Russland wirft der Nato vor, die Ostsee-Exklave Kaliningrad abtrennen zu wollen. Beweise dafür hat es jedoch nicht vorgelegt. Der Nato-Generalsekretär Rutte reagiert gelassen.
Pro Artikel
Russland wirft der Nato vor, die Ostsee-Exklave Kaliningrad abtrennen zu wollen. Beweise dafür hat es jedoch nicht vorgelegt. Der Nato-Generalsekretär Rutte reagiert gelassen.
02.10.2026, 05.30 Uhr
3 Leseminuten

Paulius Peleckis / Getty
Es sind eindringliche Worte: «Russland wäre bereit, sein gesamtes Arsenal – einschliesslich Atomwaffen – einzusetzen, um sein Territorium zu verteidigen, sollten die Nato-Staaten versuchen, die Region Kaliningrad vom Rest des Landes abzuschneiden», schrieb die russische Botschaft in Irland am Mittwoch auf X. Das Risiko einer bewaffneten Konfrontation sei in einem solchen Szenario hoch, wobei Russland dann wohl «bereits in der frühen Phase des Konflikts Präventivschläge gegen Entscheidungszentren in den Bündnisländern» führen würde, heisst es weiter.
NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.
Bitte passen Sie die Einstellungen an.
In einem ähnlichen, aber nicht deckungsgleichen Schreiben hatte tags zuvor bereits die russische Botschaft in Belgien für Aufregung gesorgt: Man beobachte vonseiten der Nato «eine beispiellose Zunahme der militärischen Aktivitäten» rund um die zwischen dem Baltikum und Polen gelegene Exklave. Man habe die Nato-Mitgliedstaaten deshalb aufgefordert, «von weiteren eskalierenden Äusserungen und Handlungen abzusehen, um eine gross angelegte Konfrontation zu verhindern», heisst es.
«Ich nehme das nicht so ernst»Russische Atombomben auf westeuropäische Grossstädte: altbekannte Kreml-Propaganda oder eine neue Eskalationsstufe in einem an martialischer Rhetorik bereits reichlich gesättigten Verhältnis? Die Nato scheint auf Ersteres zu setzen: «Ich nehme das nicht so ernst», sagte Generalsekretär Mark Rutte am Mittwoch in einem Interview mit Euronews. Auch Diplomaten im Brüsseler Hauptquartier berichten von keiner ungewöhnlichen Aufregung. Die Verteidigungspläne der Allianz seien solide, und es gebe keinen Anlass, an ihnen zu rütteln.
Präsident Wladimir Putin wisse genau, dass Russland die Militärallianz niemals besiegen könne, sagte Rutte. «Die Nato ist so viel stärker.» Aber natürlich habe man auf das Säbelrasseln reagiert und der russischen Führung einmal mehr klargemacht, dass die Nato ein Verteidigungsbündnis sei und die nuklearen Drohungen aufhören müssten. Sie seien unangebracht und kontraproduktiv, sagte der Niederländer. Die Nato-Zentrale hatte ein ähnliches Schreiben erhalten wie jene, welche die russischen Botschaften veröffentlicht haben.
Deutsche Brigade bei der Suwalki-LückeKaliningrad liegt zwischen Litauen und Polen, knapp siebzig Kilometer Luftlinie vom mit Russland verbündeten Weissrussland entfernt. Dazwischen erstreckt sich die sogenannte Suwalki-Lücke – die einzige Landverbindung zwischen der Regionalmacht Polen und dem Baltikum.
Entsprechend bedeutsam ist das dünn besiedelte Gebiet geopolitisch. Militärstrategen gehen davon aus, dass Russland im Falle einer direkten Auseinandersetzung mit der Nato versuchen würde, den Korridor zu besetzen, um den Nachschub ins Baltikum weitgehend abzuriegeln. Dass die deutsche Bundeswehr in Litauen eine Panzerbrigade aufgebaut hat, entspringt diesem Bedrohungsszenario. Ihre Hauptaufgabe wäre im Konfliktfall, die Suwalki-Lücke offenzuhalten.
«Antirussische» AktivitätenDas knapp 15 000 Quadratkilometer grosse, rund eine Million Einwohner zählende Kaliningrad wäre aber auch für Russland ein schwierig zu verteidigendes Gebiet – selbst wenn die Exklave militärisch hochgerüstet ist und dort mutmasslich Atomwaffen stationiert sind. Moskau kritisiert die Nato-Aktivitäten in der Umgebung scharf.
In seinen Drohbriefen nennt Russland etwa die Operation «Baltic Sentry» zum Schutz von Unterwasser-Infrastruktur oder die polnisch-litauisch-französische Übung «Gallant Boar», bei der im Juni die militärische Interoperabilität getestet wurde. Auch die Pläne, die baltischen Staaten sowie Finnland unter den französischen Nuklearschirm zu nehmen, missfallen Moskau.
All diese Aktivitäten seien «antirussisch», sagt der Kreml und folgert daraus, dass die Nato «Szenarien für die Abspaltung Kaliningrads» durchspiele – ohne jedoch Beweise vorzulegen. Dabei haben die Nato-Staaten ihre Planungen in der Region erst als Reaktion auf die Bedrohung durch Russland hochgefahren. Die Hoffnung ist, abschreckende Wirkung zu erzielen. Die Nato-Sprecherin Allison Hart betont, dass «keine unserer Aktivitäten oder Übungen eine Gefahr für irgendeinen Teil Russlands darstellt».
Der Kreml spielt das UnschuldslammGeradezu als Hohn wird in der Nato die russische Klage wahrgenommen, dass die «wiederholt geäusserten Erklärungen der höchsten Führung unseres Landes völlig ignoriert» würden. Mehrfach habe diese ja betont, «weder die Absichten noch die Motive» für eine Verschärfung der Lage in Europa zu haben, heisst es in der russischen Erklärung an die Nato. Zugleich bedauert die russische Seite, dass die Nato-Staaten nicht auf Vorschläge für gegenseitige Sicherheitsgarantien eingingen. Dabei zeigt gerade der Ukraine-Krieg, dass Abmachungen mit dem Putin-Regime das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen.
Nato-Diplomaten vermuten, dass Russland letztlich von der militärischen Lage in der Ukraine ablenken wolle und zudem die westeuropäischen Bürger im Blick habe. Diese könnten sich, aus Furcht vor einer weiteren Eskalation, noch stärker Parteien zuwenden, welche die Militärhilfe an Kiew einzustellen versprechen. Auch der Nato-Generalsekretär Rutte sagt, dass Putin den Westen spalten wolle. Das werde man aber nicht zulassen. «Daher wird jede hybride Aktion, was auch immer in Europa geschieht, mit mehr, nicht mit weniger Unterstützung für die Ukraine beantwortet werden.»
41 Kommentare
Ester Mottini
Gestern
1 Empfehlung
Die Kommentare im Forum im Stil von 'bellende Hunde beissen nicht' oder das Abwiegeln von Rutte scheinen Putin nicht ernst zu nehmen. Das hat durchaus etwas Beruhigendes. Die Drohungen Putins erscheinen tatsächlich hysterisch, zeigen aber auch, dass Putin sich zunehmend in die Enge gedrängt fühlt und allmählich die Kontrolle zu verlieren scheint. Das macht ihn irrational unberechenbar und gefährlich, ihm muss von seiten des Westens unmissverständlich klar gemacht werden, dass ein militärischer 'Präventivschlag' gegen die NATO die Vernichtung Russlands zur Folge hätte.
Marc Anderson
02.10.2026
Rutte weint gerne mal, sobald es aber um den nuklearen Holocaust geht, bleibt er eiskalt. Der ist ein interessanter Typ, womöglich härter als Hegseth.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | В НАТО призвали Россию прекратить «безответственную ядерную риторику» | 0 | 11.04 | 30-09-2026 |
| 2 | Moscow issues warning to NATO over Russian exclave | 0 | 11.9 | 30-09-2026 |
| 3 | 🇫🇲✔️ В НАТО получили предупреждение от России о применении ядерного ... | 0 | 4.68 | 30-09-2026 |
| 4 | 🇫🇲✔️ В НАТО получили предупреждение от России о применении ядерного ... | 0 | 4.68 | 30-09-2026 |
| 5 | 🇫🇲❌🇷🇺️ В НАТО получили предупреждение от России о применении ядерного ... | 0 | 4.68 | 01-10-2026 |
| 6 | Россия пригрозила ядерным ударом. НАТО в шоке: Балтика превращается в пороховую бочку. Что будет дальше? | 0 | 7.66 | 02-10-2026 |
| 7 | 🇫🇲✔️ В НАТО получили предупреждение от России о применении ядерного ... | 0 | 4.68 | 01-10-2026 |
| 8 | «Русские не решатся». НАТО в шоке: недооценили угрозу Москвы. Польша окажется крайней. Чего ждать? | 1 | 7.74 | 02-10-2026 |
| 9 | Россия предупредила НАТО о готовности защищать Калининград | 0 | 7.52 | 28-09-2026 |
| 10 | NATO chief says ‘almost sure’ is enough to blame Russia (VIDEO) | 0 | 10.35 | 04-10-2026 |