Für den Rhein-Kreis Neuss und seine acht Kommunen ist die Fachmesse „Expo Real“ in München Bühne und Kontaktbörse. 17 Projekte für Gewerbe und Wohnen stellen sie dort gemeinsam vor. Was sich Landrätin Katharina Reinhold davon verspricht.
01.10.2026 · 04:50 Uhr
Für Landrätin Katharina Reinhold ist es die erste Expo Real – im Interview spricht sie über Ihre Erwartungen und die Projekte, die dort vorgestellt werden.
Foto: Rhein-Kreis Neuss/Andreas BaumInterview | Rhein-Kreis Neuss · Für den Rhein-Kreis Neuss und seine acht Kommunen ist die Fachmesse „Expo Real“ in München Bühne und Kontaktbörse. 17 Projekte für Gewerbe und Wohnen stellen sie dort gemeinsam vor. Was sich Landrätin Katharina Reinhold davon verspricht.
Frau Reinhold, als Partner der Standgemeinschaft „Standort Niederrhein“ ist der Rhein-Kreis Neuss zum 25. Mal auf der Immobilienmesse Expo Real vertreten. Für Sie ist es als Landrätin das erste Mal. Mit welchen Erwartungen reisen Sie nach München?
Katharina Reinhold Wir wollen natürlich den Rhein-Kreis Neuss mit seinen acht Kommunen bestmöglich präsentieren und schauen, wie sich die Gewerbeflächenvermarktung in den vergangenen Jahren entwickelt hat: Wo stehen wir auch im Vergleich zu den Metropolen in der Nachbarschaft? Ich möchte den Kreis nicht zwischen diesen beiden Großstädten sehen, sondern als eigene Marke. Deshalb treten wir dort gemeinsam so stark am Niederrhein-Stand auf. Wir wollen Investoren auf den Wirtschaftsstandort Rhein-Kreis Neuss aufmerksam machen, unsere Innovationsstärke vermitteln und Chancen der Transformation aufzeigen. Für mich ist es eine Premiere in diesem Jahr und ich freue mich wirklich sehr darauf.
Was macht den Messeauftritt im fernen München für die Niederrheiner so attraktiv?
Reinhold Dort kommen alle Entscheidungsträger zusammen und nutzen die Gelegenheit, sich auszutauschen. In den letzten 16 Jahren hat sich die Besucherzahl nahezu verdoppelt – von 21.000 im Jahr 2009 auf 41.000 im vergangenen Jahr. Das zeigt, welche Strahlkraft diese Messe hat – nicht nur bundesweit, sondern auch europaweit und sogar weltweit. Da sehe ich für den Rhein-Kreis Neuss eine große Chance, sich gut zu präsentieren. Gemeinsam mit den anderen Playern aus der Region.
Der Rhein-Kreis Neuss präsentiert sich mit seinem acht Kommunen wieder am Gemeinschaftsstand der Standort Niederrhein GmbH.
Foto: Frank KirschsteinGibt es Konkurrenzsituationen? Etwa im Hinblick auf die von Ihnen angesprochenen Metropolen.
Reinhold Wir sind gut und eng gemeinsam unterwegs, trotz aller Rivalitäten, die man untereinander pflegt, etwa mit Düsseldorf und Köln. Das belebt ja auch. Ich bin mit beiden Oberbürgermeistern in sehr gutem Austausch. Schließlich haben wir alle verstanden, dass wir interkommunal besser zusammenarbeiten müssen. Nicht nur wir hier im Rhein-Kreis Neuss.
In Sachen Internationalität haben Grevenbroich und der Rhein-Kreis Neuss gerade durch den angekündigten Bau eines Rechenzentrums von Microsoft von sich reden gemacht. Was erwarten Sie von der Ansiedlung des US-Konzerns?
Reinhold Das freut mich zunächst einmal natürlich sehr. Ich bin davon überzeugt, dass dadurch ein Ruck durch die Region gehen wird. Ein so großer Player wird nicht nur unmittelbar Arbeitsplätze entstehen lassen, sondern ausstrahlen und weitere Unternehmensansiedlungen im Umfeld anziehen, ganz besonders im Rhein-Kreis Neuss. Wir werden dazu beitragen, ein gutes Arbeits- und Lebensumfeld sicherzustellen.
Woher kommen die Arbeitskräfte? Und wie können sich Kreis und Kommunen darauf vorbereiten?
Reinhold Ich denke schon, dass die Fachleute nicht nur deutschlandweit oder europaweit, sondern auch weltweit angezogen werden. Es ist ganz wichtig, dass wir das alle gemeinsam begleiten. Unser Strukturwandel-Team arbeitet gemeinsam mit anderen Akteuren schon daran, wie genaue Qualifikationsanforderungen aussehen können und hierauf geschult werden kann.
Dafür sollte die Expo Real als Plattform für die Vermarktung und Entwicklung von Wohn- und Gewerbeflächen doch ideal sein. Welche Projekte stellen Kreis und Kommunen vor?
Reinhold Alle acht Kommunen des Kreises sind in München vertreten, sechs davon mit eigenen Projekten. Von den insgesamt 17 Vorhaben kommen acht aus dem Bereich Gewerbe, fünf verbinden Gewerbe und Wohnen, vier sind dem Wohnen vorbehalten. Neu dabei sind das Wohnquartier Hauptstraße Glehn und der Robert-Bosch Gewerbe Campus in Korschenbroich. Unser Fokus liegt darauf, uns gemeinsam auf der Expo zu präsentieren, so unterschiedlich die Kommunen auch sind, allein schon von der Größe. In dem Zusammenhang möchte ich betonen, dass die Wirtschaftsförderung mit Robert Abts, Dominik Hintzen und Alana Voigt die interkommunale Zusammenarbeit in dem Bereich auf ein neues Level gehoben hat.
Wie kommt das bei den Unternehmen an?
Reinhold Großen Unternehmen ist es oft egal, ob sie sich in Dormagen, Grevenbroich oder Meerbusch ansiedeln. Sie fragen bei uns nach, wo es geeignete Flächen gibt. Wir vermitteln dann weiter an die Kommunen, da die natürlich für die Ansiedlungen und die Gespräche mit potenziellen Unternehmen zuständig sind. Das ist eine Dienstleistung des Kreises, auszuloten, zu vernetzen und die richtigen Gesprächspartner an einen Tisch zu bringen. Abgesehen natürlich von anderen Themen wie Gründungs- oder Fördermittelberatung.
Welches Projekt aus dem Rhein-Kreis Neuss sticht besonders heraus?
Reinhold Einzigartig in Deutschland ist die Rheinwassertransportleitung. Das ist ein Megaprojekt, das wir mit einem anderen Selbstverständnis kommunizieren müssen. Wenn so etwas in Bayern gebaut würde, gäbe es alle 500 Meter eine Leberkasbude und die Bayern würden sich dafür feiern. Wir sollten optimistischer und mutiger sein. Ich verstehe, dass viele Bürger erst einmal kritisch sind, und ich bin auch froh, dass sich so viele mit Blick auf Umwelt- und Naturschutz engagieren. Aber man muss auch die Fakten im Blick behalten, und da bin ich entspannt. Es gibt so strenge Vorschriften, die RWE beachten muss: Es besteht keine Gefahr, dass wir hier noch mehr Niedrigwasser produzieren. Ich finde es toll, dass hier aus den Tagebaulöchern etwas für die nachfolgenden Generationen gemacht wird. Ob wir noch in dem See schwimmen werden, weiß ich nicht, aber ich würde es mir wünschen.
Jetzt sind die Stichworte feiern und Bayern gefallen: Wie viel Oktoberfeststimmung schwappt rüber in die Expo-Reisegruppe aus dem Kreis?
Reinhold Ich habe gehört, dass die Stimmung immer gut sein soll, was ja für die Kreisgemeinschaft sehr wertvoll ist. Ich freue mich einfach auf das Ganze, auf das Netzwerken und so viele Leute auf einem Fleck zu treffen. Ich weiß, dass das immer hilft. Und dann gehören natürlich auch lustige Abende dazu. Ich bin da ganz offen.
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