Joshua Kimmich fehlt, Aleksandar Pavlovic, Florian Wirtz und Tom Bischof überzeugen. Jürgen Klopp ahnt schon, dass sich eine Debatte verselbstständigt hat.
Während Joshua Kimmich fehlt, überzeugen Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof im DFB-Mittelfeld gegen Serbien. Jürgen Klopp ahnt schon, dass sich eine Debatte verselbstständigt hat. Aufzuhalten wird sie zunächst nicht sein.
Aus der Allianz Arena
„Es ist so ein schöner Abend“, seufzte Jürgen Klopp zur Geisterstunde, „und ihr wollt ein Thema aufmachen, das kein Thema ist“.
Wirklich nicht? „Am Ende wird’s eine Joshua-Kimmich-Geschichte. Das kriegt ihr hin“, brummte Klopp und versuchte das Ganze direkt kleinzureden: „Bei dem Lied kann ich leider nicht mitsingen.“
Er kann nicht, vor allem will er nicht. Aber er wird’s kaum schaffen. Der Fall Kimmich ist jetzt in der Welt.
Das 2:0 (1:0) in der Nations League über Serbien war ein sehr gutes Spiel der deutschen Nationalmannschaft. Aber gewissermaßen war es kein gutes Spiel für Kimmich, obwohl der Bayern-Star gar nicht auf dem Platz stand. Oder besser: gerade deshalb.
Gefragt worden war Klopp eigentlich zur Leistung von Florian Wirtz. Der unausgesprochene Subtext, der dabei mitschwang, war allen klar, auch dem Bundestrainer: Wenn Wirtz sowie seine Mittelfeldkollegen Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof so prächtig aufgelegt waren – hieß das im Umkehrschluss, dass es für den absenten DFB-Kapitän Kimmich künftig eng wird?
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„Der Plan ist, in unterschiedlichen Konstellationen eine bestimmte Art von Fußball zu spielen“, dozierte Klopp. Die „Art und Weise, wie wir spielen“, würde gut zu Künstler Wirtz passen; gegen die Serben agierte der Liverpool-Profi auf der offensiven Achterposition, bereitete das erste Tor von Bischof famos vor (39. Minute) und traf später selbst zum 2:0-Endstand (61.).
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Pavlovic als Wellenbrecher, davor Wirtz und der herausragende Bischof – das sah gegen die limitierten Serben um Klassen besser aus als das Zusammenwirken von Kimmich und Felix Nmecha bei der Niederlage gegen Griechenland. Am Donnerstag profitierte das DFB-Team sichtbar von mehr Geradlinigkeit, Dynamik und Schärfe. Ohne Leader Kimmich.
Prompt waberte grundsätzliches Geraune durch die Münchner Arena: Passt der Spielertypus Kimmich weniger in Klopps bevorzugtes 4-3-3-System als das Profil von Pavlovic und Bischof? Nicht wenige Beobachter bejahten.
Brisanz war in die Causa Kimmich gekommen, da der 116-fache Nationalspieler dem ersten DFB-Kader angehört hatte und dann abreisen musste – gegen seinen Willen. „Er hat tatsächlich ein paar Mal nachgefragt“, verriet Klopp bei BR24. „Aber da kann ich sagen: Je öfter man fragt, desto weniger wahrscheinlich bekommt man das, was man will.“
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Kimmich habe „einen großartigen Eindruck gemacht, es ist alles gut“, beschwichtigte Klopp und erklärte mit Blick auf sein zweites DFB-Aufgebot: „Ich will diese Jungs auch mal sehen, wenn die Platzhirsche nicht da sind.“ Es sei „überhaupt nicht gegen“ Kimmich, „ich wollte ihm gar keine Message senden“, ergänzte er im ZDF.
Das ist die eine Seite der Erzählung. Der gewichtigste Faktor für die Gegenrede: Klopp machte zwischen seinen Kadern keinen klaren Cut. Sechs Spieler (Torwart Finn Dahmen, der inzwischen verletzte Nico Schlotterbeck, Philipp Treu, Yannik Engelhardt, Bambasé Conté, Serge Gnabry) durften bleiben.
Kimmich durfte nicht. Obwohl er unbedingt wollte. Und nachbohrte. Und nochmals nachbohrte. Und das Serbien-Spiel obendrein in seinem Heimstadion stattfand.
Schon ironisch, dass der deutsche Vortrag ausgerechnet in Kimmichs Mittelfeld-Territorium einen Quantensprung machte. Dank Pavlovic, Wirtz und Bischof. Insofern hat sich die Kimmich-Debatte am Donnerstag schnell verselbstständigt. Aufzuhalten wird sie zunächst nicht sein.
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