Es trifft meist erst 12 bis 36 Stunden später ein: Das „Holiday-Heart-Syndrom“ sorgt nach starkem Alkoholkonsum für plötzliche Herzrhythmusstörungen.
Beim Holiday-Heart-Syndrom erleben gesunde Partybesucher plötzlich Herzrhythmusstörungen. Die weltweit größte Studie dazu stammt nicht zufällig vom Münchner Oktoberfest – wie sie das Syndrom erkennen und sich davor schützen.
Auf der Wiesn gerät so manches aus dem Takt: die Bierpreise, die Schunkelbewegung – und manchmal auch der Herzschlag. Doch wer meint, das Flattern in der Brust sei der Liebe oder Euphorie geschuldet, kann eine unangenehme Überraschung erleben: das sogenannte „Holiday-Heart-Syndrom“, auf Deutsch „Urlaubs-Herzsyndrom“.
Dabei handelt es sich um gefährliche Herzrhythmusstörungen, die durch starken Alkoholkonsum verursacht werden. Häufig treten sie während des Urlaubs, an Feiertagen und Wochenenden auf – daher der Name.
„Der etwas niedliche Name Holiday-Heart-Syndrom bezeichnet das Auftreten von Herzrhythmusstörungen typischerweise zwölf bis 36 Stunden nach exzessivem Alkoholkonsum bei eigentlich herzgesunden Personen“, erklärt Kardiologe Ulf Radunski das Syndrom im Podcast „Impuls“ der Deutschen Herzstiftung.
Bekannt wurde das Holiday-Heart-Syndrom vor allem durch eine große deutsche Studie auf dem Oktoberfest in München. Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) hatten dort schon vor über zehn Jahren Daten zum Syndrom gesammelt: In der MunichBREW I-Studie untersuchten sie den Herzschlag von über 3000 Festbesuchern. Ein tragbares EKG-System maß dabei die elektrische Aktivität des Herzens. Die Forscher stellten fest: Der steigende Alkoholspiegel auf dem Oktoberfest ging mit einem zunehmenden Risiko für Herzrhythmusstörungen einher.
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Die Ergebnisse hatten das Münchner Team so beunruhigt, dass es im Zuge der Folgestudie MunichBREW II erneut 202 gesunde, junge Freiwillige während des Alkoholkonsums untersuchte. Diesmal allerdings bei privaten Feiern und ab Partybeginn durchgängig über insgesamt 48 Stunden. Im Gegensatz zur ersten Studie konnten sie so auch Rhythmusstörungen mit verzögertem Auftreten erfassen.
Mit steigendem Alkoholkonsum bei Spitzenwerten von 2,5 Promille beobachteten sie während der Feiern
Sechs bis 19 Stunden nach Beginn der Feiern, also in der Erholungsphase, zeigten sich bei mehr als fünf Prozent der Probanden klinisch relevante Herzrhythmusstörungen, inklusive Vorhofflimmern.
Der beste Tipp, um die Festtage ohne das Holiday-Heart-Syndrom zu genießen, ist natürlich, ganz auf Alkohol zu verzichten. Wer das nicht möchte, sollte zumindest einige Ratschläge befolgen:
Mit diesen Tipps bleibt das „Herzbeben“ hoffentlich nur ein Teil der musikalischen Festbegleitung.
Abseits von den langfristigen Schäden kann Alkohol das Herz über verschiedene Wege direkt schädigen, erklärt Radunski im Podcast. So kann Alkohol
Wieso treten die Herzrhythmusstörungen beim Holiday-Heart-Syndrom aber erst so spät auf? Auch darauf hat der Kardiologe die Antwort:
Zum einen brauche der Körper Zeit, um den Alkohol abzubauen. Zum anderen werde dabei ein giftiges Abbauprodukt freigesetzt, das Acetaldehyd. „Das ist auch das, was uns starke Kopfschmerzen bereitet, also den Kater“, erläutert der Experte. Darüber hinaus wirke es toxisch auf die Herzmuskelzellen.
Auch die Elektrolytverschiebung intensiviere sich mit der Zeit. „Es kann sein, dass wir tanzen, schwitzen und es deswegen zu einer immer größeren Dysbalance kommt, was den Elektrolythaushalt angeht“. Weitere Faktoren seien Schlafmangel, Stress und Flüssigkeitsmangel.
Die Bedingungen seien „ideal“, um eine Rhythmusstörung nach zwölf bis 36 Stunden entstehen zu lassen, resümiert Radunski.
Bei allen Tipps zur Vorbeugung empfiehlt der Kardiologe dennoch, auf mögliche Symptome zu achten: „Wenn man so ein Herzrasen verspürt, was man nicht kennt, das einhergeht vielleicht noch mit Alarmsignalen wie Brustschmerzen oder Luftnot, Schwindel, oder man sogar ohnmächtig wird oder wenn man schon eine bekannte Herzerkrankung und ein Herzrasen hat – dann sollte man auf jeden Fall ins Krankenhaus gehen“.
Unfälle oder medizinische Notfälle können Sie telefonisch oder persönlich bei allen Einsatzkräften oder der Wiesn- Polizei melden. Die Büros in den Festzelten sowie die Schausteller helfen ebenfalls.
Beim Notruf sollten Sie, wenn möglich, folgende Fragen beantworten:
Alternativ können Sie sich direkt an die Sanitätswachen wenden. Mit rund 430 Einsatzkräften, davon 36 Ärzten, ist das Team in 24/7-Besetzung bis zum 05.10.2026, 09:00 Uhr, im Einsatz.
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