Der Neuköllner Linken-Bundestagsabgeordnete steht im Verdacht, Kontakte zur organisierten Kriminalität zu pflegen. In einem Videostatement hat er sich nun erneut zu den Vorwürfen geäußert.
Der Neuköllner Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak hat sich in einem Videostatement auf Instagram erneut zu Vorwürfen geäußert, wonach er Kontakte zur potenziellen Clankriminellen der Rammo-Familie pflegt. „Organisierte Kriminalität ist scheiße“, sagt Koçak in der Videobotschaft. „Sie zerstört den Zusammenhalt, den wir hier in Neukölln so groß schreiben.“
Weder er noch seine Partei hätten „irgendwas“ mit organisierter Kriminalität zu tun, sagt Koçak weiter. Dann schränkt er allerdings ein: Es sei als Bundestagsabgeordneter seine Aufgabe, „für die Menschen in meinem Kiez erreichbar zu sein“. Er sei kein Richter und wolle niemanden vorverurteilen.
„Vermutlich mache ich meinen Job anders als die meisten anderen Politiker“, sagt Koçak weiter. Er sei im Kiez unterwegs, stets erreichbar und ansprechbar. „Und ja, ich gebe Menschen auch meine Handynummer.“ Dann zeigt er Screenshots der Chats, die er mit Firas Rammo geführt hat. Dabei ging es, wie berichtet, seinen Angaben zufolge um einen Aufruf, Handys für Antifa-Jugendliche zu spenden. Erst, als er das zu spendende Handy bei Firas Rammo abholen wollte, habe er dessen Vater erkannt und das Gespräch dann höflich beendet.
„Ich weiß, dass ich selbstverständlich überprüfen muss, mit wem ich kommuniziere“, sagt Koçak weiter. „Dass ich das in diesem konkreten Fall nicht getan habe, das ist mein Versäumnis.“ Aber „natürlich“ wisse er, „wer Issa Rammo ist“. Allerdings halte sich Koçak an zwei Grundsätze: Er wolle niemanden vorverurteilen und niemanden „deswegen sofort zum Kriminellen (erklären), weil er einen bestimmten Nachnamen trägt oder der Sohn eines bestimmten Menschen ist“. Über Schuld und Unschuld würden Gerichte entscheiden, sagt der Politiker weiter.
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Dabei unterschlägt Koçak allerdings, dass seine Kontaktperson Firas Rammo selbst gleich mehrfach vorbestraft ist – unter anderem wegen räuberischer Erpressung, Körperverletzung und Bedrohung. Zuletzt soll er Anfang 2026 versucht haben, mit Familienmitgliedern einen Geldautomaten zu sprengen. Dessen Vater Issa Rammo gilt bei den Sicherheitsbehörden schon lange als Chef der Teile der weitverzweigten Familie, die etwa in den Raub der Goldmünze im Bode-Museum verwickelt waren.
Sein zweiter Grundsatz sei es, keine Nähe zur organisierten Kriminalität zuzulassen. Daher habe er nur das gespendete Handy von Issa Rammo entgegen genommen und sei anschließend „höflich dem persönlichen Kontakt mit Firas Rammo aus dem Weg gegangen“. Es sei falsch gewesen, dass er nicht eindeutiger auf Abstand gegangen sei. So sei es „unvorsichtig“ gewesen, dass er Firas Rammo auch eine Rede zum Thema Clankriminalität zur weiteren Verbreitung gesendet habe.
Mit Screenshots will Koçak belegen, dass er dieselbe Nachricht auch an unzählige andere Menschen gesendet habe. Zugleich lässt er offen, warum er Firas Rammo einzig dieses eine konkrete Video und nicht etwa weitere gesendet hat. Zugleich wolle er „nicht so tun, als hätte ich alles richtig gemacht“, räumt Koçak ein. Er hätte sensibler mit dem Kontakt umgehen und seine Partei informieren müssen, sagt er. Er wolle für „Transparenz sorgen“, indem er „seine vollständige Kommunikation“ mit Firas Rammo offenlegt. In dem Videostatement geht er allerdings nicht darauf ein, dass letzterer ihn auch zur Hochzeit seines Bruders eingeladen haben soll.
Bereits am Mittwoch hatte Ferat Koçak angekündigt, seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestags abgeben zu wollen. Nicht niederlegen will er hingegen sein Bundestagsmandat.