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Unsichtbar, aber unverzichtbar: Pfisterer verbindet das Stromnetz der Region

Дата публикации: 11-09-2026 10:00:00

Das Unternehmen aus Winterbach liefert Verbindungstechnik für Netze weltweit, wächst um mehr als 20 Prozent – und steckt auch im Stromnetz der Ostalb.

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Stand: 11.09.2026, 12:12 Uhr

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Große Dimensionen: Im Hochvolthaus von Pfisterer werden Verbindungstechnologien für hohe Spannungen getestet.

Große Dimensionen: Im Hochvolthaus von Pfisterer werden Verbindungstechnologien für hohe Spannungen getestet. © Pfisterer/Bernd Kammerer

Das Unternehmen aus Winterbach liefert Verbindungstechnik für Netze weltweit, wächst um mehr als 20 Prozent – und steckt auch im Stromnetz der Ostalb.

Aalen. Wenn in Aalen, Ellwangen oder Heidenheim das Licht angeht, denkt wohl kaum jemand an Pfisterer. Dabei liegt die Technik des Unternehmens aus Winterbach und Gussenstadt mit hoher Wahrscheinlichkeit direkt vor der Haustür – etwa in Form der Hausanschlussklemmen, über die Gebäude ans Netz gehen.

Der Technologiekonzern entwickelt und produziert Verbindungstechnik für Stromnetze weltweit. Viele Produkte sind für Endverbraucher unsichtbar, sitzen aber an entscheidenden Punkten der Energieinfrastruktur – auch im 110-Kilovolt-Verteilnetz, das die Netze BW im Ostalbkreis betreibt.

Technik vor der Haustür

Pfisterer ist ein klassisches B2B-Unternehmen. Das Unternehmen entwickelt und produziert Technik zum Verbinden und Isolieren elektrischer Leiter. Die Lösungen kommen entlang der gesamten Kette zum Einsatz – von der Energieerzeugung über die Übertragung bis zur Verteilung.

Arbeiten im Hochvolt-Labor: Pfisterer entwickelt unter anderem modulare Kabellösungen für Hoch- und Höchstspannungsnetze.

Arbeiten im Hochvolt-Labor: Pfisterer entwickelt unter anderem modulare Kabellösungen für Hoch- und Höchstspannungsnetze. © Pfisterer

"Bei unseren Produkten ist es üblicherweise so, dass Sie die gar nicht so sehr mitkriegen", sagt Johannes Linden, Sprecher des Vorstands der Pfisterer Holding SE. Ein Beispiel ist die sogenannte Hausanschlussklemme, über die Gebäude an die Leitung in der Straße angeschlossen werden. "Die stammt in Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit von Pfisterer", so Linden.

Von Winterbach in die Stromnetze der Welt

Die Dimensionen des Geschäfts sind dennoch beträchtlich. Pfisterer ist in mehr als 90 Ländern aktiv, rund 80 Prozent des Umsatzes werden außerhalb Deutschlands erzielt. Zu den Kunden zählen Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber. In Deutschland gehören neben Netze BW unter anderem TransnetBW, TenneT, Amprion und 50Hertz dazu.

Wie groß das Unternehmen tatsächlich ist, zeigt ein Blick auf seine Standorte. Neben dem Hauptsitz in Winterbach betreibt Pfisterer ein Werk in Gussenstadt im Landkreis Heidenheim – und ist damit auch in Ostwürttemberg mit eigener Produktion vertreten.

Das Werk in Gussenstadt wurde bereits 1946 gegründet und bildet heute das Metallkompetenzzentrum von Pfisterer.

Das Werk in Gussenstadt wurde bereits 1946 gegründet und bildet heute das Metallkompetenzzentrum von Pfisterer. © PfistererGlobal vernetzt, regional verwurzelt

Gerade die deutschen Standorte haben für das Unternehmen eine besondere Bedeutung: Hier sitzen hochqualifizierte Mitarbeitende, Forschung und Entwicklung sowie die entwicklungsnahe Produktion. In Winterbach entstehen unter anderem Grundlagen- und anwendungsbezogene Entwicklungsprojekte.

"Wir sind ein Global Player, aber wir sind auf der anderen Seite dann auch lokal schon sehr eng vernetzt", sagt Linden. In Deutschland setzt Pfisterer bewusst auf die Kombination aus Entwicklung, hoher Variantenvielfalt und der Nähe zur Produktion. Ein großer Neubau am Winterbacher Standort soll diese Aktivitäten weiter stärken.

Strom braucht neue Wege

Der Zeitpunkt für weiteres Wachstum ist aus Sicht des Unternehmens günstig. Der weltweite Strombedarf steigt – nicht nur bei privaten Verbrauchern, sondern auch durch Industrie und Rechenzentren. Gleichzeitig müssen vielerorts überalterte Stromnetze erneuert und ausgebaut werden. Die Energiewende verändert zudem, wo Strom erzeugt wird: Während früher große Kraftwerke vergleichsweise nah an den Verbrauchszentren standen, kommt Energie heute zunehmend auch aus dezentralen Anlagen oder weit entfernten Großprojekten wie Offshore-Windparks.

Damit verändern sich auch die Anforderungen an die Netze. Große Mengen Strom müssen über weite Strecken transportiert werden. Linden spricht von "Stromautobahnen", die dafür notwendig werden. Gerade bei großen Entfernungen gewinnt dabei die Gleichstromübertragung (HVDC) an Bedeutung, weil hier weniger Energie auf dem Weg verloren geht. Pfisterer entwickelt dafür eigene Verbindungssysteme, mit denen Kabel in diesen Stromautobahnen sicher verbunden werden. Zu den Stärken des Unternehmens gehört dabei nach eigenen Angaben, dass Pfisterer nicht an einzelne Kabelhersteller gebunden ist: Die Verbinder sind so ausgelegt, dass sie mit einem breiten Spektrum unterschiedlicher Kabelsysteme kombiniert werden können.

Winterbach wird zum HVDC-Teststandort

Für die weitere Entwicklung des Unternehmens ist der Standort deshalb besonders wichtig – und Pfisterer investiert dort kräftig: An der B29 in Richtung Stuttgart entsteht ein neues Qualifizierungszentrum, in dem Hochspannungs-Gleichstromverbindungen getestet und weiterentwickelt werden. Die Inbetriebnahme ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen. Gleichzeitig investiert das Unternehmen in weitere Produktionskapazitäten.

Wachstum mit Rückenwind

Dass Pfisterer auf einen wachsenden Markt setzt, zeigen die aktuellen Geschäftszahlen. Im ersten Halbjahr 2026 steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 20,2 Prozent auf 256,7 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA legte von 39,5 auf 52,4 Millionen Euro zu. Der Auftragsbestand lag Ende Juni bei 340,3 Millionen Euro und damit deutlich über dem Vorjahreswert.

Für Linden ist diese Entwicklung kein einmaliger Ausreißer. Bereits im vergangenen Jahr sei der Umsatz um 17 Prozent gestiegen. Gleichzeitig soll das Wachstum weitergehen: Bis 2030 plant Pfisterer Investitionen von fast 300 Millionen Euro und will den Umsatz nahezu verdoppeln.

Investitionen für weiteres Wachstum

Wie konkret Pfisterer dieses Wachstum vorantreibt, zeigt eine aktuelle Investition in den USA: Am Standort Rochester im Bundesstaat New York baut das Unternehmen seine Produktionskapazitäten für SICON-Komponenten aus. Rund 2,7 Millionen US-Dollar fließen in zusätzliche Drehanlagen, Werkzeuge und Produktionsausstattung. Die Fertigungskapazität für die Komponenten soll dadurch auf das Zweieinhalbfache steigen.

Mehr Produktion in Rochester: Pfisterer baut am US-Standort seine Kapazitäten für SICON-Komponenten aus.

Mehr Produktion in Rochester: Pfisterer baut am US-Standort seine Kapazitäten für SICON-Komponenten aus. © Pfisterer

SICON steht für ein Kabelverbindungssystem von Pfisterer, das für unterschiedliche Leitermaterialien, Kabeltypen und Querschnitte eingesetzt werden kann. In den USA wird mehr als die Hälfte des weltweit abgesetzten SICON-Systems verkauft. Auch der Ausbau von Rechenzentren treibt nach Unternehmensangaben die Nachfrage an, weil diese eine besonders zuverlässige Stromversorgung benötigen. 

Am Kapitalmarkt auf Wachstumskurs

Auch am Kapitalmarkt macht Pfisterer von sich reden: Der Börsengang im vergangenen Jahr wurde als "Börsengang des Jahres" ausgezeichnet, die Aktie legte seitdem deutlich zu. Für Linden ist der Kapitalmarkt damit zur zweiten Bühne geworden, auf der das Wachstum des Unternehmens sichtbar wird.

Damit könnte der Technologielieferant aus Winterbach künftig noch stärker an einer Infrastruktur beteiligt sein, die für alle sichtbar ist – auch wenn sein eigener Name weiterhin kaum auftaucht. Denn wenn irgendwo Strom erzeugt, über weite Strecken transportiert oder bis zum Hausanschluss verteilt wird, braucht es Verbindungen, die zuverlässig funktionieren. Genau darauf hat Pfisterer sein Geschäft aufgebaut.

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