche, sie dauerhaft beizubehalten.
Was bedeutet eine Beibehaltung oder Abschaffung der Sommerzeit für technische Geräte?
Ein oft übersehener Aspekt sind die Auswirkungen der Zeitumstellung auf technische Systeme. Dabei gibt es jeweils Vor- und Nachteile, egal, ob die Zeitumstellung beibehalten wird oder nicht. Aktuell müssen viele technische Geräte noch manuell umgestellt werden - von der simplen Armbanduhr oder der Digitaluhr an Hausgeräten bis zu vielen sicherheitsrelevanten Geräten wie Alarmanlagen, Zeiterfassungssysteme, Schließsysteme oder Videoüberwachungen, die oft zeitgesteuert sind. Wenn diese Systeme nicht korrekt synchronisiert werden, kann es zu Fehlfunktionen oder Sicherheitslücken kommen.
Die Zeitumstellung ist für viele technische Geräte eine Herausforderung
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Umgekehrt sind viele technische Geräte derzeit auf die Zeitumstellung vorbereitet. Windows-PCs etwa stellen die Uhrzeit bei aktivierter Option automatisch auf Sommer- oder Winterzeit um. Auch bei vielen anderen modernen Gadgets wie Smartphones oder Digitalradios geschieht die Zeitumstellung vollautomatisch. Die meisten Smartphones beziehen die Uhrzeit automatisch von Zeitservern im Internet. Während sie offline sind, läuft die zuletzt geladene Uhrzeit in der lokalen Uhr weiter.
Würde die Zeitumstellung abgeschafft, könnte es Geräte geben, die ein Problem bekommen, da die Firm- oder Software von der Zeitumstellung ausgeht und so programmiert ist. Ohne entsprechende Updates oder - sofern überhaupt möglich - manuelle Konfiguration würde weiter wie bisher die Sommer- und Winterzeit angezeigt, obwohl es die Zeitumstellung dann gar nicht mehr gibt.
Noch chaotischer sähe die Lage aus, wenn in Europa ein Land die dauerhafte Sommerzeit einführt, der Nachbar die dauerhafte Winterzeit und wiederum andere die Zeitumstellung in bisheriger Form beibehalten würden. Ein solcher Flickenteppich würde Branchen wie die Luftfahrt, den Schienenverkehr und die Logistik vor große Herausforderungen stellen, da verlässliche, grenzüberschreitende Flug- und Fahrpläne erschwert werden.
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