Michael Olise redet wenig, liefert dafür auf dem Platz. Seine Wortkargheit ist seine Stärke – und eine Lektion für eine Zeit, in der zu viel geredet wird.
Michael Olise redet wenig, liefert dafür auf dem Platz. Seine Wortkargheit ist kein Makel, sondern eine Stärke – und vielleicht eine Lektion für eine Zeit, in der zu viel geredet wird.
Es gibt Menschen, die reden viel und sagen wenig. Und es gibt Michael Olise. Der Bayern-Star gehört zu jener seltenen Spezies von Profifußballern, bei denen ein Interview ungefähr so ergiebig ist wie ein Gespräch mit einem schlecht gelaunten Trappistenmönch.
Prof. Dr. Veit Etzold ist Strategieberater, CEO-Coach und Marketingexperte, der sich auf Neuromarketing und unternehmerische Strategieentwicklung spezialisiert hat. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Das ist erfrischend. Denn was erwarten wir eigentlich von einem Fußballer? Dass er Fußball spielt. Ich erwarte von Michael Olise jedenfalls genauso wenig ein Rhetorikseminar wie von einem Keynote Speaker einen Doppelpass mit Harry Kane.
Zumal Interviews direkt nach einem Spiel ohnehin ein sonderbares Ritual sind: Da hat jemand 90 Minuten Hochleistungssport hinter sich, ist körperlich leer und mental noch mitten im Spiel, und dann soll er plötzlich druckreife Analysen liefern. Kein Wunder, dass viele Antworten wenig gehaltvoll ausfallen.
Dass Schweigen sogar zum Markenzeichen werden kann, hat Arnold Schwarzenegger schon vor Jahrzehnten gezeigt. In „Conan“ und besonders im ersten „Terminator“ wurde seine extreme Wortkargheit ganz bewusst inszeniert.
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Schwarzenegger selbst kann bekanntlich durchaus viel und gern reden. Aber genau deshalb zeigt das Beispiel so gut: Nicht reden kann eine Rolle, eine Haltung und am Ende sogar eine Marke sein.
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Der Terminator wirkte nicht trotz seiner wenigen Worte so stark, sondern gerade deshalb. Auch in „Red Heat“ wird diese Maulfaulheit zum Running Gag: Schwarzeneggers sowjetischer Polizist beantwortet Fragen knapp mit Ja oder Nein, worauf James Belushis Figur sinngemäß erklärt, er wolle die Romanze nur ungern stören, stehe aber leider im Halteverbot.
Vielleicht liegt genau darin die Pointe. Schweigen erzeugt Projektionsfläche. Wer nicht ständig alles erklärt, wirkt geheimnisvoller, konzentrierter und manchmal sogar souveräner.
Unsere Zeit hat jedenfalls nicht das Problem, dass zu wenig geredet wird. Politik, Unternehmen und Medien produzieren permanent Statements, Interviews, Pressekonferenzen und Ankündigungen.
Friedrich Merz etwa spricht seit Monaten über Reformen, darüber, dass man zuhören müsse, Dinge verändern und Deutschland wieder voranbringen wolle. Das ist politisch normal – aber mit jeder weiteren Ankündigung steigt auch die Erwartung, dass irgendwann sichtbar gehandelt wird; was leider kaum passiert.
Es heißt: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Vielleicht fehlt nur noch der dritte Satz: Handeln ist Platin.