Kreative Tätigkeiten wie Tanzen, Musizieren oder Malen machen nicht nur Spaß – sie verlangsamen laut einer Studie auch messbar die Gehirn-Alterung. Im Durchschnitt um etwa fünfeinhalb Jahre.
Kreative Tätigkeiten wie Tanzen, Musizieren oder Malen machen nicht nur Spaß – sie verlangsamen laut einer Studie auch messbar die Gehirn-Alterung. Im Durchschnitt um etwa fünfeinhalb Jahre.
Wer regelmäßig tanzt, malt, musiziert oder sogar Computerspiele spielt, könnte seinem Gehirn damit eine echte Anti-Aging-Kur gönnen. Menschen, die sich kreativ betätigen, haben messbar jüngere Gehirne als Gleichaltrige, die das nicht tun. Der Effekt entspricht im Durchschnitt einer Verjüngung um rund fünfeinhalb Jahre – ganz ohne Medikamente oder spezielle Trainingsprogramme.
Die 2025 in „Nature Communications“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen: Kreative Tätigkeiten wirken wie ein natürliches Verjüngungsprogramm und verlangsamen die Alterung des Gehirns. Sie fördern die geistige Vernetzung, schärfen die Aufmerksamkeit und können den Abbau kognitiver Fähigkeiten bremsen – ein klarer Zusammenhang zwischen Kreativität und Gehirn-Alterung.
Die Studie nutzte modernste Modelle sogenannter „Gehirnuhren“, die anhand von EEG-Daten schätzen, wie alt ein Gehirn funktionell wirklich ist. Dieses „Gehirnalter“ weicht oft vom tatsächlichen Alter ab – je nach Lebensstil, Gesundheit und geistiger Aktivität.
Das Forscherteam um den Neurowissenschaftler Agustín Ibáñez untersuchte mehr als 1400 Teilnehmer aus 13 Ländern, darunter Tänzer, Musiker, bildende Künstler und Gamer. Dabei verglichen sie deren Hirnaktivität mit der von Personen ohne kreative Routine. Das Ergebnis war eindeutig: „Über alle kreativen Bereiche hinweg war das Muster erstaunlich konsistent – Kreativität stand in Verbindung mit einem jünger aussehenden Gehirn“, schreiben die Autoren in „The Conversation“.
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Nicht nur jahrelange Praxis macht den Unterschied. Selbst wer erst anfängt, profitiert spürbar. In einem zweiten Teil der Untersuchung ließen die Forscher Teilnehmer ohne Vorerfahrung 30 Stunden lang das Strategiespiel StarCraft II spielen. Schon danach zeigte sich im EEG eine „Verjüngung“ des Gehirns um bis zu drei Jahre.
Die Autoren sehen darin einen Hinweis auf erstaunliche Anpassungsfähigkeit: Das Gehirn reagiert schnell, wenn es kreativ gefordert wird. Dabei entstehen neue Verbindungen, und bestehende Netzwerke werden stabiler. Diese Plastizität sorgt dafür, dass Informationen effizienter fließen. Ähnlich wie beim Muskeltraining, das durch Übung Kraft und Ausdauer steigert, „trainiert“ kreative Aktivität die Nervenzellen und macht das Denken schneller und flexibler.
Besonders aktiv waren bei kreativen Menschen sogenannte frontoparietale Netzwerke – Bereiche, die Aufmerksamkeit, Lernprozesse und Planung steuern. Normalerweise altern sie früh und verlieren an Flexibilität. Doch Kreativität scheint diesen Prozess zu bremsen. „Kreativität schützt Hirnregionen, die besonders anfällig für Alterung sind, und verbessert die Kommunikation zwischen ihnen“, schreiben die Forscher.
Mit jedem Jahr künstlerischer Praxis sank der berechnete „Brain Age Gap“ – also die Differenz zwischen biologischem und tatsächlichem Alter. Je mehr Routine und Können, desto jünger das Gehirn.
Die Forscher fanden außerdem eine deutliche Verbindung zwischen der verbesserten Konnektivität und kognitiven Funktionen wie Merkfähigkeit, Fokus und Entscheidungsvermögen. Wer kreativ aktiv war, schnitt in Tests zu Aufmerksamkeit und Reaktionsgeschwindigkeit besser ab. Diese Erkenntnis macht deutlich, dass es bei Kreativität nicht um Talent geht, sondern um Aktivität.
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Die positiven Effekte der kreativen Beschäftigung lassen sich auf folgende Punkte herunterbrechen:
Je regelmäßiger und länger diese Aktivitäten ausgeführt werden, desto stärker fällt der Effekt aus.
Das Prinzip funktioniert unabhängig vom Alter. Entscheidend ist nicht, ob jemand besonders begabt ist, sondern dass er das Gehirn in kreative Prozesse bringt. Selbst einfache Routinen wirken. Schon 20 Minuten tägliche Aktivität genügen, um die neuronale Vernetzung zu fördern.
Beispiele aus der Praxis:
Die Forscher sehen Kreativität als eigenständigen Gesundheitsfaktor – ähnlich wichtig wie Bewegung oder Ernährung. Sie nennen sie "eine biologische Brücke zwischen Kultur und Resilienz".
Langfristig könne kreatives Engagement dazu beitragen, kognitive Einbußen im Alter zu verzögern und Demenzerkrankungen vorzubeugen. In der Diskussion um gesundes Altern gewinnen solche Erkenntnisse zunehmend Gewicht: Statt nur zu vermeiden, was schadet, lässt sich aktiv fördern, was schützt.
Von Anne Bajrica
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