Die Kesselhalle am Berliner Techno-Tempel Berghain wird durch Kunst der Iranerin Ala Roushan und des Kanadiers Charles Stankievech zum rituellen Raum.
Die unvorstellbar ferne Vergangenheit verschmilzt, sobald man die düstere, noch immer nach Ruß riechende Kesselhalle des einstigen Heizkraftwerks für Friedrichshain betritt. Betonwand an Betonwand mit dem berühmten Techno-Club Berghain und dem nur ganz schwach hörbaren Wummern der Beats dahinter trifft das Publikum von heute auf das ferne Persien vor vier Jahrtausenden. Auf den archaischen Sonnenkult.
In der gewaltigen Industriearchitektur mit ihren 20 Meter hohen Pfeilern und von der Decke herabragenden Kohleschütten muss einfach jede Art von Kunst dramatisch ausfallen. Und ja, die Inszenierung „A Shroud Woven of Solar Threads“ der iranischen Künstlerin Ala Roushan und ihres kanadischen Partners Charles Stankievech ist dramatisch. Es packt einen mit allen Sinnen, dieses artifizielle Zusammenspiel von KI-Video und archäologischen Artefakten, etwa Abgüssen uralter persischer Glocken aus dem Metropolitan Museum New York.