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Claude Julien ist eine NHL-Ikone. Der neue ZSC-Coach weiss, dass in Zürich nur der Meistertitel gut genug ist

Дата публикации: 15-09-2026 03:30:00

Die ZSC Lions starten als Favorit in die National-League-Saison – auch dank einem Kontingent von sieben Nationalspielern. Der im Sommer eingesetzte Coach Claude Julien soll das Team wie seine Vorgänger Marc Crawford und Bob Hartley zur Meisterschaft führen.

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Claude Julien ist eine NHL-Ikone. Der neue ZSC-Coach weiss, dass in Zürich nur der Meistertitel gut genug ist

Die ZSC Lions starten als Favorit in die National-League-Saison – auch dank einem Kontingent von sieben Nationalspielern. Der im Sommer eingesetzte Coach Claude Julien soll das Team wie seine Vorgänger Marc Crawford und Bob Hartley zur Meisterschaft führen.

15.09.2026, 05.30 Uhr

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Ein prominenter Coach für das Zürcher Starensemble: der Kanadier Claude Julien.

Ein prominenter Coach für das Zürcher Starensemble: der Kanadier Claude Julien.

Claudio Thoma / Keystone

Mit Druck muss man Claude Julien nicht kommen, schon gar nicht an einem milden Donnerstagmittag Anfang September im beschaulichen Zürich. Julien, 66, ist einer der erfolgreichsten Trainer der NHL-Geschichte, in der ewigen Bestenliste liegt er mit 667 Siegen auf Rang 16.

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Julien coachte lange in Boston und Montreal, zwei der schwierigsten, anspruchsvollsten Eishockeybastionen der Welt. Mit angriffslustigen Medien, die täglich umfassend über die Teams berichten und jede Niederlage sezieren. Julien wirkte sechseinhalb Jahre in Montreal, wo das Eishockey als Ersatzreligion gilt. Und neuneinhalb Jahre in Boston, 2011 gewann er mit den Bruins den Stanley-Cup. Nach dem Sieg in der Belle in Vancouver kam es in der kanadischen Metropole zu Ausschreitungen, bei denen knapp 150 Menschen verletzt wurden.

Julien hat ein paar Dinge erlebt in seiner langen Karriere in diesem Sport. Entsprechend lässt er sich mit vorwitzigen Bemerkungen kaum aus der Reserve locken, nicht 2026, nach mehr als 40 Jahren im Metier. Aber versuchen kann man es ja trotzdem. Ob er zustimme, dass nur der Meistertitel gut genug sei für diese Mannschaft, für seine Mission in Zürich? «Championship or bust», so verdeutlicht Julien seine Alles-oder-nichts-Mentalität, es ist ein alter Trick geübter Medienprofis, um ein bisschen Zeit zu gewinnen, bis man sich die Antwort zurechtgelegt hat. Dann sagt er: «Wissen Sie, die Ansprüche von aussen interessieren mich nicht. Ich habe hohe Ansprüche. Unsere Spieler haben hohe Ansprüche. Das ist das, was zählt.»

Julien ist kein Entertainer, sondern ein Workaholic

Richtig ist die Losung natürlich trotzdem. Der ZSC hat eine Mannschaft, die heute gewinnen muss, fast alle Schlüsselspieler könnten mittlerweile Ü-30-Partys frequentieren. Der Klub hat keine Zeit für Experimente, nicht zuletzt entliess er Marco Bayer im Frühjahr und ersetzte ihn durch Julien. Der ZSC-Sportchef Sven Leuenberger vertraut darauf, dass die alte Losung weiterhin Gültigkeit hat: Ein prominenter kanadischer NHL-Trainer kombiniert mit dem Zürcher Luxuskader gleich Meistertitel – so war es 2012 bei Bob Hartley, so war es 2014 und 2024 bei Marc Crawford.

Juliens Palmarès soll helfen, dem Kollektiv den Schlendrian auszutreiben; gegen Bayer war immer wieder die Vorhaltung zu hören gewesen, er sei zu nett. Die Hoffnung ist entsprechend, dass Julien noch nicht altersmild geworden ist.

In der NHL wirkte der Kanadier zuletzt als Assistenztrainer der St. Louis Blues; er sagt, es sei sein Wunsch gewesen, ins zweite Glied zu treten. Julien ist das Gegenteil seiner flamboyanten Vorgänger Crawford und Hartley, kein Showman, sondern ein nüchterner Workaholic. Er sagt: «Ich finde es problematisch, wie schnell man überhöht wird. Ich bin nur ein Mensch wie jeder andere auch. Wissen Sie: In meiner perfekten Welt wäre ich Coach, aber wenn ich aus der Eishalle träte, kennte mich keiner. Ich liebe das Eishockey. Und weniger das ganze Drumherum. Als Assistent steht man weniger im Scheinwerferlicht. Ich konnte mich voll auf die Arbeit mit den Spielern fokussieren und habe das genossen.»

In der Schweiz dürfte er sich um seine Ruhe und die Anonymität keine Sorgen machen müssen. Er hat Land, Leute und Liga im Winter 2022 kennengelernt, als Ambri-Piotta ihn für mehrere Wochen als Berater engagierte. Der damalige Ambri-Coach Luca Cereda sagt: «Er war jeden Morgen um 7 Uhr im Büro und hat sich richtig reingekniet, sein Enthusiasmus für den Job war ansteckend.»

Julien sagt, er habe als Spieler schnell realisiert, dass er mehr machen müsse als andere, weil es ihm an Talent gefehlt habe. Das Arbeitsethos habe er sich bewahrt. «Mir wurde als Spieler nichts geschenkt. Das bildet den Charakter. Und es hat mir als Trainer sehr geholfen. Wayne Gretzky zum Beispiel hatte Mühe, zu verstehen, dass nicht alle über ein so hohes Spielverständnis verfügen wie er. Darum war es für ihn als Coach schwierig.»

Seine erste Station in Europa waren die Français Volants Paris in der Saison 1986/87. Er war ein junger, mittelmässig begabter Verteidiger, der in Nordamerika an Ort trat. Frankreich war ein potenzielles Abenteuer, eine Verheissung. Aber Julien tat sich schwer mit dem Laissez-faire.

Als die Mannschaft sich in die Weihnachtsferien verabschiedete, dachte er darüber nach, abzureisen, so unprofessionell fand er das. Er blieb und trainierte jeden Tag selbst. In 36 Partien gelangen ihm 65 Skorerpunkte. Er verdiente 30 000 kanadische Dollar und fand das eine Menge Geld.

In der NHL erhielt er in Montreal jährlich fünf Millionen Dollar. Dass er sich auf den ZSC einlässt, ist eine Art Liebesbeweis ans Eishockey; Julien ist nicht auf die Einnahmen angewiesen. Seine Partnerin ist selbständig, sie berät Unternehmen, wie sie KI in ihren Alltag integrieren können. Das ZSC-Management war davon beeindruckt, wie geschickt Julien die Klaviatur der modernen Technik bespielt.

Der Vertrag des Meistermachers Leuenberger läuft aus

Der Sportchef Leuenberger hat die ohnehin schon hochkarätige Equipe noch einmal aufgewertet. Mit dem Verteidiger Tim Berni (26, Genf/Servette) und dem Stürmer Simon Knak (24, Davos) sind zwei weitere Nationalspieler zum ZSC gestossen. Es sind neben Sven Andrighetto, Nicolas Baechler, Dean Kukan, Denis Malgin und Christian Marti die Spieler Nummer 6 und 7, die im Mai zum Schweizer WM-Kader gehörten und in Zürich die Silbermedaille gewannen. Die Fülle an Qualität ist ebenso beeindruckend wie einmalig – und sie verpflichtet.

Juliens Vorgänger Bayer gewann 2025 die Champions Hockey League und den Meistertitel. Im Frühling wurde er nach dem Aus im Play-off-Halbfinal entlassen; der ZSC hat in seiner Geschichte schon mehr Geduld gehabt. Der Klub steht vor wegweisenden Monaten: Der neue Präsident Lorenz Frey-Hilti muss entscheiden, wer 2027 die Nachfolge des CEO Peter Zahner antritt, der im Januar 66 wird. Der Vertrag des 2017 eingesetzten, sehr erfolgreichen Managers Leuenberger endet zum Saisonende.

Das sind die Baustellen neben dem Eis. Darauf braucht der ZSC Siege, er steigt als Favorit in die am Dienstag mit einem Heimspiel gegen den SC Bern beginnende Saison. Und wird froh sein, für einmal keine Energie auf die Champions Hockey League verwenden zu müssen. «Jetzt liegt es an mir, oder?», hat Julien im Sommer lachend gesagt, als er darauf angesprochen wurde, dass Crawford und Hartley dem ZSC beide Meistertitel beschert hatten. Es war eine treffende Analyse.

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Der Kanadier erhält beim Eishockeyklub einen Zweijahresvertrag. Seine Verpflichtung bedeutet für den Liga-Primus eine Rückkehr zu den Wurzeln.

Der Zürcher Klub verabschiedet den Trainer, mit dem er 2025 noch die Meisterschaft und die Champions Hockey League gewonnen hat. Es ist ein harter Entscheid, aber der ZSC hat weder Zeit noch Musse für geduldige Experimente.

Sportliche Leiter wachsen in einen Beruf hinein, der komplex und anforderungsreich ist. Die Burnout-Gefahr ist grösser geworden – auch weil die Klubs das Spieler-Trading intensivieren.

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