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Jaroslav Rudiš über Friedhöfe, Eisenbahn, Bier und Mitteleuropa

Дата публикации: 03-10-2026 05:00:29

Der tschechische Schriftsteller Jaroslav Rudiš erklärt, warum Eisenbahnen und Bier für ihn Symbole einer gemeinsamen europäischen Kultur sind – und wie Literatur ihm in schweren Zeiten half.

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„Es macht mir einfach Spaß, Geschichten aus Mitteleuropa zu erzählen“

Ein Interview mit dem tschechischen Schriftsteller Jaroslav Rudiš über Eisenbahnen, Bier, Friedhöfe und die Literatur Mitteleuropas

03.10.2026

9 Minuten

Ein alter Friedhof mit Bäumen und Skulpturen

Jaroslav Rudiš gehört zu den bekanntesten Schriftstellern Tschechiens. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, so 2026 den Internationalen Brückepreis der Europastadt Görlitz/Zgorzelec. Wir sind in Böhmen unterwegs, Jaroslav Rudiš bringt JournalistInnen zu Stationen seiner Bücher. Der Tscheche, Jahrgang 1972, schreibt auf Deutsch und auf Tschechisch, er lebt in Berlin und in Böhmen.

Herr Rudiš, auf der Frankfurter Buchmesse ist Tschechien Gastland. Welche aktuellen tschechischen AutorInnen lesen Sie selbst gern?

JR: Außer den Klassikern mag ich die Bücher von Jan Novák oder Emil Hakl. Ebenso die Bücher von Kateřina Tučková, Radka Denemarková oder Alice Horáčková. Meine letzte Entdeckung sind die düsteren Geschichten aus dem Böhmerwald von Petra Klabouchová, auf Deutsch erscheint demnächst ihr großartiger Roman „An der Moldauquelle“.

Mann steht am Fenster eines Zuges

Viel unterwegs und gerne mit der Bahn: Jaroslav Rudiš
Das Buch, mit dem Sie in Deutschland bekannt wurden, ist die „Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen“. Wie kam es dazu?

Es wäre nicht denkbar ohne „Winterbergs letzte Reise“, mein mitteleuropäischer Eisenbahnroman. Daraufhin kam die Anfrage des Verlags. Das ist natürlich genau mein Thema. Dass es so erfolgreich ist, freut mich besonders, denn es ist ein Loblied auf die Eisenbahn. Ich wollte zu einer Reise einladen durch das Eisenbahneuropa von Sizilien bis nach Lappland von Kiew und Lemberg nach Barcelona.

Warum hat Sie das Thema gereizt?

Ich bin ein überzeugter Eisenbahnmensch. Die Eisenbahn verbindet uns und hält ganz Europa zusammen. Ich versuche auch, nach London mit dem Zug zu reisen. Manchmal fahre ich auch Auto, mit meinem alten Saab.

Bahnfahren ist geschenkte Zeit

Jaroslav Rudiš

Man im Speisewagen mit einem Bierglas

Bier meets Bahn in Böhmen.

Ein Mann mit einem Buch vor einem Rathaus

Mitten in MItteleuropa: der Autor liest in Liberec aus einem Roman.

Mann mit einem Buch

Rudiš in Aktion: eine spontane Lesung über Bier in der Hrabal-Brauerei in Böhmen

Vier Männer in einer Gaststätte stehend

Der Autor und die Bierbrauer von Lomnice nad Popelkou

Ich glaube, wir Menschen brauchen den Rausch

Jaroslav Rudiš

Ein Mann sitzt an einer altmodischen Schreibmaschine

Der neue Roman ist eine „Liebeserklärung an das literarische Mitteleuropa“, so der Autor, hier im Sommerhaus des tschechischen Schriftstellers Bohumil Hrabal.

Literatur kann uns trösten

Jaroslav Rudiš

Historischer Friedhof

„Doch aus manchen Gräbern dröhnte es. Solche Gräber besuchte Miss Detroit nicht. Denn sie wusste, dass hier jemand begraben lag, der kein guter Mensch gewesen war. Auf solchen Gräbern wuchsen keine Blumen, oder sie verwelkten schnell, da die Toten an ihren Wurzeln zogen.“ aus: Wo die Toten sprechen
Also auch ein Berlin-Roman?

Berlin kommt bei mir oft vor, mein erster Roman, „Der Himmel unter Berlin“, war von Wim Wenders’ großartigem Film inspiriert, ein Berlin-U-Bahn-Punk-Roman. Und Winterberg wohnt am Savignyplatz und geht zum alten Militärfriedhof am Columbiadamm, dort wird auch der Toten der Schlacht von Königgrätz 1866 gedacht. Das ist aus seiner Sicht die Urkatastrophe Mitteleuropas. Preußen siegt über Österreich und dadurch wurde der deutsche Nationalismus gestärkt.

vier Bücher

Einige Bücher des tschechischen Autors

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